So eine Ungerechtigkeit! Andacht zum 31.7.2015

(zusammen mit Sabina Krappmann-Klute)

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der sich früh am Morgen aufmachte, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. Er ´fand etliche und` einigte sich mit ihnen auf den ´üblichen` Tageslohn von einem Denar. Dann schickte er sie in seinen Weinberg. (Matthäus 20, 1 ff.)

So beginnt ein Gleichnis Jesu. Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut, die Stimmen einiger beteiligter Tagelöhnerinnen und Tagelöhner einzufangen. Hier zunächst Kurt:

Kurt: Ja genau, und ich bin einer davon gewesen. Bis dahin ist alles korrekt abgelaufen. Ich bin schon total früh aufgestanden und war einer der Ersten, die der Weinbergbesitzer ange­sprochen hat. Ein Denar als Tageslohn, damit kann man keine grossen Sprünge machen. Das ist das Minimum, was man braucht. Aber damit komme ich schon über die Runden.

Gegen neun Uhr ging er wieder auf den Marktplatz und sah dort noch andere untätig herumstehen. ›Geht auch ihr in meinem Weinberg arbeiten!‹, sagte er zu ihnen. ›Ich werde euch dafür geben, was recht ist.‹ Da gingen sie an die Arbeit. Um die Mittagszeit und dann noch einmal gegen drei Uhr ging der Mann wieder hin und stellte Arbeiter ein. Als er gegen fünf Uhr ´ein letztes Mal` zum Marktplatz ging, fand er immer noch einige, die dort herumstanden. ›Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum?, fragte er sie. ›Es hat uns eben niemand eingestellt, antworteten sie.

Inge: Stimmt, so war das. Den ganzen Tag habe ich mich am Marktplatz und in der Nähe aufge­halten. Ich hab mich angeboten wie sauer Bier. Mich wollte keiner, meine Arbeitskraft war wieder mal nicht gefragt. Mit jeder Stunde wuchs die Sorge, wie ich über die Nacht komme. Ich hatte Hunger – und nun so ganz ohne Geld. Ganz mächtig irritiert war ich, als ich dann noch um 5 Uhr nachmittags angesprochen wurde. Wer wollte mich denn jetzt noch haben? Aber glücklich war ich auch: Letzte Chance auf einen Verdienst!

Da sagte er zu ihnen: ›Geht auch ihr noch in meinem Weinberg arbeiten!‹ Am Abend sagte der Weinbergbesitzer zu seinem Verwalter: ›Ruf die Arbeiter zusammen und zahl ihnen den Lohn aus! Fang bei den Letzten an und hör bei den Ersten auf.‹ Die Männer, die erst gegen fünf Uhr angefangen hatten, traten vor …

Inge: Nun war ich ja total gespannt. Nur die letzte Stunde gearbeitet, und wir hatten ja auch keinen Lohn für diese kurze Zeit vereinbart.

… und erhielten jeder einen Denar.
Als nun die Ersten an der Reihe waren, dachten sie, sie würden mehr bekommen …

Kurt: Na klar, 12 Stunden in der dicken Sonne gearbeitet, das war anstrengend! Und so heiß! Nun mein Lohn, der müsste 12 x 1, das macht also 12 Denare, betragen.

… Aber auch sie erhielten jeder einen Denar. Da begehrten sie gegen den Gutsbesitzer auf. ›Diese hier‹, sagten sie, ›die zuletzt gekommen sind, haben nur eine Stunde gearbeitet, und du gibst ihnen genauso viel wie uns. Dabei haben wir doch den ganzen Tag über schwer gearbeitet und die Hitze ertragen! ‹

Kurt: So eine Ungerechtigkeit! Der Lohn muss sich doch nach der Leistung bemessen! Und ich gehöre zu denen, die nun mal am meisten geleistet haben! 12 Stunden in der Sonne Trauben gepflückt! Ich finde das nicht in Ordnung vom Weinbergbesitzer!

Da sagte der Gutsbesitzer zu einem von ihnen: ›Mein Freund, ich tue dir kein Unrecht. Hattest du dich mit mir nicht auf einen Denar geeinigt? Nimm dein Geld und geh! Ich will nun einmal dem Letzten hier genauso viel geben wie dir. Darf ich denn mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich so gütig bin?‹ So wird es kommen, dass die Letzten die Ersten sind und die Ersten die Letzten.

Kurt: Da hatte er natürlich recht, ein Denar für den Tag war vereinbart. Aber was ist denn das – „Güte“? Das hat doch nichts in der Arbeitswelt zu suchen! Da geht es doch nach Leistung! Und nach Angebot und Nachfrage! Ich hätte mehr verdient! Oder Du, ja Du von den Letzten, Du hättest weniger verdient!

Inge: Stimmt, Kollege, Du hast wirklich viel mehr gearbeitet als ich. Ich hätte es ja auch gern getan, aber mich hat ja fast den ganzen Tag keiner genommen. Und dann, dann wurde ich nachmittags doch noch genommen. Ich war auch völlig perplex, dass ich einen vollen Denar bekommen habe. Aber heilfroh und dankbar! Ohne diesen Tageslohn für diese eine Stunde Arbeit – ich wüsste nicht, wie ich mich und meine Lieben über die Runden gebracht hätte!

Charlotte: Und ich, ich hätte auch gern gearbeitet. Aber ich konnte ja nicht mal auf den Markt. Und wenn ich gekonnt hätte, mich hätte ja erst recht keiner genommen. Ich bin schon wochen­lang krank, kann kaum laufen, keine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt! Ich bin am Ende, ich weiss nicht, wie es mit mir und meiner Familie weitergehen soll.

Kurt: Eigentlich habe ich es nicht selbst verdient, dass ich kerngesund bin. Und auch, dass der Weinbergbesitzer auf mich gestoßen ist. Ein Geschenk? Eine glückliche Fügung?

Inge: Wir beide haben wirklich einen tollen Arbeitgeber gehabt. Der hat schon auf beides gesehen: die Arbeit im Weinberg musste getan werden. Und jeder seiner Arbeiter hat soviel bekommen, wie er zum Leben brauchte.

Charlotte: Aber die Welt ist nicht so wie dieser Weinbergbesitzer. Die dreht sich nach ganz anderen Regeln.

Kurt: Und morgen könnte es ja auch schon ganz anders für mich sein. Ich könnte krank sein. Und dann nimmt MICH keiner. Oder ich werde auf dem Arbeitsmarkt einfach so nicht genommen.

Alle, wie aus einem Munde: Was können wir denn da tun, dass sich die Welt gerechter dreht??

Ja, was ist nun gerecht? Ist es gerecht, wenn es nach Leistung geht? Aber welche Leistung ist wie viel wert? Und wer will das entscheiden?
Ist es gerecht, wenn jeder bekommt, was er unbedingt braucht? Aber wer braucht wie viel? Und wer entscheidet das?
Ist es gerecht, wenn ich das, was ich früher bekommen habe, deswegen immer weiter bekomme? Das ist dann mein Anspruch! Aber ist es gerecht, wenn die, die früher nichts bekommen haben, deswegen auch weiterhin nichts bekommen?
Ist es gerecht, wenn es keine Rolle spielt, in welche Familie, welchen Stadtteil, welche Volksgruppe, welches Land ich geboren werde? Aber wie will man DAS denn verwirklichen, so eine Gerechtigkeit?
Ist es gerecht, wenn diejenigen am meisten bekommen, die am lautesten schreien? Oder am meisten zu sagen haben? Wo bleiben die Verstummten und die, die keiner hört?

Gebet:
Gott, in unserem Land lebt die Mehrheit auf der Sonnenseite in einer zutiefst ungerechten Welt. Ich danke Dir für all das Gute, das ich unverdient habe. Und ich bitte Dich um Erbarmen und Gerechtigkeit für die, die das nicht sagen können.
Gott, oft will ich es gar nicht zu genau wissen und schaue lieber weg. Oft bin ich sooo bequem. Das bekenne ich Dir.
Gott, Du willst Gerechtigkeit. Gib Du mir, gib Du uns den Willen, die Kraft, die Phantasie und den langen Atem! Amen.

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Selma S.: Neige Dein Ohr! Andacht zum 24.7.2015

Neige dein Ohr, mein Gott, und höre, tu deine Augen auf und sieh an unsere Trümmer und die Stadt, die nach deinem Namen genannt ist. Denn wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.
Ach Herr, höre! Ach Herr, sei gnädig! Ach Herr, merk auf! Tu es und säume nicht – um deinetwillen, mein Gott! Denn deine Stadt und dein Volk ist nach deinem Namen genannt. (Daniel 9, 18-19)

Selma Silberschmidt (Pseudonym) wohnt in einer deutschen Großstadt. Ihr noch junges Leben ist in mehrfacher Hinsicht ein schweres. Ich habe sie um eine biographische Notiz gebeten. Die lautet:

Studentin, 22 Jahre alt.
Immer wieder Fragende.
Aber ein Leben ohne Gott? Niemals. Undenkbar.

Die folgenden Zeilen stammen aus einem persönlichen Brief. Ich habe mir nachträglich die Erlaubnis geholt, sie öffentlich zu machen.

… Das tägliche Einerlei kostet mich total viel Anstrengung. Aber ich denke trotz allem weiter nach – über ein/mein beschädigtes Leben, über Gott, über das, was ich transportieren kann zu den Menschen, die auch Leid erlebt haben. Und ich habe mir Gedanken zu Gott und meinem Leben gemacht, und zu den Leben derjenigen, die ich kenne und die ebenso fragend da stehen vor der eigenen Geschichte.
In Daniel 9 steht: „Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.“
Ein schönes Wort: Nicht auf das vertrauen, was unter uns Menschen als vermeintliche Gerechtig­keit praktiziert wird. Sondern auf Gott und seine ewige Barmherzigkeit. Und als ich mir dann den ganzen Vers ansah, war ich verblüfft: Der Vers ist viel länger! Vorher steht doch noch: „Neige dein Ohr, mein Gott, und höre, tu deine Augen auf und sieh an unsere Trümmer…“
Wie es zu diesen Trümmern kam, ist eine lange Geschichte, und auch, wie Daniel zu diesem Gebet fand. Manches ist mir dabei fremd. Aber vieles passt auch zu mir. Mit der Geschichte über Trümmer, Zerbruch, Hoffnungen, Beziehungen, Vertrauen und Missbrauch beschäftige ich mich ja auch. Kenne ich gut. Immer wieder gestolpert, vor die Trümmer gelaufen, verschwunden zwischen ihnen. Habe aber inzwischen eine Taschenlampe und räume immer mal wieder ein paar Trümmer aus dem Weg. Ich habe einen Wegweiser erstellt und Pläne für die Umgebung. Und – wenn ich genau hinhöre, erkenne ich auch, rieche ich es, dass etwas blüht…
Nein, ich möchte nicht anklagen, will nichts ans Licht zerren oder Schlagzeilen machen. Obwohl das Unrecht, das Kindern und Erwachsenen angetan wird, zum Himmel schreit. Aber eigentlich möchte ich nur aufmerksam machen und zuhören. In Worte fassen, was Menschen erlebt haben und auch was Menschen getan haben. Nicht nur irgendwo weit weg in den Diktaturen dieser Welt, sondern auch in unserer Nähe, in unserem Leben.
Und was dann? Ich habe keine fertigen, schnellen Antworten. Ich kann nur einladen zu Gott. Bei ihm ist Raum. Vor ihm kann ich sitzen, stehen, liegen: mit allen Trümmern, mit allen Fragen, mit aller Hilflosigkeit, aller Trauer und auch aller Wut.
Ich will glauben, dass es Wege gibt. Auch, wenn ich die im Moment nicht sehen oder glauben kann. Und ich will voller Hoffnung gespannt sein auf die Chancen, die er aufzeigt. Ich möchte lernen, zu erzählen von der Güte Gottes, von seiner Barmherzigkeit im eigenen Leben – auch inmitten von Trümmern. Und vielleicht ist es jene Barmherzigkeit, von der Daniel spricht. Barmherzigkeit für mein Leben, zu akzeptieren, nicht aufgeben, nicht resigniert, sondern wirklich und überzeugend.

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Das Blaue vom Himmel? Andacht zum 17.7.2015

Lesen Sie gern Biografien? Wenn ja, wird die Bibel Sie in diesem Punkt enttäuschen. Denn „richtige“ Biografien sind Lebensgeschichten von der Wiege bis zur Bahre. Na ja, nicht ganz, denn wer seine Auto-Biografie schreibt, ist ja noch nicht gestorben. Aber halbwegs „ganze“ Lebensgeschichten in der Bibel? Fehlanzeige. Höchstens bei Jakob, Josef, Mose.
Sonst ist es mehr wie bei Abraham: Was der die ersten 75 Jahre seines Lebens alles macht und erlebt, interessiert die biblischen Schreiber kein bisschen. Für sie wird es erst da interessant, als Gott zu Abraham spricht – und ihn auf seine alten Tage aufbrechen lässt. Bei Jesus ist das nicht viel anders: Im ältesten Evangelium, dem von Markus, fängt Jesu Geschichte erst mit seiner Taufe an. Da ist er um die 30.
Was ist wichtig? Was ist bemerkenswert und erzählenswert? Jetzt nicht bei Abraham oder Jesus, sondern in IHRER bisherigen Lebensgeschichte? Sie könnten da ein kleines Gedanken-Experi­ment machen:
Was aus Ihrem bisherigen Leben würden Sie für Ihre persönliche Auto-Biografie aufschreiben? (Was davon evtl. öffentlich machen?)
Was aus Ihrem bisherigen Leben gäbe in 100 Jahren Stoff für eine Biografie ab?
Welche Notizen oder Geschichten aus Ihrem Leben würde Verwendung finden, wenn jemand die Bibel weiterschreiben würde?
Übrigens: Ihre Antworten auf diese Fragen wären vor 20 Jahren vielleicht deutlich anders ausgefallen. Früher wichtige Dinge können nämlich ihre Bedeutung verlieren. Und früher belanglose, alltägliche Dinge können einem im Rückblick sehr, sehr kostbar werden.
Wenn nun für biblische Erzähler das Leben da erzählenswert wird, wo Gott sich ins Spiel bringt, dann könnte man annehmen: Von da an wird das Leben aber auch wirklich bedeutungsvoll, tiefgründig, lebenswert, neu, fröhlich und was Sie sich sonst noch wünschen. Oder?
Ich finde: Nein! Aber es gibt Leute, die auf genau so für den christlichen Glauben werben. Ich habe von ganz früher noch so eine Liedstrophe im Ohr. Die verspricht einem, wenn man Christ wird, „ein interessantes, ausgefülltes Leben“, eines, das „lebenswert und neu“ wird. Ich sehe das anders. Ich halte das sogar für gefährlich. Wer high life in Dosen verspricht, kann schnell als Lügner dastehen. Und enttäuschte Jesus-Fans zurücklassen. Dazu heute ein Blick auf – Jesus selbst:

Es begab sich, als alles Volk sich taufen ließ und Jesus auch getauft worden war und betete, da tat sich der Himmel auf, und der Heilige Geist fuhr hernieder auf ihn in leiblicher Gestalt wie eine Taube, und eine Stimme kam aus dem Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen. (Lukas 3, 21 f.)

Whow! Eine Eins-A-Glaubens-Wende im Leben des Jesus von Nazareth: Er entscheidet sich zur Taufe, er betet, der Himmel tut sich über ihm auf, er ist voll be-Geist-ert, von Gottes Geist erfüllt, und er hat es buchstäblich gehört: Ich bin Gottes Kind! Ab sofort steht das Lebens-Barometer auf „Sonnenschein“, das Alte ist vorbei, jetzt darf es „interessant, ausgefüllt, lebenswert, neu“ werden, oder? – Nein, Pustekuchen!

Jesus aber, voll Heiligen Geistes, kam zurück vom Jordan und wurde vom Geist in die Wüste geführt und vierzig Tage lang von dem Teufel versucht. Und er aß nichts in diesen Tagen, und als sie ein Ende hatten, hungerte ihn.

Dabei hätte Jesus nach diesem Tauf-Start von einer geistlichen Erfahrung zur nächsten geführt werden können – und unter die Leute kommen können, um von dieser Kraft in Wort und Tat weiterzugeben! Aber nein: Jesus landet in der Wüste. Ausgerechnet! „Wüste“, das ist ungefähr das Gegenteil von dem, was man sich unter dem prallen Leben vorstellt: Hitze und Kälte im Wechsel, Einsamkeit, Stille. Hunger und Durst. Keine Menschenseele weit und breit. Und für Smartphone-Nutzer: ein Funkloch. Man ist nicht erreichbar, und man kann niemanden erreichen.
Welcher Spielverderber ist daran schuld? Wer schickt Jesus in die Wüste statt zu den Menschen? Klare Antwort: Jesus wird „vom GEIST in die Wüste geführt“! DER Geist, der bei der Taufe auf ihn hinabgekommen ist. Passt nicht so ganz zum glaubensvollen high life in Dosen, oder?
Wobei – Stichwort „Smartphone“. Ganz unerreichbar ist Jesus doch nicht. Einer erreicht ihn, ist trotzdem an seiner Seite. Nein, nicht „der liebe Gott“. Sondern: der Teufel!

Der Teufel aber sprach zu ihm: „Bist du Gottes Sohn, so sprich zu diesem Stein, dass er Brot werde!“

Gerade erst vor 40 Tagen hatte es Jesus bei seiner Taufe von Gott gehört: „Du bist mein lieber Sohn!“ Aber nun wird ihm das in Zweifel gezogen: „Bist du Gottes Sohn?“ Sich einfach auf Gottes Zu-Sage verlassen, das reicht nicht. Um Gottes Kind zu sein, da muss schon ein bisschen mehr kommen – sagt der Teufel. Aus Steinen Brot zum Beispiel. Jesus könnte das doch! Jesus könnte dem Teufel und sich selbst beweisen, wer er ist. Und Jesus könnte seinen entsetzlichen Hunger stillen. Und mittelfristig den Hunger der Welt beheben. Tolle Aussichten!
Außerdem: Wer sagt denn, dass der „leibhaftige Teufel“ mit Hörnern, Rußmantel und Pferdefuß daher kommt? Vielleicht eher ein sympathischer, attraktiver, freundlicher, ein bisschen kumpelhafter Typ mit herbem Parfüm? Wahrhaftig: In der Wüste macht der „leibhaftige Teufel“ manch­mal mehr her als der unsichtbare und unfassbare Gott.
Da setzte ich drei Ausrufezeichen: !!! Denn: Ein „handfester Glaube“, der über jeden Zweifel erhaben ist, mit klarem Profil, obendrein noch verbunden mit Satt-Sein und ansprechender Gesellschaft, dieses „tolle“ Glaubensleben ist – zumindest in unserer Geschichte – eben nicht „göttlich“, sondern teuflisch. Wer Ihnen so etwas vollmundig verspricht, der könnte Ihr Versucher sein. Und falls Sie anderen diese Dinge versprechen, sind Sie es auch. Sie mögen es von Herzen gut meinen und das auch alles selbst glauben – Sie sind es trotzdem.

Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben: »Der Mensch lebt nicht allein vom Brot.«

Sondern wovon lebt der Mensch noch? Das Matthäus-Evangelium sagt es uns an dieser Stelle: Von jedem Wort aus Gottes Mund. Da ist es wieder, das Wort, das Jesus bei seiner Taufe gehört hatte: „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.“ Jesus muss sich das durch kein Wunder der Welt verdienen. Er muss es nicht beweisen, nicht sich, nicht der Welt, nicht dem Teufel. Er IST Gottes geliebtes Kind! Das behält für ihn Gültigkeit, auch in der Wüste. Auch noch später im Garten Gethsemane, wenn er „Abba!“ beten wird – „Papa!“
Die zwei folgenden Versuchungen haben andere Themen als „Steine zu Brot“. Aber wieder geht es darum, sich zu beweisen und etwas zu beweisen, außerdem um die Erfüllung sehr hochgesteckter, etwas größenwahnsinniger Wünsche. Ich kann mir gut denken, dass das für Jesus sehr reale Versuchungen sind. Aber er weist sie zurück. Sein Glaubens-Weg ist ein anderer. Es ist ein Weg mit seinem himmlischen Vater. Ein Weg, der Wüste, Versuchung und Kreuz nicht einfach ausblendet und weg beamt. Nein, Jesus durchlebt das alles.
Eine Werbe-Predigt sieht anders aus. Dabei will ich Ihnen den Glaubensweg als Christin oder Christ keineswegs als Jammertal verkaufen. Nur: Wüste, Versuchung, Scheitern, Tod, das gibt es trotzdem. Mit demjenigen an Ihrer Seite, der das alles durchlitten hat. Sein Halt ist mehr wert als das Blaue vom Himmel, das andere Ihnen versprechen.

Gebet (aus einem alten Lied):

Jesu, geh voran / auf der Lebensbahn! Und wir wollen nicht verweilen, Dir getreulich nachzueilen. Für uns an der Hand / bis ins Vaterland!

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Bleiben. Die Weisheit des Barsillai. Andacht zum 10.7.2015

Die Schurken kennt meistens jeder, die „Guten“ nicht. Oder kennen Sie etwas Barsillai? Das kann sich jetzt aber ändern …
Die Situation ist für König David sehr brenzlig: Sein eigener Sohn Abschalom hat einen Aufstand gegen ihn angezettelt. Abschalom hat viele und starke Verbündete. Vor deren Übermacht hat David Jerusalem geräumt und geht buchstäblich „über den Jordan“. Dort, auf der anderen Fluss-Seite, fehlt es ihm und den Seinen am Nötigsten. Und Unterstützer sind rar, wenn man für einen Verlierer gehalten wird. Ein paar Helfer gibt es aber doch:

Als David (…) angekommen war, da brachten Schobi (…) und Machir (…) und Barsillai (…) Betten, Becken, irdene Gefäße, Weizen, Gerste, Mehl, geröstete Körner, Bohnen, Linsen, Honig, Butter, Kuh- und Schafkäse, um David und das Volk, das bei ihm war, zu stärken. Denn sie dachten: Das Volk wird hungrig, müde und durstig geworden sein in der Wüste. (2. Samuel 17, 27 ff.)

Da haben wir ihn also: Barsillai. Einer von Dreien mit Blick dafür, wo Hilfe nötig ist. Barsillai ist nicht nur ein edler Spender, er ist auch ein Mutiger. Denn wenn die Aufständischen erst einmal gewonnen haben, dann könnte es ihm an den Kragen gehen dafür, dass er die falsche Seite unterstützt hat.
Doch es kommt alles anders: Wider Erwarten scheitert der Aufstand gegen David. Und nun, wo sich das Blatt gewendet hat, ist wieder Aufbruch angesagt: David und seine Leute wollen nach Jerusalem zurückkehren …

Und Barsillai (…) zog mit dem König an den Jordan, um ihn über den Jordan zu geleiten. Und Barsillai war sehr alt, wohl achtzig Jahre (…). Und der König sprach zu Barsillai: „Du sollst mit mir ziehen, ich will dich versorgen bei mir in Jerusalem.“

Man kann sagen: Barsillai hatte auf das richtige Pferd gesetzt, als er dem bedrängten David half. David hat Barsillai das nicht vergessen. Barsillai darf mit nach Jerusalem, er wird für den Rest seines schon langen Lebens gut versorgt (obwohl er nie in die Rentenkasse eingezahlt hat) und darf sich fortan in der Gunst des zu neuem Glanz erstrahlten Königs sonnen. – Aber was ist das? Basillai lehnt freundlich ab:

„Was ist’s noch, das ich zu leben habe, dass ich mit dem König hinaufziehen sollte nach Jerusalem? Ich bin heute achtzig Jahre alt. Wie kann ich noch unterscheiden, was gut und schlecht ist? Oder schmecken, was ich esse und trinke? Oder hören, was die Sänger und Sängerinnen singen? Warum sollte dein Knecht meinen Herrn, den König, noch beschweren?
Dein Knecht wird ein kleines Stück mit dem König über den Jordan gehen. Warum will mir der König so reichlich vergelten? Lass deinen Knecht umkehren, dass ich sterbe in meiner Stadt bei meines Vaters und meiner Mutter Grab.

Mein erster Gedanke: Na klar, das sagt ja auch unser Volksmund: „Einen alten Baum verpflanzt man nicht!“ – Ein idealer Text für Leute, die auf ihre alten Tage quer durch die Republik umziehen sollen, um in der Nähe ihrer Kinder oder Enkel zu leben. Na ja, so ein Umzug ist ja nicht grundsätzlich verkehrt. Manchmal aber doch, scheint mir.
Allerdings: Barsillais Begründung passt heute nicht mehr so, denn „das Alter“ ist heute anders, und auch die Sicht auf „das Alter“ hat sich geändert. Heute können 80jährige meist ganz gut zwischen „gut“ und „schlecht“ unterscheiden; sie schmecken, was sie essen oder trinken. Sie hören, was die Sängerinnen und Sänger singen – das mag schwieriger geworden sein, geht aber oft auch noch ganz gut.
Dass der alte Barsillai den König nicht „beschweren“ will, gefällt mir nicht. Ich höre das zu oft, dass Leute sich viel zu viel mit der Sorge plagen, anderen „zur Last zu fallen“:

  1. Das, was wir füreinander tun können, ist ja häufig gar kein Last, manchmal nur ein Fliegengewicht, oft eine richtige Freuden, auch für den, der helfen kann.
  2. Diejenigen, die anderen nie zur Last fallen wollen, würden ihrerseits meist ohne großes Jammern ihren Mitmenschen in ähnlicher Lage beistehen. So ja auch Barsillai.
  3. Wer sagt eigentlich, dass Menschen einander niemals Last sein dürfen??? Wer dieses „Niemals Last sein!“ als Ideal hat, hat nicht viel von wirklich „menschlichem“ Zusammenleben begriffen.
  4. Wer seine Last für unzumutbar hält, bildet sich womöglich zu viel darauf ein, wie kompliziert und kräftezehrend doch wohl die eigene Last für alle anderen ist. Manchmal scheint mir: Es gibt Leute, deren Programm ist es geradezu, alle noch so guten Helfer an der Größe ihrer Last scheitern zu lassen. Auch eine Form von Überheblichkeit.
  5. Mir scheint gelegentlich: Hinter dem „Ich will nicht zur Last fallen!“ steckt die Angst, „sich melden“ zu müssen, zu bitten, Worte suchen zu müssen. Verbunden mit der völlig überhöhten Erwartung, der andere müsse mir doch eigentlich ansehen, dass ich ihn brauche und wofür genau. Tut er aber nicht.

Also bitte – wenn Sie es nicht schon tun: Gewöhnen Sie sich an, anderen zur Last zu fallen! Vielleicht nicht dauernd und ausschließlich, aber immer mal wieder. Auch dann, wenn Sie damit gelegentlich Enttäuschungen erleben sollten!
Aber Barsillai wird das wohl auch nicht so ernst gemeint haben. Schließlich: So ein König hat’s ja. Geldlich, aber auch, was das Personal betrifft. Zumal Barsillai selbst ja auch wohlhabend ist.
Ich finde Barsillai sehr weise. Er erkennt: Da, wo er lebt, da ist er richtig. Und so, wie er lebt, passt es auch. Und so, wie er geworden ist, darf er bleiben. Und beerdigt werden will er auch da, wo er hin gehört.
Stattdessen schlägt Barsillai vor: Der König soll einem gewissen Herrn Kinham all das Gute angedeihen lassen, was er bekommen hätte. So kann dann Kinham ganz unverhofft einen Karrieresprung machen und hat für sich ausgesorgt. Warum nicht, wenn’s für Kinhams Lebenssituation passt?! Barsillai braucht das alles für sich nicht.
Barsillai begleitet David noch ein Stückchen. Dann der Abschied:

Und als das ganze Volk über den Jordan gegangen war und der König auch, küsste der König den Barsillai und (er) segnete ihn. Und er kehrte zurück in seine Heimat. (2. Samuel 19, 32-40; in Auszügen)

Eine herzliche Verabschiedung. Mit Segen. Ich finde es im hebräischen Original nicht ganz eindeutig, wer da wen segnete. Der König den Untertan? Oder der Alte den Jüngeren? Na, vielleicht ja auch gegenseitig … Nach Hilfe und Verbundenheit in schwerer Zeit ist nun wieder jeder an seinem Ort – als Gesegneter, und das ist gut so.
Und was geht das alles Sie an? Auch dann, wenn Sie erst 20 sind und der Umzug im Alter kein Thema ist? Vielleicht das: Nehmen Sie nicht besinnungslos jedes „tolle Angebot“ wahr, das Ihnen das Leben unterbreitet! Auch wenn alle anderen „die“ große Chance ohne Zögern ergreifen würden – es könnte sein, dass diese Chance zu Ihnen nicht recht passt. Es könnte für Sie dran sein, an manchen Stellen ein fröhliches „Ja“ zu sagen zu dem, wie es jetzt ist, auch wenn das ein paar Haken und Ösen hat. Auch, wenn Sie einem König oder einer Königin, einer Prinzessin oder einem Prinzen einen Korb geben und alle verständnislos den Kopf schütteln. Sogar, wenn die Einladung zu der großen Chance von einer frommen Autorität wie David kommt.
Es ist eine gute Sache, wenn Sie der Lebensabsicht Gottes mit Ihnen nachspüren. Aber das, was in den Augen aller anderen angesagt ist, ist nicht immer das Richtige. Manchmal helfen auch Fragen wie: „Wo ist mein Platz?“; „Wo fühle ich mich wohl?“ Und dann segne Gott Sie, wo Sie gerade sind!

Gebet:
Gott, Du meinst es gut mit mir und willst für mich sorgen. Da hilf, dass ich mich nicht blenden lasse von allem, was nicht zu mir passt! Amen.

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Vorbild. Andacht zum 3.6.2015

Und? Haben Sie eines? Ein Vorbild? Jetzt nicht eine alte Buche oder Ihr Bernhardiner, sondern ein richtiger Mensch? Wer kommt Ihnen da in den Sinn? Überlegen Sie mal zwei Momente! (…) Na, haben Sie wen gefunden?

Falls ja: Jemand aus Ihrem persönlichen Umfeld? Oder aus dem Fernsehen, aus Büchern, Filmen, Erzählungen? Jemand von heute oder von früher? Und: Was finden Sie so bewundernswert, erstrebenswert, eben: vorbildhaft an diesem Jemand?

Falls Sie kein Vorbild gefunden haben: Kein Wunder! Von wem kann man schon rundherum sagen: „So möchte ich auch sein!“? Eine spezielle Seite von dem, wie ein anderer ist, was der kann, was der hat – ok. Aber das komplette Paket? Da gibt es meistens Haken. Die Intelligenz von Einstein und die Figur von Scharzenegger – ok. Aber bitte nicht umgekehrt!

Und wo Sie es gerade mit einer Andacht zu tun haben: Ist Jesus Ihr Vorbild? Auch da muss das Komplettpaket nicht unbedingt passen. Oder streben Sie das an: obdachlos, Single, Prediger, Wunderheiler, Krach mit der Mutter und den Geschwistern?

Und nun umgekehrt: SIND Sie ein Vorbild? Oder empfehlen Sie sich als Vorbild?

  • Vielleicht finden Sie sich als Vorbild ungeeignet. Vielleicht halten Sie nicht viel von sich, trauen sich wenig zu, denken, Sie machen alles verkehrt. Schade. Mit so einer pauschalen Selbst-Verurteilung liegen Sie wohl nicht richtig. Ihr überkritischer Blick halt …

  • Oder Sie sagen: „Ja, ich habe bestimmte Fähigkeiten, Meinungen, Haltungen, da können sich andere mal was von abgucken!“

  • Oder Sie sind total von sich überzeugt: Wenn alle so wären wie Sie, so dächten, so fühlten, so handelten, dann wäre die Welt in Ordnung! – Ob Sie dann vielleicht ein Recht­haber und Besserwisser sind? Es hätte was von Arroganz. Ihr allzu un-kritischer Blick halt …

Aber selbst wer sehr überzeugt von sich ist, wird sich kaum trauen, das ganz unverblümt herauszuposaunen. Das käme nicht gut an, oder?

So, und nun hören Sie den Apostel Paulus, Philpper 3:

Ahmt auch ihr mich nach, Geschwister, und achtet auf jene, die nach dem Vorbild leben, das ihr an uns habt!

Paulus – ein Häftling. Wahrscheinlich in Ephesus in der heutigen Türkei. Dort schreibt er Briefe an die Philipper im heutigen Griechenland. Philippi ist nur ein paar Tage weit weg. Dort hatten Paulus und Silas die Gemeinde gegründet: Die Purpurhändlerin Lydia war die Erste, es folgten der ausgerechnet der Gefängnisdirektor und dessen Hausgemeinschaft. Nun im Gefängnis in Ephesus bekommt Paulus aus Philippi Besuch und Sachspenden. Und man tauscht Briefe aus.

In einem davon schreibt Paulus nun das: „Ahmt mich nach!“ Und er schreibt vom „Vorbild, das ihr an uns habt“. Gefangene gelten selten als Vorbild. Wie kommt der Mann dazu, sich so anzupreisen?

Erste Antwort: Weil er vor anderen warnt, die sich ebenfalls als Vorbilder anbieten:

Denn viele – von denen ich oft zu euch gesprochen habe, doch jetzt unter Tränen spreche – leben als Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott der Bauch; ihr Ruhm besteht in ihrer Schande. Irdisches haben sie im Sinn.

Wen hat Paulus da vor Augen? Das schreibt er weiter vorn im Brief: Es sind Leute, die sich darin überbieten, penibel das Gesetz des Mose zu befolgen. Paulus sagt: „So war ich auch mal! Eigentlich war ich in Sachen ‘Gesetzestreue’ unübertroffen, tadellos, perfekt!“

Na, wenn er wirklich so perfekt war, dann kann er sich doch mit Recht als Vorbild anpreisen, oder? – Nein, genau das gerade nicht! Denn Paulus ist Christ geworden. Und das bedeutet für ihn: „Ich bin mit Christus gestorben, ich bekomme Anteil an seiner Auferstehung! Durch Christus und nur durch Christus bin ich erlöst!“

Und der fromme Perfektionismus, den Paulus früher an den Tag legte und den er nun bei seinen Gegnern sieht? „Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet (…) und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne!“

Sich selbst durch Perfektionismus erlösen wollen, sich vor Gott, vor anderen, vor sich selbst durch Tadellosigkeit in ein günstiges Licht setzen? Paulus meint: Wer das will, der kann doch nicht zugleich an die Erlösung durch Christus glauben! Deswegen sind seine Gegner für ihn „Feinde des Kreuzes Christi“. Aber weswegen ist „ihr Gott ihr Bauch“? Wohl nicht wegen der Fresserei, sondern eher im Gegenteil: Weil sie auch alle Speisegebote penibel einhalten.

Zweite Antwort: Paulus empfiehlt sich als Vorbild darin, dass er selbst ein Vorbild hat, nämlich: Jesus Christus! – Mhm, da hat Paulus die Messlatte für sich aber sehr hoch gehängt, oder? Jesus – voller Liebe und Güte, Weisheit, Heilkraft, Mut, Sündlosigkeit? – Nein, das alles meint Paulus nicht! Sonst wäre er nämlich doch wieder bei seinem Perfektionismus von früher gelandet. Sondern:

Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden! Sein Tod soll mich prägen. So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen. (Philipper 3, 10 f.)

Auf Christus sehen, ihn erkennen, mit ihm verbunden sein, sich von ihm prägen lassen – und zwar nicht die guten Charakter-Eigenschaften und das vorbildhafte Auftreten, sondern: Christi Leiden, sein Tod, seine Auferstehung! Das ist für Paulus viel mehr als ein Vorbild im Sinne von: „Den finde ich toll, und so möchte ich auch sein!“ Nein, in dieser innigen Christus-Gemeinschaft fallen die Grenzen von „Ich“ und „Du“. Anderswo schreibt es Paulus so: „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2, 20a).

Zu dieser Christus-Verbundenheit lädt Paulus die Christen in Philippi ein, wenn er sich als Vorbild hinstellt. – „Macht es so wie ich! Verbindet Euch mit Christus – mit seinem Leid, mit seinem Tod. Und dann auch: Mit seiner Auferstehung!“

Ein Vor-Bild ist ein Bild, das man vor Augen hat, auf das man den Blick richtet. Wohin geht der Blick, wenn Christus das Vorbild ist – und mehr als ein Vorbild?

Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann.

Christus als Vor-Bild: Klar, da geht der Blick erstmal – zurück: Karfreitag, Ostern. Aber der Blick geht auch zum Himmel: Christus, der Erhöhte. Christus, der Kommende. Christus, meine Zu-Kunft, meine wahre Heimat!

Christen sind nicht ganz von dieser Welt. Sie haben eine andere Heimat, auch wenn sie noch nie persönlich richtig da gewesen sind. Wie bei Leuten, die einen deutschen Pass haben, auch wenn sie noch nie in Deutschland gewesen sind. Die wissen: Da gehöre ich zu, da kann ich hin, da finde ich Aufnahme. Einfach so, ohne Asylverfahren und Angst vor Abschiebung.

Zurück zu meiner Frage am Anfang: Wer ist Ihr Vorbild? Wenn Sie ein Vorbild haben, können Sie daran ablesen: Was finde ich gut, wichtig, erstrebenswert? Wie möchte ich sein? Was wäre für mich ein „gelingendes“ Leben? Was sind für mich wichtige Werte?

Und auch wenn Sie kein Vorbild mit Vor- und Nachnamen haben, also keinen konkreten Menschen: Sie werden statt eines Vor-Bildes wenigstens so etwas wie ein „Leit“-Bild in Ihrem Kopf haben, auch wenn Sie die nie formuliert haben: Ihre Vorstellungen von dem, was Sie für gut, wichtig, erstrebenswert halten. Wie Sie sein möchten.

Nehmen Sie das, was Paulus den Philippern schreibt, als Einladung: sich Christus als Vor-Bild zu nehmen. Sich seinen Leidensweg, sein Kreuz, seine Auferweckung vor Augen zu führen. Den Blick zum Himmel zu erheben, Ihrer wahren Heimat.

Als Paulus Christ wurde, als er anfing, sich in dieses Vor-Bild Christus hineinzuleben, da sind ihm seine alten perfektionistischen Vor- und Leitbilder zerbrochen. Für ihn eine riesige Befreiung, ein tiefes Aufatmen. Mit dem Blick auch Christus kann Ihnen und mir das auch passieren. Halleluja!

Gebet:

Christus, dazu hilf mir: Dass Du mir vor Augen bleibst auf meinem Weg! Amen.

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Wenn Beten nix nutzt. Andacht zum 26.6.2015

Jesus erzählt eine Geschichte:

In einer Stadt lebte ein Richter, der fragte nicht nach Gott und nahm auf keinen Menschen Rücksicht. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe. Sie kam immer wieder zu dem Richter und bat ihn: ›Verhilf mir in der Auseinandersetzung mit meinem Gegner zu meinem Recht!‹ Lange Zeit wollte der Richter nicht darauf eingehen, doch dann sagte er sich: ›Ich fürchte Gott zwar nicht, und was die Menschen denken, ist mir gleichgültig. Aber diese Witwe wird mir so lästig, dass ich ihr zu ihrem Recht verhelfen will. Sonst bringt sie mich mit ihrem ständigen Kommen noch zur Verzweiflung. (Lukas 18, 2 ff.)

Der Volksmund sagt dazu. „Bescheidenheit ist eine Zier – doch weiter kommt man ohne ihr!“ Und: „Frechheit siegt!“ Unbescheiden und frech sind beide, der Richter und die Witwe:

Der RICHTER lebt nach der Devise: Möglichst bequem! Das Recht, das doch eigentlich sein Job ist, interessiert ihn nicht. Er sieht sich weder in der Verantwortung vor den Leuten noch vor Gott. Er löst das für sich so, wie Sie es vielleicht mit Behördenpost, Rechnungen, der Steuererklärung und dem Lernen für die Prüfung machen: Er lässt es liegen und liegen und liegen. Denn es ist lästig. Und manches löst sich von selbst. Und die Witwe? Was interessiert ihn die denn schon?

Die WITWE: Immer wieder steht sie bei dem Richter auf der Matte, fordert ihr Recht ein. Sie drängt, sie nervt. Sie gibt nicht auf.

Jetzt hat der bequeme, gleichgültige Richter ein Problem: Entweder lässt er sich vom Arbeiten nerven, oder die Witwe wird ihn weiter nerven. Also bequemt er sich dazu, das Nötige zu tun.

Bei Jesus kommt die Witwe mit ihrer Art richtig gut weg. Das passt so gar nicht in ein softes, liebliches, duldsames Jesus-Bild. Ich lese daraus: „Besteh’ auf Deinem Recht! Lass Dir nicht alles gefallen! Sag’ nicht zu allem Ja und Amen! Du musst nicht klein beigeben, nur weil „die da oben“ etwas so und so beschlossen haben!“

Ich lese daraus auch eine Aufforderung zum Engagement für andere. Auch da müssen Sie vielleicht Autoritäten auf die Füße treten: Ihnen sagen, was nötig ist. Briefe schreiben. Unterschriftenlisten ausfüllen. Online-Petitionen. Sich für diejenigen rühren, die das selbst nicht oder nicht ausreichend können.

Jesus selbst ist für diese Haltung ein vorzügliches Beispiel. Leisetreterei, Kniefälle vor Autoritäten, faule Kompromisse oder Gleichgültigkeit gegenüber Benachteiligten und Randgruppen kann man ihm nun wirklich nicht nachsagen. Wenn der Richter in Jesu Gleichnis nicht nach Gott fragt und auf keinen Menschen Rücksicht nimmt, so ist Jesus selbst davon das genaue Gegenteil: Er fragt nach Gott und er sieht seine Mitmenschen. Und nicht nur die Spezis, Amigos und sonstige, die man für den eigenen Vorteil „braucht“. Sondern gerade die anderen.

Ich meine: Jesus ließ meist seine Geschichten für sich sprechen, ohne gleich eine Deutung mitzuliefern. Deswegen könnte ich jetzt sagen: „Nehmen Sie sich Jesus zum Vorbild! Amen!“

Aber die Deutung, die sich anschließt, bietet uns nach dem unverschämten Richter und der unverschämten Witwe auch noch einen unverschämten Jesus:

Habt ihr darauf geachtet, was dieser Richter sagt, dem es überhaupt nicht um Gerechtigkeit geht? Sollte da Gott nicht erst recht dafür sorgen, dass seine Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm rufen, zu ihrem Recht kommen? Und wird er sie etwa warten lassen? Ich sage euch: Er wird dafür sorgen, dass sie schnell zu ihrem Recht kommen!

Das ist doch wirklich eine Unverschämtheit, oder? Gott mit diesem miesen Richter in Verbindung zu bringen, dem alles schnuppe ist? Sonst lesen wir so etwas bei Jesus nicht. Jesus selbst betet „Abba“ – „Papa“. Jesus vergleicht diesen „Papa“ mit einem Vater, der mit Sehnsucht und Geduld auf seinen „verlorenen Sohn“ wartet. Oder mit Eltern, die ihren hungrigen Kindern Brot und Fisch geben, und eben nicht einen Stein oder eine Schlange. Und jetzt rückt Jesus Gott in die Nähe von einem, dem man Tag und Nacht auf die Nerven gehen muss? Für Gott als jemanden, der zuerst aus Liebe handelt, hätte sich Jesus einen andern Vergleich ausdenken können.

Ich bin deshalb gar nicht sicher, ob diese Auslegung in Richtung „Gebet“ wirklich O-Ton von Jesus ist. Ich bin erst recht nicht sicher bei der Aussage, dass Gott die eifrigen Beter nicht warten lässt und ihnen schnell zu ihrem Recht verhilft. Denn dieser eilends helfende Gott passt nicht zu der Geschichte: „Lange Zeit“ kümmert sich der Richter nicht, die Frau muss sehr geduldig und sehr penetrant dicke Bretter bohren, bevor er es sich überlegt und handeln will.

Wie ist das nun mit Gott? Hilft Gott dem Beter oder nicht? Und wenn er hilft: Eilends oder irgendwann in ferner Zukunft? Hilft er wie gewünscht oder ganz anders? Und: Hilft Gott denn auch bei Sachen, die er gar nicht will? Und wenn nein, wenn Gott nur hilft bei dem, was er selbst will, muss er dann überhaupt gebeten werden?

Fest steht: Anders als die Witwe, die schlussendlich ihren Willen bekommt, geht es im richtigen Leben nicht immer exakt nach der Mütze des Beters. Ich will gar nicht von Ihren oder meinen persönlichen Gebetsenttäuschungen sprechen. Auch nicht auf den Blick in die Horror-Abgründe der großen weiten Welt. Sondern ich nenne prominente biblische Beter, die das auch kennen:

  • HIOB, der zu Unrecht leidet, der mit Gott hadert und ringt und sich eine Art Schiedsrichter zwischen sich und Gott wünscht. Den Schiedsrichter bekommt er nicht. Dafür stellt Gott ihm dann viele Fragen, die ihn an die Grenzen seines Erkennens und Verstehens führen, so dass er schließlich wenigstens das erkennt: seine Grenzen.

  • PAULUS, der dreimal um die Befreiung von eine körperlichen oder seelischen Not bittet. Aber die Befreiung tritt nicht ein. Stattdessen die Antwort: „Lass Dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!“

  • JESUS, der kurz vor seiner Gefangennahme – ebenfalls dreimal – darum bittet, den Leidenskelch nicht trinken zu müssen. Aber er muss.

Also: Wie hält es Gott mit den Bitt-Gebeten? Was ist die richtige Erwartungshaltung? Das richtige Vorgehen? Die richtige Form? Was mag sich Gott im Einzelnen dabei denken?

Auf all das bekommen Sie jetzt keine Antwort. Ich habe auch keine, jedenfalls keine gute. Hätte ich sie, ich bekäme zugleich dieses blöde Gefühl, es besser zu wissen als der liebe Gott, und das sollte sich niemand anmaßen.

Und: Hiob, Paulus, Jesus, sie haben nichts falsch gemacht. Im Gegenteil: Keine klugen Antworten, kein wohl überlegtes, ordentliches Gebet, sondern: Sie haben ihr Herz ausgebreitet. Sich selbst vor Gott gebracht mit dem, wie es gerade ist. Auch: Wie es mit ihnen und Gott gerade ist. Ehrlich, ungeschönt beten. Ohne Strategie. SO ist Gebet Beziehungspflege zu Gott. Vielleicht nicht Wunscherfüllung, aber Beziehungspflege. Am ehrlichen Gebet festzuhalten, das ist: an der Beziehung festzuhalten. Ich behaupte sogar: Gebetsabbruch ist Beziehungsabbruch. Jedenfalls von meiner Seite aus, nicht von Gottes Seite aus.

Und da bin ich wieder bei der Witwe. Ich glaube nicht, dass sie einer ausgefeilten Strategie gefolgt ist. Sie wollte oder konnte es nur einfach nicht aufgeben, dem Einzigen in den Ohren zu liegen, der ihr Recht verschaffen kann. Obwohl sie schnell begriffen haben musste: Der ist einfach faul und will nichts davon wissen.

Und Sie? Auch Ihnen könnte Gott manchmal so erscheinen wie der Richter: Der will nichts tun und will nichts davon wissen. Die Witwe bleibt trotzdem dran, gibt nicht auf, rückt ihm auf die Pelle. Und darin soll sie Ihnen nicht nur Vorbild in bürgerschaftlichem Engagement und Zivilcourage sein, sondern auch: im Gebet.

Gebet (aus Daniel 9):

Neige dein Ohr, mein Gott, und höre, tu Deine Augen auf und sieh an unsere Trümmer (…). Denn wir liegen vor Dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf Deine große Barmherzigkeit. Ach Herr, höre! Ach Herr, sei gnädig! Ach Herr, merk auf! Tu es und säume nicht – um Deinetwillen, mein Gott!

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Guter Rat und tödliche Kränkung. Andacht zum 19.7.2015

König David hat Pech mit seinen Kindern. Abschalom zum Beispiel. Nach einigen Familien-Querelen sucht Abschalom sich Verbündete und zettelt einen Aufstand gegen seinen Vater an. Davids Gegner unter Abschaloms Führung rücken gegen die Hauptstadt Jerusalem vor, David muss von dort fliehen, seine Getreuen nimmt er mit. ALLE seine Getreuen? Nein, einige lässt er in der Stadt, die sollen sich verdeckt für seine Interessen einsetzen.

Es gehört zur Arroganz eines aufgeplusterten Diktators, sich selbst für den Tollsten, Klügsten, Weisesten zu halten und auf niemanden zu hören. David ist anders: Er hört genau hin bei seinen Beratern und nimmt ihren Rat ernst. Seine wichtigsten Berater heißen: Ahitofel und Huschai.

David hat Jerusalem schon verlassen, ist aber noch in der Nähe. Da wird ihm berichtet: Sein Ratgeber Ahitofel ist zu den Verschwörern übergelaufen! Das ist ein Schlag ins Kontor. David weiß: Ahitofels Rat ist mehr wert als die beste Armee, Weisheit ist mehr wert als äußere Stärke. Was jetzt? David wirft es Gott vor die Füße. Er betet:

Mach doch, Gott, den Rat Ahitofels zur Torheit! (2. Samuel 15, 31)

Und was tut Gott? Darüber später nur ein einziger Satz …

David trifft seinen zweiten Berater Huschai. Der will seinem König die Treue halten und bei ihm bleiben. Aber David hat einen anderen Plan – und jetzt entwickelt sich ein kleiner Spionage-Thriller: Huschai soll nach Jerusalem zurück. Er soll sich dem abtrünnigen Sohn als Berater anbieten – und dann die Verschwörer falsch beraten, gegen den Rat Ahitofels. Über Mittelsmänner in und vor der Stadt wollen David und Huschai in Kontakt bleiben.

So passiert es: Als Abschalom in die Stadt kommt, dient Huschai sich ihm an. Abschalom fragt erst einmal misstrauischen nach:

Das ist also deine Liebe zu deinem Freund (David)? Warum bist du nicht mit deinem Freund gegangen?

Huschai tut, was Spione und Saboteure sowieso tun: Er lügt, dass sich die Balken biegen:

Nein, sondern wen Gott erwählt hat und dieses Volk und alle Männer von Israel, dem will ich angehören, und bei ihm will ich bleiben. Und zum andern, wem sollte ich dienen? Etwa nicht vor seinem Sohn? Wie ich vor deinem Vater gedient habe, so will ich auch vor dir sein!

Das akzeptiert Abschalom. Klar, wer will schon misstrauisch bleiben, wenn einem Honig um den Bart geschmiert wird – „Auserwählter Gottes“ und solche Sachen …

Aber wird Huschai es schaffen, dem neuen Herrschen in Jerusalem einen falschen Rat unterzujubeln? Gegen den Rat Ahitofels, der superhoch im Ansehen steht? Denn:

Der Rat Ahitofels aber, den er in jenen Tagen gab, war, als wenn man das Wort Gottes befragte; so viel galt jeder Rat Ahitofels sowohl bei David als auch bei Absalom. (2. Samuel 16, 23)

Wie lautet denn der weise Rat des Ahitofel?

Lass mich 12.000 Mann auswählen und noch in dieser Nacht David verfolgen! Ich werde über ihn kommen, solange er noch erschöpft und entmutigt ist, und ihn so aufschrecken, dass alle seine Leute fliehen. Dann muss ich nur den König erschlagen. Auf diese Weise kann ich das ganze Volk zurückbringen. Denn wenn du diesen Mann zu fassen bekommst, gewinnst du alle anderen zurück. Dann wird das ganze Volk Frieden haben.

Kurz gesagt: Ein sofortiger Überraschungsangriff, bevor David sich und seine Truppen sortieren kann. David wird sterben, seine Anhänger werden zum Sohn überlaufen.

Abschalom und seine Leute finden den Rat gut, so soll es geschehen. Aber vorher will Abschalom noch eine zweite Meinung hören. So kommt Huschai zum Zuge:

Der Rat, den Ahitofel diesmal gegeben hat, ist nicht gut. (…) Du kennst doch deinen Vater und seine Männer. Es sind Helden. Und jetzt sind sie verbittert wie eine Bärin, der man die Jungen geraubt hat. Dein Vater ist ein erfahrener Kämpfer. (…) Und wenn dann gleich am Anfang einige von deinen Leuten fallen, wird es heißen: ‘Die Anhänger Abschaloms haben eine Niederlage erlitten!’ Dann würde selbst ein tapferer Mann mit dem Herzen eines Löwen den Mut verlieren. Ganz Israel weiß doch, dass dein Vater ein Held ist und dass erprobte Kämpfer bei ihm sind. Deshalb rate ich: Lass ganz Israel (…) zu dir kommen. Mit diesem Heer, so zahlreich wie der Sand am Meer, musst du selbst in den Kampf ziehen. Wenn wir dann auf ihn stoßen, (…) werden wir über ihn herfallen, so wie der Tau auf den Erdboden fällt.

Zwei Empfehlungen. Der zweite ist ein „schlechter Rat“, er ist von einem David-Anhänger gesprochen. Aber das weiß keiner. Was nun?

Da riefen Abschalom und alle Männer Israels: “Der Rat des (…) Huschai ist besser als der Rat Ahitofels.”

Und hier nun der einzige Satz darüber, was Gott denn mit Davids Bitte gemacht hat, er möge Ahitofels Rat zur Torheit machen:

Doch Gott hatte es so kommen lassen, um den guten Rat Ahitofels zunichte zu machen und Unheil über Abschalom zu bringen.

Huschai nutzt seine Geheimdienst-Verbindungen, um David draußen vor der Stadt zu informieren, und der stellt sich darauf ein. Diese Rechnung geht auf, am Ende wird David wieder als König in Jerusalem einziehen.

Es wird einige Verlierer geben. EINEN davon es schon, bevor irgendetwas militärisch entschieden ist: der weise Ahitofel, dessen Rat doch so viel galt, als hätte Gott persönlich gesprochen:

Als aber Ahitofel sah, dass sein Rat nicht ausgeführt wurde, sattelte er seinen Esel, machte sich auf und zog heim in seine Stadt und bestellte sein Haus und erhängte sich und starb und wurde begraben in seines Vaters Grab.

Der weise Ahitofel – tot. Ein tragisches Ende. Hätte das irgendwie verhindert werden können? Ja! Nach dieser tiefen Kränkung hätte Ahitofel nicht einfach abhauen dürfen. Er hätte sich mitteilen müssen. Aber da stand ihm wohl sein verdammter Stolz als der Weiseste aller Weisen im Weg. Eigentlich ritt er gar nicht auf einem Esel davon, sondern auf einem ziemlich hohen Ross. Da darf kein Kratzer ans Ego! Dann lieber sterben! So nimmt Ahitofel sich sein Leben – und zugleich die Möglichkeit, noch zu erleben, wie recht er gehabt hätte mit seinem Rat.

Was hat Gott mit all dem zu tun? Nun, Gott hat Ahitofels Rat zur Torheit gemacht. Gott ist größer. Gottes Weisheit steht über der des weisesten Ratgebers Israels. Kein Mensch aus Fleisch und Blut hat die Weisheit mit Löffeln gefressen, erst recht nicht diejenigen, die sich das einbilden.

Gott macht Ahitofels Rat zur Torheit. Und Ahitofel bekommt nicht mehr die Beachtung und Achtung, die er unbedingt braucht. Das ist es, was ihn tödlich kränkt.

Vielleicht sind Sie und ich ja auch manchmal wie Ahitofel: Dass wir darauf setzen, bestimmte Dinge besonders gut zu können oder besonders gut zu wissen. Besonders lieb und nett zu sein oder besonders forsch, besonders schlagfertig, besonders bemitleidenswert, besonders, besonders. Um so Beachtung, Achtung, Respekt, Liebe zu bekommen. Aber Gott zerbricht den Rat des Ahitofel, und mit unserem „besonders“ ist es auch nicht immer weit her. Darauf sollten Sie nicht behauen.

Ein besseres Fundament: Auf Gottes Liebe zu bauen als sein Kind. Seine Liebe macht mich besonders. Da muss ich nicht noch sonst irgendwie besonders sein.

Gebet:

Gott, Du liebst mich, wie ich bin. Und auch, obwohl ich so bin, wie ich bin. Danke!

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