Henoch “wandelt mit Gott”. Andacht zum 5.2.2016

Ich finde ihn spannend, den Anfang der Bibel: Die beiden Schöpfungsgeschichten; Adam und Eva; die Schlage und das Ende des Paradieses; Kain, Abel und der erste Mord; Noah … Man sagt zu den ersten 11 Kapiteln auch: „die Urgeschichte“.
Was kann es zwischen so viel Spannendem Langweiligeres geben als das Kapitel 5? Da finden Sie eine Ahnenreihe – von Adam bis Noah. Zehn Männer – keine Frauen. Und sie werden mythologisch alt: fast alle in der Spanne von 700 Jahre bis 969 Jahre. Und die Meisten sind über 100 Jahre alt, als sie ihren ersten Sohn zeugen. Whow. Das wird alles ziemlich stereotyp aneinander gereiht. Hier ein Beispiel:

Set war 105 Jahre alt und zeugte Enosch und lebte danach 807 Jahre und zeugte Söhne und Töchter, dass sein ganzes Alter ward 912 Jahre, und starb. (Genesis 5, 6-8)

Darüber eine Andacht?? Also so aufregend finde ich das jetzt nicht. Aber Halt! Einer fällt da raus, der ist anders: Henoch!

Henoch lebte 65 Jahre und zeugte Metuschelach. Und Henoch wandelte mit Gott, nachdem er Metuschelach gezeugt hatte, 300 Jahre und zeugte Söhne und Töchter. Und alle Tage Henochs betrugen 365 Jahre. Und Henoch wandelte mit Gott. Und er war nicht mehr da, denn Gott nahm ihn hinweg.

Was ist anders bei Henoch?

  • Zweimal lesen wir ausdrücklich: Henoch wandelte mit Gott.
  • Henochs Leben endet früh. OK, 365 Jahre, das ist ein stattliches Alter. Aber es ist nur gut die Hälfte von dem nächst Jüngsten in dieser Reihe.
  • Henoch stirbt nicht einfach. Sondern er ist plötzlich weg. Gott hat ihn weggenommen.

Was würden Sie sonst noch wissen wollen? Vielleicht, was für ein Typ er war. Was er beruflich gemacht hat. Etwas mehr über seine Familienverhältnisse. Aber nein, nichts darüber. Henoch bleibt eine graue Eminenz. Dafür zweimal: „Henoch wandelte mit Gott“. Eine spannende Perspektive: Die Gottesbeziehung als das Wichtigste, was es vom Leben eines Menschen zu berichten gibt.
Wie würde so eine kernige Formulierung im Blick auf Gott für Ihr Leben lauten? Hier ein paar Vorschläge: (Niemand in meinem Andachten-Mailverteiler heißt Möbius, aber ich tue mal so, als wenn Sie so hießen.)

  • „Möbius flüchtete vor Gott.“
  • „Möbius und Gott trafen sich immer mal wieder.“
  • „Möbius suchte Gott.“
  • „Möbius lief Gott hinterher – und erwischte ihn / aber traf ihn nie.“
  • „Möbius und Gott gingen meist getrennte Wege.“
  • „Gott ließ sich von Möbius nicht abschütteln.“
  • „Gott wandte sich von Möbius ab.“
  • „Möbius ignorierte Gott relativ beharrlich.“

Oder Sätze, die beschreiben, mit wem man sonst noch im Leben „wandeln“ kann:

  • „Die Angst war ein ständiger Begleiter.“
  • „Möbius war besessen von einer bestimmten Gier.“
  • Da mussten immer Menschen um Möbius herum sein, Möbius konnte einfach nicht allein sein.“
  • „Die Frage, was die anderen wohl denken könnten, lies Möbius niemals los.“
  • „Die Sorge um die Lieben / um das eigene Weiterkommen / um’s Einkommen / um’s Auskommen / … war stets gegenwärtig“.

Na, was gefunden, was auf Sie halbwegs passt? Vielleicht passen ja auch mehrere Sätze über Gott und über Ihre sonstigen Begleiter. Es gibt ja auch unterschiedliche Zeiten im Leben. Oder Ihr ultimativer Satz fehlt noch komplett.
Und wie lautet der Satz, den Sie sich WÜNSCHEN? Wie SOLL er lauten? Mein Ideal wäre schon der Satz wie bei Henoch: „Klute wandelte mit Gott. Und mit den anderen Wegstrecken-Begleitern war es meistens auch schön.“
Wobei: Was ist das überhaupt, dieses Wandeln? Es ist mehr als der zielstrebige Weg von A nach B. Es ist eher Spazierengehen. Oder Lust-Wandeln. Es gibt ja auch Wandel-Hallen, wo man mal hier, mal da guckt, sich mit diesem oder jenem unterhält.
Und in Bezug auf Gott? Wie spaziert man mit Gott durch’s Leben? Mein erster Einfall: Das Gebet! Die direkte Verbindung suchen und finden.
Der Einfall passt. Aber das ist nicht alles. Denn dass die Menschen das Beten anfangen, das passiert in der Bibel schon ein Kapitel und mehrere Generationen vorher:

Damals fingen die Menschen an, im Gebet den Namen des Herrn anzurufen. (Gene­sis 4, 26 b)1

„Mit“ Gott wandeln, das ist mehr. Das ist: Ihn überall um sich wissen. Und fühlen, spüren. Wie das kleine Kind, das an der Hand von Mama ist – sagen wir mal: auf dem Spielplatz. Mal muss das Kind mit der Mama gehen, meist lässt sich die Mama mit dem Kind mitziehen. Dann lassen die beiden einander los, immer wieder, aber die Mama bleibt dicht dabei, schaut nach dem Kleinen, bleibt immer mindestens auf Rufweite. Henoch wandelt mit Gott.
Und dann diese merkwürdige Aussage: Auf einmal ist Henoch nicht mehr da, Gott hat ihn (hinweg-) genommen. Sehr mysteriös. Fast wie später der Prophet Elia, von dem es heißt: Er ist mit einem feurigen Wagen in den Himmel gefahren. Noch so einer, der auf dem Weg in den Himmel nicht durch den Tod muss. Nur dass es bei Elia viel pompöser passiert. Bei Henoch ist das viel schlichter: Der ist einfach nicht mehr da – Gott hat ihn genommen.
Ich finde: Es passt nicht zu diesen schlichten Worten, daran allzu viel herum zu spekulieren. Ich bin da lieber immer noch auf dem Spielplatz: Auf einmal sind Mutter und Kind nicht mehr da. Die Mutter wird das Kleine wohl auf den Arm genommen haben, als es müde wurde. Und sie hat es behutsam getragen, bis nach Hause.

Gebet:
Gott, dazu hilf mir, dass ich an Deiner Hand und in Deiner Nähe lebe! Bleibe Du auf Rufweite! Und trage mich nach Hause, wenn es Abend wird! Amen.

1 Für Experten: Die Genesis 4 Stelle ist vom Jahwisten, die Henoch-Stelle aus der Priesterschrift. Darum passt das Vorher-Nachher nicht so ganz

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Simon. Andacht zum 29.2.2016

Jesus sprach: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sprach: Meister, sag es!

Der Anfang eines persönlichen Gesprächs. Jesus spricht Simon an, Simon antwortet. – „Meister, sag es!“ Er will es wissen, will es hören. Sie ahnen, um wen es geht? Simon Petrus, der wohl bekannteste Jesus-Jünger, im Gespräch mit seinem Meisten? Falsch! Es ist Simon, der Pharisäer!
Da haben wir sie, diese Negativ-Schublade „Pharisäer“. Waren das nicht die Feinde Jesu? Diese pedantischen Gesetzesfanatiker, die Jesus am liebsten aus dem Weg geräumt hätten?
So, und was möchte Jesus dem Simon sagen? Eine kleine Geschichte. Und eine Frage …

Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Einer war fünfhundert Silbergroschen schuldig, der andere fünfzig. Da sie aber nicht bezahlen konnten, schenkte er’s beiden. Wer von ihnen wird ihn am meisten lieben?
Simon antwortete und sprach: Ich denke, der, dem er am meisten geschenkt hat. Jesus aber sprach zu ihm: Du hast recht geurteilt.

Die Quintessenz muss Simon selbst formulieren. Sie lautet, pathetisch gesagt: Wer mehr bekommt, der liebt auch mehr. Oder anders: Je beschenkter einer ist, desto begeisterter vom Geber. Oder desto hingebungsvoller. Aber mit diesem Urteil spricht Simon sich selbst seine Beurteilung. Und damit kommen wir zu dem, was vorher passiert war. Rückblende:

Es bat aber einer der Pharisäer Jesus, bei ihm zu essen. Und er ging hinein in das Haus des Pharisäers und setzte sich zu Tisch. Und siehe, eine Frau war in der Stadt, die war eine Sünderin. Sie vernahm, dass er zu Tisch saß im Haus des Pharisäers …

Eine Sünderin. Seit Hildegard Knefs Skandalfilm “Die Sünderin” nach dem Krieg wissen wir: Die hat keine Äpfel geklaut. Das ist was mit Sex. Vielleicht eine Prostituierte, vielleicht viele wechselnde Liebhaber. Wie auch immer: Wo so eine „Sünderin“ ist, müssten doch irgendwo die dazu gehörigen „Sünder“ stecken. Tun sie aber nicht, die sind abgetaucht. Von denen spricht keiner, höchstens hinter vorgehaltener Hand. Diese eine Frau steht am Pranger. Immer. Das Objekt öffentlicher Abscheu und heimlicher Begierde. Jeder kennt sie. Als sie die Szene betritt, hört die Band auf zu spielen. Alle schauen hin.

… sie brachte ein Glas mit Salböl und trat von hinten zu seinen Füßen, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu benetzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küsste seine Füße und salbte sie mit Salböl.

Die Frau spricht kein einziges Wort. Auch nichts darüber, was das alles soll. Aber die Tränen sagen: Sie ist berührt. Und was sie tut, das geht nahe, das „berührt“, das ist mehr als ein „Dankeschön“ mit artigem Knicks. Salböl, Jesu Füße, die Tränen, die langen Haare, Füße küssen.
Jeder Saubermann und jede Sauberfrau der Stadt hätte diese aufdringliche Frau weggestoßen, jedenfalls öffentlich. Und auch Simon denkt sich seinen Teil:

Er sprach bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so wüsste er, wer und was für eine Frau das ist, die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin!

Simon sieht die Frau, die kennt er: die Sünderin. Und er sieht Jesus, den kennt er jetzt auch: Ein Prophet kann der jedenfalls nicht sein. Einen allerdings sieht Simon gar nicht: sich selbst.
Und auf diesen Einen lenkt Jesus nun den Blick mit der kleinen Geschichte von beiden Schuldnern, denen ihre ungleiche Schuld erlassen wird und die dann ihren Gönner so unterschiedlich „lieben“. Denn nun spricht Jesus Simon direkt an:

Jesus wandte sich zu der Frau und sprach zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen; du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. Du hast mir keinen Kuss gegeben; diese aber hat, seit ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat meine Füße mit Salböl gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel Liebe gezeigt. Wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.

Ich würde es so sagen: „Lieber Simon, wenn ich auf diese Frau blicke, dann sehe ich einen Menschen voller liebender Hingabe. Wenn ich auf Dich sehe, sehe ich keine großen Gefühle, sondern höfliche Zurückhaltung. Ihr ist eine große Schuld genommen, und das weiß sie. Dir ist sie scheint’s nicht genommen – oder Du weißt es nicht!“

Und Jesus sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben. Da fingen die an, die mit zu Tisch saßen, und sprachen bei sich selbst: Wer ist dieser, der auch die Sünden vergibt?

Mir scheint: Da haben die anderen am Tisch Jesus missverstanden. Jesus vergibt hier nicht, sondern er stellt nur fest: Ihr ist (schon) vergeben! So hat er es direkt zuvor ja schon Simon gesagt. Und deswegen „liebt“ sie ja so überschwänglich!
Wie kommt Jesus überhaupt darauf, einen Zusammenhang zu knüpfen zwischen Vergebung und liebevoller Hingabe? Na ja, bei einer „Sünderin“ steht die Schuld-Frage natürlich von vornherein im Raum. Aber ich vermute anders: Jesus und die Frau kennen sich nicht nur vom Hörensagen. Die haben schon mal zusammen gesprochen. Und DA ist das Wörtchen „Vergebung“ gefallen. Und nun ist sie voller Freude, Liebe, Dankbarkeit, Hingabe.

Er aber sprach zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh hin in Frieden!

Ich hoffe, das tut sie jetzt auch: In Frieden gehen. In Frieden mit Jesus, mit Gott, mit sich selbst. Vielleicht sogar in Frieden mit den – echt oder scheinheilig – entrüsteten Leuten. Ob sich an ihrem Lebensentwurf oder an ihrem Ruf in der Stadt etwas ändert, wissen wir nicht. Jetzt jedenfalls geht sie in Frieden – und wir können sie getrost ziehen lassen.
Und Simon? Nach so einer Kritik wäre ich an seiner Stelle geneigt, mich trotzig im Recht zu fühlen und Jesus in der Schublade abzulegen: „verkommene und anmaßende Spinner“.
Aber ich träume mir auch für ihn ein schöneres Ende der Episode: Er, der in der ganzen Geschichte immer nur „der Pharisäer“ heißt, wird nur von Jesus mit seinem Namen angeredet: Simon! Und das hat ihm so viel Eindruck gemacht, dass er sich auch die anderen Worte Jesu zu Herzen genommen hat. Er hat sich bei Jesus entschuldigt, und Jesus hat gesagt: „Kein Thema! Das verzeihe ich Dir. Und es war auch nicht so schlimm!“
Und da hat Simon den Jesus in den Arm genommen und gedrückt. Und dann ist Simon hinter der Frau her. „Du, Salome!“, hat er gesagt, auf der Straße. Nicht „Du da“, sondern mit ihrem Namen. Und er hat sich entschuldigt, dass er so verächtlich war wegen Dingen, die ihn nun wirklich nichts angehen. Und da hat sie schon wieder Tränen in den Augen gehabt, und die beiden, die haben sich dann auch gedrückt, trotz der Leute.

Gebet:

Christus, danke, dass bei Dir Vergebung, Liebe, Heilung, Neuanfang sind! Auch wenn die großen Gefühle nicht immer meine Stärke sind: Lass mich offen sein, dass all das mein Herz erfüllt und durch mich hindurch fließt! Amen.

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Gott hält nicht Wort. Andacht zum 22.1.2016

„Ach hätte ich doch!“; „Ach hätte ich doch nicht!“ Ich schätze, so ein Lied könnten Sie auch anstimmen, ohne langes Nachdenken. Beispiele?

  • „Hätte ich doch damals unterschrieben / nicht unterschrieben!“
  • „Hätte ich doch eher den Rettungswagen gerufen!“
  • „Hätte ich doch um mein Lieschen gekämpft / mich eher von Kurt-Günther getrennt!“
  • „Wäre ich doch damals nicht zu dieser Zeit an jenem Ort gewesen!“
  • „Hätte ich bloß das ‚erste Glas‘ stehen gelassen!“
  • „Wäre ich mal eher zur Vorsorge-Untersuchung gegangen!“
  • „Hätte ich doch in dem Moment geschwiegen / den Mund aufgemacht!“
  • „Hätte ich mich doch für den anderen Beruf / das andere Studienfach entschieden!“

Ich könnte endlos weiter machen. Aber ich vermute, Sie haben auch so beim Lesen schon ein paar eigene „Ach hätte ich doch!“ gefunden. So ist das: Sie haben es vergeigt. Es wäre alles gut gewesen. Und nun müssen Sie mit den Folgen klar kommen. Da ist nicht mehr viel zu machen. Vielleicht war es keine „Schuld“ oder „Sünde“, aber verkehrt war es trotzdem. Zugespitzt gesagt: Sie haben sich um das Paradies gebracht, und nun können Sie nicht mehr dahin zurück.
Besonders bedauerlich: Es sind sicher auch ein paar „Ach hätte ich doch!“ dazwischen, wo Sie es vorher ganz genau hätten wissen können, wie das endet. Oder sogar wussten. Aber Sie haben es trotzdem getan. Oder trotzdem gelassen.

Zwischenruf: Hätten Sie sich an­ders entschieden, wäre es viel­leicht noch schlimmer gekommen. Aber weil Sie das nie erfahren wer­den, können Sie sich einreden, alles wäre besser geworden.

Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen. Denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben. (Genesis 2, 15-17)

Es herrschen paradiesische Zustände. Ein wunderbarer Garten, Genuss pur, alle Freiheiten. OK, dem Menschen fehlt bis dahin noch der Mit-Mensch, aber das Problem wird in der weite­ren Geschichte auch noch behoben.
Alle Freiheiten? Na, nicht ganz! Ein einziger Baum ist verboten. Dabei ist doch gerade das, was verboten ist, reizvoll und verheißt ganz neue Erfahrungen. Nicht umsonst heißt der Baum „Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen“. „Erkenntnis“ findet nicht nur im Kopf statt. Der ganze Mensch erfährt da was. Gutes! Und noch verlo­ckender: Böses! – Aber dieser Baum ist absolut tabu – „denn an dem Tag, da du von ihm ist, musst du des Todes sterben!“
Die Geschichte verrät uns übrigens nicht, wieso Gott diesen Baum überhaupt in den Garten gepflanzt hat, frei zugänglich, ohne Zaun. Ich weiß es nicht, aber so ist die Welt, auch Ihre: Sie haben immer die Möglichkeit, das Falsche zu tun. Auch die Freiheit, wider besseren Wissens das Falsche zu tun. Vielleicht wäre ein Leben, in dem Sie die Freiheit haben, jeden noch so großen Unsinn folgenlos machen zu können, kein Paradies. Sondern die Hölle. Jeden­falls: Der einzige Zaun um den Baum herum ist Gottes „Du sollst nicht!“ Und über diesen Zaun kommt man leicht drüber.
Es gäbe jetzt genug Stoff für ein eigenes Büchlein, warum das alles schief gegangen ist, wie die Schlange die ganze damalige Menschheit rumgekriegt hat, was diese Erfahrung des Guten und des Bösen mit den Menschen gemacht hat und noch macht. Hier nur das Ergebnis: Nicht mehr „alles gut!“ Das Paradies ist versperrt, der Baum des Lebens nicht mehr erreichbar, es gibt kein Zurück. Das Leben wird mühsam, das „Schlaraffenland“ wird zum Traum:

„Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.” (…) Und Gott der HERR machte Adam und seiner Frau Röcke von Fellen und zog sie ihnen an. (…) Er wies den Menschen aus dem Garten Eden, dass er die Erde bebaute, von der er genommen war. Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens. (Genesis 3, 19 ff.)

„Ach hätte ich doch!“ Immerhin: Wer so spricht, weiß um seine Mitverantwortung. So weit sind die Menschen in unserer Geschichte nicht. Sie können es nachlesen, wie der Mann die Schuld auf die Frau schiebt und die Frau auf die Schlange. Und alle drei hätten es noch auf Gott selbst schieben können, denn der hatte sie ja schließlich so gemacht, und der hatte ihnen diesen fürchterlichen Baum vor die Nase gesetzt und ihn nur durch sein Verbot gesichert.
Und nun zu der merkwürdigen Überschrift dieser Andacht: „Gott hält nicht Wort.“ Ja, was war denn sein Wort? Woran hat er sich nicht gehalten? Antwort: „An dem Tage, da du von (dem verbotenen Baum) isst, musst du des Todes sterben!“ – Und genau darüber setzt sich Gott hinweg. Der Tag ihres Versagens ist eben NICHT ihr letzter Tag. Es geht weiter. Gott richtet es seinen Menschen so ein, dass es weitergehen kann. Nicht mehr paradiesisch, als wäre nichts gewesen. Aber es ist eben auch nicht das Ende, nicht der Tod. Die Menschen leben fortan von Gottes gnädiger Inkonsequenz.
Das gibt es noch ein paarmal, dass uns Gott in der Bibel als gnädig-inkonsequent beschrieben wird. In der Sintflutgeschichte zum Beispiel: Die Menschen sind so verdorben, dass Gott ihnen ein Ende machen will. Begründung: Das menschliche Herz ist durch und durch böse. Aber die Arche und Noa und seine Familie stehen dann für einen Neuanfang. Ist die Menschheit dadurch besser geworden? Nein. Das menschliche Herz wird auch nach der Flut als böse beschrieben. Und TROTZDEM will Gott keine neue Sintflut kommen lassen und unterschreibt das mit dem Zeichen des Regenbogens. Gnädige Inkonsequenz.
Oder ein paar Geschichten aus der Zeit, als die Israeliten auf dem Weg aus der Sklaverei durch die Wüste ins Gelobte Land waren. Als sie Gott schier an den Rand brachten und er ihnen ein Ende machen wollte. – Wie Mose Gott dann immer wieder „rumkriegte“. Gnädige Inkonsequenz.
Vor allem aber das, was Christen mit der Person Jesu Christi verbinden. Sie erinnern sich: Der Zugang zum Paradies ist abgeriegelt. – Und was macht Gott? Dann geht Gott selbst eben zu seinen Menschen in diese verkorkste Welt jenseits von Eden, ganz gar als einer von ihnen – und stirbt ihren Tod. Damit seine Menschen nicht mal im Tod gott-los sein müssen. Und weil dort, wo Gott ist, das Leben ist – sogar im Tod.
Ich hatte begonnen mit meinem und Ihrem „Ach hätte ich doch!“ Manches haben wir vergeigt. Vielleicht aus Dummheit, vielleicht aus Schuld, vielleicht, weil wir es nicht besser wissen konnten. Vielleicht zu wenig nachgedacht. Oder zu viel. Oder, oder. Manches lässt sich nicht wieder rückgängig machen, und die Folgen, die müssen wir dann tragen.
Aber dass Gott in unserer Geschichte NICHT Wort hält, dass Gott so inkonsequent ist und seinen Menschen neue Wege, neue Lebensmöglichkeiten öffnet, das soll uns Mut machen. Deswegen beißen Sie sich bitte nicht selbstquälerisch oder depressiv fest an diesem „Ach hätte ich doch!“ Sie dürfen das Gestern entmachten. Vielleicht loslassen. Und sich mehr auf Heute besinnen. Und auf Morgen. Mit all seinen Mühen. Und seinen Freuden.

Gebet (nach Peter Strauch):
Meine Zeit steht in Deinen Händen.
Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in Dir.
Du gibst Geborgenheit, Du kannst alles wenden.
Gib mir ein festes Herz! Mach es fest in Dir!

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Hausbau. Andacht zum 15.1.2016

Heute die Architekten-Stunde. Wie muss eigentlich ein Haus gebaut sein, damit Sie den Architekten weiterempfehlen würden? Vielleicht: Raumaufteilung, Ästhetik, Kosten … Noch was? Na klar: Es sollte nicht einstürzen, das Haus!

Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut.
Wer aber meine Worte hört und nicht danach handelt, ist wie ein unvernünftiger Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört. (Matthäus 7, 24-27)

So sagt es Jesus am Schluss der „Bergpredigt“ (Mt. 5-7). Ich mag diesen Haus-Vergleich. Er macht das so schön plastisch: Auf das Fundament kommt es an! – Und nicht auf die ansprechende, reprä­sen­tative Fassade. Beim Hausbau wie „im Leben“. Also: Trägt das, worauf ich mein Leben gründe? Achte ich auf das, was mich trägt? Pflege ich die tragenden Elemente? Auch dann, wenn man vom Fundament nichts sieht, jedenfalls nicht „oberflächlich“? Oder gilt mein ganzes Bemühen der Außenwirkung, dem Repräsentativen? Bei Jesus bringen es erst Wolkenbruch und Wassermassen an den Tag, worauf es ankommt. Das zeigt sich also nicht unbedingt an Schönwettertagen und bei Eitel-Freude-Sonnenschein, sondern bei Blitz, Sturm, Donner, Flut.
Amen und fertig. Hier könnte die Andacht zuende sein. Schnell-Leser/innen dürfen hier Schluss machen mit diesem „Schauen Sie auf’s Fundament!“
Für die anderen, die, die tiefer graben wollen, habe ich noch mehr. Und zwar steht Jesu Haus-Ver­gleich nicht nur bei Matthäus, sondern auch im Lukas-Evangelium. Aber ein bisschen anders:

Ich will euch zeigen, wem ein Mensch gleicht, der zu mir kommt und meine Worte hört und danach handelt. Er ist wie ein Mann, der ein Haus baute und dabei die Erde tief aushob und das Fundament auf einen Felsen stellte. Als nun ein Hochwasser kam und die Flutwelle gegen das Haus prallte, konnte sie es nicht erschüttern, weil es gut gebaut war.
Wer aber hört und nicht danach handelt, ist wie ein Mann, der sein Haus ohne Fundament auf die Erde baute. Die Flutwelle prallte dagegen, das Haus stürzte sofort in sich zusammen und wurde völlig zerstört. (Lukas 6, 47-49)

Ein bisschen anders! Vom Haus auf Sand steht hier kein Wort. Die Frage ist nicht „Fels oder Sand?“, sondern: „Mit oder ohne Fundament?“ Bei Matthäus war gar nicht von einem Fundament die Rede. Nur von: Felsen oder Sand.
Nur bei Lukas macht sich überhaupt der Bauherr die Mühe, ein Fundament anzulegen. Dazu hebt er ausdrücklich die Erde tief aus, er muss richtig buddeln. Das muss er wahrscheinlich, um überhaupt bis zum Felsen zu kommen. Und dann „stellt“ er sein Haus auf diesen Felsen.
Und was macht der Dumme bei Lukas? Der gräbt erst gar nicht in die Erde und schon überhaupt nicht bis zum Felsen. Nein, der legt kein Fundament an. Der baut einfach nur nach oben.
Kurz und knapp: Bei Matthäus kommt es auf den richtigen Standort an (Fels oder Sand). Bei Lukas kommt es darauf an, ob einer sich die Mühe macht zu GRABEN – bis er festen Grund findet.
Jetzt könnten Sie fragen: „Und was hat nun Jesus wirklich gesagt?“ Das lässt sich heute nicht klar entscheiden. Oder vielleicht hat er diesen Vergleich mal so, mal so erzählt. Ich finde allerdings die Frage spannender: „Was will Jesus mir heute damit sagen?“ Wenn ich bei dieser Frage bleibe, ist es nicht mehr ganz so wichtig, was genau er denn wohl damals gesagt hat.
Was in beiden Fassungen gleich ist: Wer klug ist, hört Jesu Worte – und TUT sie. Diejenigen, die seine Worte gar nicht erst hören, kommen da nicht vor. Kein Wunder: Jesus spricht ja zu denjenigen, die um ihn herum sitzen oder stehen – und ihn HÖREN. Und zu den Hörenden sagt er: „Leute, wenn ihr das alles hört, interessant findet, ganz bewegt seit – schön und gut! Aber wenn es keine Nachwirkungen hat, dann verpufft das einfach und wird euch nicht tragen!“
Also herzlichen Glückwunsch an die Hörerinnen und Hörer! Sie haben sich zum Haus-Bau durch­ge­run­gen! Und nun noch die Fragen: Sand oder Fels? Und: Wieviel Mühe wollen Sie sich mit dem Buddeln machen? Wollen Sie bis runter zum Felsen oder an der Oberfläche bleiben?
Beide Fragen, Standort und Buddeln, entscheiden sich für Jesus am „Tun“. Jesus zu hören, das ist noch kein Fels und noch kein Buddeln. Das ist so, wie wenn Sie in Ihrem Lebenshaus ein andächti­ges Zimmerchen einrichten – vielleicht mit Bibel, Stille, Beten, Singen. Tolle Idee! Aber völlig sinnlos, wenn es keine Türen zu den anderen Zimmern gibt, zu dem, was oder wer sonst noch Ihr Leben ausmacht, erfüllt, belastet, … Nein, es müssen Türen her! Damit Sie das, was Sie in Ihrem andächtigen Zimmer geschenkt bekommen, in die anderen Räume tragen– in Ihre Beziehun­gen, Arbeit, Hobbies, Interessen und wo und wie immer Sie sich einbringen.
Tja, was ist nun das gute Fundament? Darauf hat der Apostel Paulus eine Antwort: „Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ (1. Korinther 3,11) Jesus Christus selbst. Für Paulus vor allem: Jesu Tod und seine Auferweckung.
Als Jesus die Sache mit dem Hausbau erzählt, da sind Kreuzigung und Auferweckung noch nicht gewesen, Jesus spricht hier „nur“ von seinen WORTEN. – Und was sagt er? Welche Worte? Da schaue ich doch mal in die direkt vorausgehende Bergpredigt. Und ich finde da knapp drei Dutzend direkte Aufforderungen zum TUN – oder auch zum Lassen. Und jetzt „tue“ ich etwas Verbotenes: Ich suche Ihnen davon ziemlich willkürlich 10 Aufforderungen zum Tun aus. Schlimmer noch: Ich reiße sie aus ihrem Zusammenhang. Hier meine willkürliche und zusammenhangslose Auswahl:

  1.  „Seid fröhlich und getrost!“ (5, 12)
  2. „Ihr sollt überhaupt nicht schwören!“ (5, 34)
  3. „Liebt Eure Feinde und bittet für die, die Euch verfolgen!“ (5, 44)
  4. „Wenn Du Almosen gibst, so lass Deine linke Hand nicht wissen, was die Rechte tut!“ (6,2)
  5. „Wenn Du betest, so geh in Dein Kämmerlein und schließ die Tür zu!“ (6, 6)
  6. „Sorgt nicht um Euer Leben!“ (6, 25)
  7. „Seht die Vögel unter dem Himmel!“ (6, 26); „Schaut die Lilien auf dem Felde an!“ (6, 28)
  8. „Sorgt nicht für morgen!“ (6, 34)
  9. „Richtet nicht!“ (7, 1)
  10. „Bittet! … Klopft an!“ (7, 7)

Und nun möchte ich Sie mit dieser willkürlichen und zusammenhangslosen Auswahl zu einem Experiment auffordern: Meine Idee: Bleiben Sie jetzt nicht beim Lesen oder Hören! Nehmen Sie sich direkt für heute die erste Aufforderung vor: „Seid fröhlich und getrost!“ Beobachten Sie sich heute damit! Könnten Sie der Freude und dem Trost mehr Raum geben – trotz allem? Wie? …
Und morgen wäre das mit dem Schwören dran – Sie achten einen Tag lang auf Ihre Sprache, besonders auf Ihre Beteuerungen und Versicherungen. Übermorgen sind die „Feinde“ dran, die Unsympathischen, Bösartigen, Nervigen, die Gegner. Und so weiter … Und wenn wir uns in einer Woche wieder bei der Andacht „begegnen“, üben Sie sich gerade darin, nicht für morgen zu sorgen (Aufforderung Nr. 8).
Jesus sagt: Meine Worte tun – das ist Fels statt Sand. Das ist mühsames Buddeln. – Ob dadurch Ihr Haus stabiler zu stehen kommt? Probieren Sie’s aus!

Gebet (nach Jochen Klepper):

Die Hände, die zum Beten ruhn, die machst Du stark zur Tat. Und was des Beters Hände tun, geschieht nach Deinem Rat!

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Der Prophet und der Krieg. Andacht zum 8.1.2015

Wir befinden uns im Jahr 852 vor Christus. Samaria, die Hauptstadt von Israel, hat sich herausgeputzt: Es gibt Staatsbesuch! König Ahab empfängt Joschafat, den König des süd­lichen Nachbarn Juda. Keine 80 Jahre ist es her, da waren beide Länder unter Joschafats Ur-Ur-Großvater Salomo noch vereint. Danach die Abspaltung Israels von Juda und manche Kriege, aber nun war das Verhältnis entspannt.
Und was ist für gute Beziehungen besser als ein gemeinsamer Feind und ein gemeinsames Projekt?! Ahabs Idee: „Wir machen einen gemeinsamen Feldzug gegen die Aramäer und holen uns die Stadt Ramot zurück! Gehörte ja schon immer zu Israel, die Aramäer haben da nichts verloren!“ Joschafat findet die Idee gut. Militärisch sollte das zu zweit machbar sein. Und ist ja auch kein Er­oberungs­krieg, mehr so eine Art verspätete Selbstverteidigung. Da halten sich die moralischen Bedenken in Grenzen.
Aber Joschafat ist ein frommer Mensch. Was sagt Gott dazu? So bittet er Ahab:

„Frage doch zuerst nach dem Wort des HERRN!“

Für solche Anfragen ist Ahab religiös bestens ausgestattet. Innerhalb kurzer Zeit werden 400 Propheten zusammengetrommelt. Falls Sie König Ahab aus anderen Geschichten kennen, werden Sie sich wundern: Ahab steht religiös unter den Pantoffeln seiner Frau, und die will buchstäblich mit aller Gewalt den heidnischen Baals-Kult durchsetzen. Sie lässt die Anhänger des Gottes Israels und seine Propheten verfolgen. Wie kann Ahab nun so viele Propheten aus dem Hut zaubern?
Meine Vermutung: Die politischen Umstände erzwingen hier einen kurzfristigen Kurswechsel in Sachen Religion. Der Gast aus Juda ist ja schließlich ein Anhänger Gottes, und da sagt man eben: „Ach, Baal oder Aschera oder der Gott Israels – eigentlich glauben ja doch alle irgendwie dasselbe!“ Und da können eben mal auf die Schnelle die Propheten Baals einsprin­gen und im Namen des Gottes Israels weissagen.
Das tun sie dann auch – in der üblichen Übereinstimmung mit dem König: Jawohl, Israel soll in den Krieg ziehen, Gott wird den besetzten Ort den Israeliten wiedergeben!
Aber der königliche Gast aus Juda traut dem Braten nicht – weder dem religiösen Einheitsbrei noch der einmütigen Zustimmung der Propheten für Ahab:

Joschafat aber sprach: „Ist hier kein Prophet des HERRN mehr, dass wir durch ihn den HERRN befragen?“ (Ahab) sprach zu Joschafat: Es ist noch einer hier, Micha, der Sohn Jimlas, durch den man den HERRN befragen kann. Aber ich bin ihm gram, denn er weissagt mir nichts Gutes, sondern nur Böses.“
Joschafat sprach: „Der König rede so nicht!“ Da rief (Ahab) einen Kämmerer und sprach: „Bringe eilends her Micha, den Sohn Jimlas!“

Als der Kämmerer Micha findet, nordet er den Propheten passend ein:

„Siehe, die Worte der Propheten sind einmütig gut für den König. So lass nun auch dein Wort wie ihr Wort sein und rede Gutes!“

Kurz darauf steht Micha ben Jimla vor den beiden Königen. Ahab spricht ihn an:

„Micha, sollen wir gegen Ramot (…) in den Kampf ziehen oder sollen wir’s lassen?“
(Micha antwortete:) „Ja, zieh hinauf, es soll dir gelingen! Der HERR wird’s in die Hand des Königs geben!“ Der König entgegnete ihm: „Wie oft soll ich dich beschwö­ren, dass du mir im Namen des HERRN nichts als die Wahrheit sagst!“
Micha sprach: „Ich sah ganz Israel zerstreut auf den Bergen wie Schafe, die keinen Hirten haben. Der HERR aber sprach: Diese haben keinen Herrn! Ein jeder kehre wieder heim mit Frieden!“
Da sprach der König von Israel zu Joschafat: „Hab ich dir nicht gesagt, dass er mir nichts Gutes weissagt, sondern nur Böses?“
Micha sprach: „Darum höre nun das Wort des HERRN! Ich sah den HERRN sitzen auf seinem Thron und das ganze himmlische Heer neben ihm stehen zu seiner Rechten und Linken. Und der HERR sprach: ‚Wer will Ahab betören, dass er hinauf­zieht und vor Ramot (…) fällt?‘ Und einer sagte dies, der andere das. Da trat ein Geist vor (…) und sprach: ‚Ich will ihn betören!‘ Der HERR sprach zu ihm: ‚Womit?‘ (Der Geist) sprach: ‚Ich will (…) ein Lügengeist sein im Munde aller seiner Propheten.‘ (Gott) sprach: ‚Du sollst ihn betören und sollst es ausrichten. Geh aus und tu das!‘ Nun siehe, der HERR hat einen Lügengeist gegeben in den Mund aller deiner Propheten. Und der HERR hat Unheil gegen dich geredet!“

So ein frecher Möchtegern-Prophet! Damit bringt er nicht nur König Ahab gegen sich auf, sondern auch die 400 Propheten, die alle noch da sind. Bei Wasser und Brot wird Micha darüber nachdenken können, was er da gesagt hat. Ahab verfügt:

„Diesen werft in den Kerker und speist ihn nur kärglich mit Brot und Wasser, bis ich mit Frieden wiederkomme!“

Wenig später kommt es zur Schlacht. Ahab weiß: Die Gegner werden versuchen, zuerst ihn als den König auszuschalten. Also verkleidet er sich als einfacher Soldat.

Ein (Aramäer) aber spannte den Bogen in aller Einfalt und schoss dem König von Israel zwischen Panzer und Wehrgehänge.

Der verletzte Ahab will zurück, aber sein Streitwagen kommt im Kampfgetümmel nicht durch. Am Abend ist Ahab verblutet …

Und man ließ ausrufen im Heer, als die Sonne unterging: „Ein jeder gehe in seine Stadt und in sein Land, denn der König ist tot!“

Israels Heer – zerstreut auf den Bergen wie Schafe, die keinen Hirten haben. So hatte es Micha vorausgesehen.
Judas König Joschafat kommt mit heiler Haut davon. Er kehrt zurück nach Juda. Vielleich hat er Besonnenheit gelernt, denn er regiert noch viele Jahre, offenbar erfolgreich.

Es hätte alles anders kommen können. Es war eine gute Idee, erst mal innezuhalten und den Plan vor Gott zu bringen. Es war eine gute Idee, nicht nur die Jubel-Propheten zu fragen, sondern auch Micha, den Unbequemen, den Nörgler. Es war eine gute Idee, ihm seine Zustim­mung nicht gleich abzunehmen, sondern nachzubohren.
Und die schlechte Idee? Es am Ende dann doch so zu machen, wie es sich die beiden Könige in den Kopf gesetzt hatten. Da hätten sie sich die kleine religiöse Extratour und das fromme Theater echt sparen können.
Mit dem Aufbruch in den Krieg ist es also genau so gekommen, wie es Ahab geplant hatte. Und mit dem Ende vom Krieg, da ist es genau so gekommen, wie Micha, der Prophet Gottes, es gesagt hatte.

Und was geht Sie das an, wo Sie doch kein König, keine Königin sind und wohl auch keinen Krieg anfangen wollen? Ich sag’s mal so: Sie können es „automatisch“ machen, wie Sie es sich in den Kopf gesetzt haben; Sie können es „automatisch“ machen, wie andere es von Ihnen erwarten; Sie können es „automatisch“ machen, wie Sie es immer gemacht haben.
Sie können natürlich auch vor Gott innehalten im Gebet. Und den eigenen Verstand und das eigene Herz zu Rate ziehen. Sie können sich mit jemandem beraten, der Sie auch mal kritisiert und nicht immer nur klasse findet, was Sie meinen und tun. So ein Micha halt. Sie können sich das alles aber auch sparen, wenn Sie es am Ende doch wieder so tun wie immer oder wie ursprünglich gedacht oder wie erwartet. Müssen Sie aber nicht.
Ob die Geschichte von Micha ben Jimla für Sie genau so nutzlos ist wie Michas Prophezeiung für Ahab, das liegt bei Ihnen.

Gebet (aus Psalm 147):
Gott, lehre mich tun nach Deinem Wohlgefallen! Denn Du bist bei mir. Dein heiliger Geist führe mich auf ebener Bahn!

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Trost für 2016. Andacht zur Jahreslosung 2016

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jesaja 66, 13)

Die Jahreslosung für 2016. Es geht um Trost. Diese Jahreslosung ist etwas für die Trost­bedürftigen. Also: Sind Sie betroffen? Brauchen Sie ihn, den Trost? Trost braucht, wer sich das Knie aufge­schlagen hat oder wem die Seele weh tut. Trost muss her, wenn Sie etwas oder jemanden Wichtiges verloren haben. Oder wenn Ihnen eine Hoffnung zerplatzt ist. Trost brauchen Sie, wenn Sie traurig sind.
Es ist gar nicht gut, wenn jemand nicht mehr ganz bei Trost ist. Dafür gibt es dann Trostpflaster. Trostpreise. Trostworte. Vertröstungen. Man nennt Alkohol manchmal auch einen Seelentröster. Damals im Kinderzeltlager gab es „Heimweh-Tee“. Das ist besser als Alkohol. Menschliche Zuwendung inklusive.
Trost ist für die Traurigen. Und für die, die Angst haben? Für die auch. Traurig sind Sie, wenn Sie etwas verloren haben. Angst bekommen Sie, wenn der Verlust droht: Sie könnten oder Sie werden etwas verlieren. Alles, was Ihnen lieb und teuer ist, kann Ihnen Angst machen, denn nichts ist „sicher“. Das gilt nicht nur für das Persönliche – für Dinge, für Mitmenschen, für die Gesundheit, für eine liebgewonnene Aufgabe oder, oder. Mir scheint: An so vielen Enden ist die große, weite Welt in 2015 „wackeliger“ geworden. Das Angst-Potential ist diesmal größer beim Start in das neue Jahr als vor 365 Tagen.
Und Wut? Brauchen Sie Trost, wenn Sie wütend sind? Zornig? Wenn Sie schon wieder ausrasten könnten? Da brauchen Sie wahrscheinlich auch Trost. Es könnte nämlich gut sein: Sie überdecken Ihre hilflose Traurigkeit mit Ärger, mit ruppigem Auftreten, Vorwürfen, Wut, Zorn. All das ist manchmal besser auszuhalten als Hilflosigkeit und Traurigkeit.
Der Haken: Wenn Sie zornig sind, spüren Sie womöglich gar nicht, dass Sie Trost brauchen. Und wenn Sie auf einen Zornigen treffen: Sie sehen ihm seine Trostbedürftigkeit nicht an. Schon gar nicht bekommen Sie Lust, den Zornigen in den Arm zu nehmen. Denn das wäre doch das klassische Bild für Trost: Dass jemand einen in den Arm nimmt. Sanft spricht oder singt (was, ist fast egal). Und auf das aufgeschlagene Knie pustet. Ein Zorniger bleibt meist trostlos. Und womöglich wird er immer eigenbrödlerischer, isolierter, ungeliebter.
Womit können Sie sich außer Zorn noch vom Trost abschneiden, obwohl Sie ihn brauchen? Na ja, wenn Sie als Indianer keinen Schmerz kennen dürfen. Wenn Sie immer stark sein müssen, alles allein schaffen müssen. Denn wer Trost braucht und sich das eingesteht, kann nicht sich selbst genug sein. Der ist angewiesen auf andere, der ist bedürftig. Sich selbst trösten? OK, Sie können „sich damit trösten“, dass auch wieder andere Zeiten kommen, und mit ähnlichen Floskeln. Klingt mir eher nach Ver-Tröstung. Wie der Alkohol. Trost braucht meistens den anderen, den Mit-Menschen.
Da liegt dann eine weitere Trost-Bremse: der „soziale Rückzug“. Sie wollen oder können mit keinem mehr zu tun haben. Geschweige denn, dass Sie sich mal öffnen.
Und noch eine Trost-Bremse: Ihre „Einzigartigkeit“ und speziell die „Einzigartigkeit“ Ihres Schmerzes und Ihres Schicksals. Denn wenn ich ganz anders bin und sein will als alle anderen, dann kann mich auch das nicht trösten, was andere tröstet; dann kann mir nicht helfen, was anderen hilft. Wenn speziell mein Schmerz ganz einzigartig ist, dann kann auch kein Trost „ankommen“, jedenfalls kein „gewöhnlicher“. Trost würde an Ihrer Einzigartigkeit und an der Einzigartigkeit Ihres Leides kratzen. Und das werden Sie erfolgreich jedem beweisen, der es versucht: Ihre Tröster werden scheitern.
Hier nochmal die (Ihre?) Trost-Verhinderungen in Kürze:

  • Zorn – falls er Ihre Trostbedürftigkeit überdeckt.
  • Vertröstungen.
  • „Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“ / „Mir tut nichts weh!“
  • „Ich bin stark! Ich schaffe alles allein!“
  • Rückzug
  • Die Einzigartigkeit Ihres Schmerzes.

Da wären Sie besser dran, wenn Sie zu Ihrem Schmerz stehen und zu Ihrer Trostbedürftigkeit! Wenn Sie zumindest mit der Möglichkeit rechnen, dass jemand Sie vielleicht erreicht mit seinem Trost. Dass Sie eben NICHT „untröstlich“ sind, sondern tröstlich!
„Ich will trösten!“, sagt Gott. Aber wie? „Wie eine Mutter!“ Auch Mütter können Angst und Schrecken verbreiten, aber daran ist hier nicht gedacht. Sondern an eine liebevolle, herzliche, zärtliche Mutter. Eine, die geduldig ist und behutsam, verständnisvoll und gelassen.
Übrigens, liebe Väter, all das können Sie wahrscheinlich auch sein. Vielleicht wissen Sie das nur noch nicht. Oder Sie meinen, dass dürften Sie nicht oder das passt nicht zu Ihnen. Dann probieren Sie sie mal aus, Ihre „Mütterlichkeit“! Sie können viel gewinnen und nichts ver­lie­ren.
Der mütterliche Gott. – Aber Gott nimmt mich doch nicht in den Arm! Gott pustet nicht auf mein blutiges Knie! Gott singt mir kein Gute-Nacht-Lied!
Oder doch? Ich finde schon. Ich glaube Gott als den Geber aller guten Gaben. Da will ich ihm auch danken für die Umarmung eines anderen Menschen, das Pusten und das Singen – und für all das, was jeden Menschen trösten kann, wenn er diesen Trost an sich heran lässt, egal, ob er an Gott glaubt oder nicht. Gott – die Quelle des Trostes hinter allem Trost.
Aber es geht noch spezieller: Es gibt Trost-Dinge, die haben ganz direkt und ausdrücklich etwas mit dem Glauben zu tun:

  • Wenn mich jemand tröstet, mit dem ich im Glauben verbunden bin – mit seiner Zeit, seiner Nähe, seinen offenen Ohren, einem Nachtlager vielleicht, einer Tasse Kaffee, womöglich mit einem passenden Wort, das das Herz berührt.
  • Ich kann Trost im Gebet erfahren. Hängt natürlich ein bisschen davon ab, wie ich mich an Gott wende. Wie das traurige, verzweifelte Kind an eine liebevolle Mutter, das würde passen.
  • Es kann trösten, allein und vor allem mit anderen Glaubens-Lieder zu singen. Ich denke z.B. an dieses Taizé-Lied: „Bei Gott bin ich geborgen, still wie ein Kind, bei ihm ist Trost und Heil. Ja, hin zu Gott verzehrt sich meine Seele, kehrt in Frieden ein.“ Man singt ja die Taizé-Lieder wieder und wieder. Wie „Wiegenlieder“.
  • Es kann sein, dass ein einzelnes Bibelwort oder eine Gesangbuch-Strophe mein Herz berührt, mich einhüllt, mir Halt gibt. Das tröstet.
  • Es gibt spezielle Zeichen des Glaubens, die „berühren“ einen ohne viele Worte, aber sinnlich. Das Abendmahl – schmecken, sehen; die Krankensalbung – Berühren, Riechen; die Taufe sollte man nicht dauernd wiederholen, aber es gibt die Tauf-Erinnerung. – Für Protestanten wie mich: Überwinden Sie sich ruhig mal, sich vom Weihwasser am Eingang einer katholischen Kirche berühren zu lassen!
  • In unserem Jesaja 66-Text ist die Stadt Jerusalem Gottes Trost für die Angeredeten. Die Deportierten kommen nach Jahrzehnten aus Babylon zu ihr zurück, die Stadt erhebt sich aus den Trümmern. Das wird Sie jetzt wohl nicht direkt betreffen. Aber vielleicht gibt es für Sie auch so etwas wie „heilige Orte“ – Orte, an denen Sie sich Gott besonders nahe wissen? Orte, die für Sie nährend und stärkend sind?

„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet!“ Der Ort des mütterlichen Trostes ist auf ihrem Schoß, ganz dicht bei. Mütterlicher Trost funktioniert nicht als oberflächliche Fernbeziehung von Fall zu Fall.
Mein Wunsch für Sie in 2016: Dass Sie bei Ihrer Trostbedüftigkeit sind und keine Mauern dagegen aufbauen. Dass Sie Trost suchen und gute Quellen des Trostes finden. Dass Gott selbst ihnen eine gute Mutter und voll des Trostes ist.

Gebet (aus Jesaja 38):
Siehe, um Trost war mir sehr bange. Aber Du, Gott, hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe!

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Was bleibt von Weihnachten? Andacht zum 25.12.2015 und zu Weihnachten

Wenn Sie das hier passend zur Übrschrift am 2512. lesen, dann ist es so weit! Weihnachten ist da! Aber! Aber was? Na, manch einer hat den Eindruck: Weihnachten ist dann schon wieder gewesen. So wie am „Aschermittwoch alles vorbei“ ist, so ist für viele am Ende des 24. Dezember die Luft raus aus Weihnachten: Gottesdienst besucht, Weihnachtstafel abgegessen, „O du fröhliche“ gesungen. Sie müssen noch das Geschenk­papier falten oder entsorgen und die Geschenke wegsortieren. Ein paar Besuche noch.
Fast wie bei einer feierlichen Hochzeit: Man plant Monate lang, investiert Phantasie, Geld, Zeit, Mühen. Dann ist er da, der große Tag – und schwupps, ist er auch schon wieder vorbei. Die Luft ist raus. Dabei hört die Ehe doch nicht mit der Hochzeit auf – nein, sie fängt an diesem Punkt eher an. Hoffen wir jedenfalls.
In der Weihnachtsgeschichte ist es ein bisschen auch so: Der Engel bringt den Hirten die Weihnachts­botschaft: „Fürchtet Euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude (…): Euch ist heute der Heiland geboren!“ Eigentlich ist diese Botschaft nicht das Ende, sondern der ANFANG. Ab jetzt gilt: „So, und nun ist er da, der Heiland!“ Und da machen sich die Hirten auf den Weg.
Anderer Vergleich: „Er“ steht seit einer halben Stunde auf dem Bahnhof und wartet sehn­suchts­voll auf den Zug mit „ihr“ drin. Dann endlich der Höhepunkt: Die Tür geht auf, sie springt aus dem Zug, beide schließen einander überglücklich in die Arme! Und jetzt haucht er ihr ins Ohr: „So, nun bist Du ja gekommen, wir haben uns gesehen, jetzt kannst Du gleich wieder fahren!“ – Was sagen wir da? Schön blöd! Und wir raten dem Liebhaber: „Steck sie nicht in den nächsten Zug! Nimm sie mit nach Hause, macht Euch eine schöne Zeit!“ Denn: Sie soll BLEIBEN!
Und Weihnachten? Was bleibt denn von Weihnachten? Ist in der Geschichte mit dem Baby in der Krippe, mit den Hirten, den Engeln, irgend etwas, was BLEIBT?
Erste Antwort: Nein! Nichts! Nehmen wir die Engel: Nachdem sie Gott gelobt haben, fahren sie wieder in den Himmel. Oder die Hirten: An der Krippe bleiben die auch nicht lange. „Nachdem sie es aber gesehen hatten …“, sind sie auch schon wieder weg, um das weiterzuerzählen, was sie über das Kind gehört haben. Anschließend sind sie vermutlich dann wieder bei ihren Schafen gelandet, wo für sie die Geschichte begonnen hatte.
Und Maria, Josef, das Baby? Im Matthäus-Evangelium brechen sie fluchtartig nach Ägypten auf, um sich in Sicherheit zu bringen. Bei Lukas geht es nicht ganz so eilig zu, aber nach einer Weile treffen wir die Familie in Jerusalem an, von wo sie dann nach Nazareth zurückkehrt. Da ist es längst still geworden um den Stall in Bethlehem, wie er da so verwaist und verloren in der Landschaft steht, wenn nicht gerade die Schafe drin blöken.
Zweite Antwort: Doch, es bleibt was! In der Weihnachtsgeschichte heißt es ausdrücklich:

Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. (Lukas 2, 19)

„Behalten“, das bedeutet doch: Das bleibt! Im Herzen. Und obwohl vom BEWEGEN im Herzen die Rede ist, ist das eine stille, ruhige Angelegenheit. Maria bewegt die Worte im Herzen, wie man ein Baby sanft in den Schlaf wiegt.
Was denn für Worte? Antwort: Die Worte der Hirten. Und die Hirten haben Maria auch nur die Worte des Engels weitergesagt. Sie haben das eben auch schon gelesen: „Fürchtet Euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude (…): Euch ist heute der Heiland geboren!“
Ich stelle mir vor, wie Maria im Herzen wieder und wieder diese Worte einzeln „bewegt“: „Nicht fürchten! Freude! Euch (also auch: mir!)! Heiland! Geboren!“ – Meditations-Stoff für ein ganzes Leben.
Worte. Nicht mehr. Und nicht weniger. Ohne diese Worte wäre das Ereignis von Bethlehem nichts anderes gewesen als das, was jede andere Geburt auch ist: Für jemanden geht eine neue Welt auf. Die Eltern erleben intensive Gefühle, gute oder schlimme oder beides. Jedenfalls so intensiv wie wohl sonst nur bei der eigenen Geburt oder beim eigenen Tod. Jede Geburt ist einzigartig. Erst diese „himmlischen“ Worte des Engels machen DIESE Geburt zu einer einzigartig-einzigartigen.
Jesu Geburt ist schnell Vergangenheit. Was diese Geburt „bleiben“ lässt, das sind die Worte.
Viel später, als der erwachsene Jesus schon Jünger hat, da gibt es eine Krise: Viele seiner Anhänger wollen nichts mehr von ihm wissen, sie wenden sich ab. Was bleibt? WER bleibt? – Jesus fragt seine Jünger: „Wollt ihr auch weggehen?“ Da sagt Petrus:

Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes. (Johannes 6, 68 f.)

Petrus bleibt. Was lässt ihn bleiben? Jesu bleibende Worte, die „Worte des ewigen Lebens“. Die sind es, die ihn bei diesem „Heiligen Gottes“ bleiben lassen. So wie Maria bei den Worten in ihrem Herzen bleibt, bei den Worten von der Geburt des Heilands.
Man sagt, Worte seien Schall und Rauch. Jesus sagt es ganz genau anders herum:

Himmel und Erde werden vergehen. Meine Worte aber werden nicht vergehen. (Markus 13, 31)

Worte, die in Ewigkeit bleiben. Die Gültigkeit haben und behalten.
Wenn nun auch ICH dabei „bleiben“ will, wenn ich das will: „Weihnachten soll mir bleiben! Jesus Christus soll mir bleiben!“, dann brauche ich WORTE. Die Worte von ihm. Die Worte über ihn. Auch meine Worte zu ihm – im Gebet. Ich brauche offene Ohren für diese Worte. Ich brauche mein Herz als Wiege für diese Worte. Und womöglich einen Mund, der sie selber ausspricht, weitersagt, weitersingt. Vielleicht so, wie die Münder der Hirten es getan haben.
Dass ein Engel Sie wie die Hirten nachts aus dem Schlaf holt und Ihnen ungefragt die wichtigsten Worte ins Ohr und ins Herz hinein sagt, passiert eher selten. Deswegen sind Sie selbst gefragt und aufgefordert. Als Einladung gesagt: Sie sind eingeladen, sich Zeiten zu gönnen, Orte aufzusuchen, Menschen zu treffen, wo Sie „Worte des ewigen Le­bens“ hören. Und: Sie sind eingeladen zur Muße. Damit sie diese Worte im Herzen bewegen können. – Damit für Sie nicht nur zu Weihnachten, sondern täglich neu gilt: „Fürchte Dich nicht! Es gibt Grund zur Freude! Dir ist heute Dein Heiland geboren!“

Gebet (aus dem Lied „Macht hoch die Tür“)

Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
sei ewig Preis und Ehr.

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