Der andere Vater. Andacht zum 28.4.2017

Die Stamm-Väter und Stamm-Mütter Israels, gehen Sie die was an? Im biologischen Sinn wahrscheinlich nicht. Glaubensmäßig schon. Jedenfalls wenn Sie sich als Christ verstehen. Oder als Jude. Oder als Moslem.

Mit den Stamm-Vätern sind gewöhnlich Abraham, Isaak und Jakob gemeint. Die Stamm-Mütter sind ein bisschen weniger bekannt: Sarai, Rebekka, Rahel und Lea. (Ja, vier, nicht drei.)

So, und nun meine Quiz-Frage:

Welcher Stammvater des Volkes Israel brach als Erster aus seiner Heimat auf, um in das Land Kanaan zu kommen?

Man muss kein Bibel-Experte sein, um die Antwort zu kennen, da reichen Religions­unterricht oder Kindergottesdienst: Abraham! Ist doch klar! Dem hatte Gott doch gesagt:

Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. (Genesis 12, 1-3)

Abraham tut genau das – und so kommt er in das Land Kanaan.

So weit, so gut. Aber: „Abraham“ ist trotzdem die falsche Antwort auf die Quizfrage. Und nicht nur, weil er bis hierher „Abram“ heißt und erst später „Abraham“ (vgl. Gen. 17, 5). Sondern: Weil die richtige Antwort lautet: „Terach“! – Wie? Nie gehört? Terach ist der Vater von Abram. Er lebt ursprünglich in Ur im heutigen Irak. Von Terachs Aufbruch lesen wir schon im Kapitel vorher:

Da nahm Terach seinen Sohn Abram und Lot, den Sohn seines Sohnes Haran, und seine Schwiegertochter Sarai, die Frau seines Sohnes Abram, und führte sie aus Ur in Chaldäa, um ins Land Kanaan zu ziehen. Und sie kamen nach Haran und wohnten dort. Und Terach (…) starb in Haran. (Genesis 11, 31)

Aha! Terach bricht mit seinem Anhang aus Ur auf. Das ist im heutigen Irak. Das Reiseziel: Kanaan. Der Weg durch die Arabische Wüste ist zu hart, des­we­gen der Um­weg über Haran, heute ist das im Norden von Syrien.

Aber nun kommt es anders als geplant: Nord­syrien wird vom Zwischenstopp zur Endsta­tion: Terach und die Seinen siedeln sich dort an. Schließlich stirbt Terach dort. Er wird be­gra­ben, aber sein Kanaan-Plan, der ist schon lange vor ihm selbst begraben worden.

Dann erst kommt das Kapitel mit Abrams Auf­bruch, und Abram erreicht tatsächlich Kanaan.

Der Name Terach fällt in der Bibel nur 3 mal nach unserem Kapitel Gene­sis 11. Bei Abram / Abraham ist das deutlich anders: 283 mal. Davon hat er es 70 mal bis ins Neue Testa­ment geschafft. Wieso??? Beide sind doch Richtung Kanaan aufgebrochen! Unter Terachs Führung verlief der größere Teil der Reise, und eigentlich war es auch seine Idee, oder?

Also: Was ist so anders bei Abram, dass ER als der erste Stammvater Israels gilt, und nicht Terach?

  • Zunächst mal: Terach folgt seiner eigenen Idee und seinem Plan. Bei Abram ist das so: Es ist NICHT seine Idee, sondern es ist – jetzt – GOTTES Idee. Gott spricht – Abram hört – Abram bricht auf.

  • Dann: Terach hatte mit Kanaan ein FESTES ZIEL, das er aber NICHT erreicht. Zu Abram spricht Gott vage von einem „Land, das ich dir zeigen will“. Also: Abram hat KEIN festes Ziel – aber das erreicht er dann.

  • Terach bleibt mit seinen Leuten in Haran, er wird dort sesshaft. Bei Abram ist das anders, auch nachdem er in Kanaan angekommen ist: Dort ist er bis zu seinem Tod immer wieder unterwegs, wir treffen ihn an verschiedenen Orten. Er bleibt beweglich.

  • Gottes Verheißung und Segen! Damit erst beginnt die Geschichte Israels. Davon war bei Terach noch mit keinem Wort die Rede – nicht von Gott, nicht vom Segen, nicht vom „großen Volk“.

Erst bei Abram bringt sich Gott ausdrücklich ins Spiel. Zu ihm spricht Gott, ihm erscheint Gott. Abram hört auf Gott. Und: Abram ruft zu Gott (Genesis 12, 8).

„Aufbrechen“, das ist schon bei Terach eine gute Sache. „NEU aufbrechen“, nachdem man schon längst irgendwo angekommen ist, Wurzeln geschlagen hat und darüber älter geworden ist, das ist womöglich eine BESONDERS gute Sache.

Terach wollte ursprünglich nach Kanaan. Und das Land, was Gott Abram zeigte, war, na? Ebenfalls Kanaan! Kann das denn Zufall sein?

Meine Antwort: Nein, kein Zufall. Terach hatte von vornherein schon das „richtige“ Ziel im Kopf. Und diesem Ziel ist er gefolgt, bevor er dann auf halbem Weg stecken blieb.

Dann hätte Terach aber doch auf dem Sterbebett zu Abram sagen können: „Junge, ich hab‘s nicht mehr geschafft. Aber Du, Du bringst unsere Sippe ans Ziel! Ab nach Kanaan!“ Warum nicht dieses Vermächtnis? Wieso muss Gott es anstoßen, nicht Terach?

Meine Vermutung: Weil es fast immer schief geht und ins Unglück führt, wenn Kinder die Ziele ihrer Eltern verwirklichen müssen. Wenn die Kinder erreichen müssen, was die Eltern nicht geschafft haben. Wenn die Kinder denjenigen Lebensstil umsetzen müssen, der den Eltern versagt geblieben ist. Dass das Ziel im Ergebnis dasselbe ist, ist nicht so wichtig. Woher Abraham es hat, von seinem Vater oder von Gott, das allerdings ist schon wichtig. Und dass er es im Hören auf Gott erst noch selbst finden muss.

Ich finde, es gibt viel, worin uns Abraham Vorbild sein kann: Er hört auf Gott. Er vertraut ihm. Er bricht auf. Er zieht in Gemeinschaft los. Er bleibt auch im Alter beweglich.

Und Terach, der vergessene Stamm-Vater? Er hört Gott nicht, denn Gott spricht nicht zu ihm. Er sieht nichts von Gott, denn Gott erscheint ihm nicht. Jedenfalls nicht so direkt. Und darin gleicht Terach – mir. Ihnen wahrscheinlich auch. Nein, dass Terach aufbricht und auch noch das „rich­tige“ Ziel ansteuert, das hat wohl mehr mit Intuition als mit Offenbarung zu tun. Und dass er in Haran stecken bleibt – vielleicht mit dummen Zufällen und widrigen Umständen oder Bequemlichkeit.

Und wenn ich das auf mich und Sie übertrage ohne unsere ganz großen Offenbarungs-Erlebnisse? Es könnte ja sein, dass Gott auch mit unserer Intuition etwas anfangen kann. Nicht muss, aber kann. Dass Gott manchen Aufbruch in Unbekanntes segnet, auch wenn er es nicht ausdrücklich sagt. Und dass Gott schon an sein Ziel kommt. Auch wenn nicht ich selbst es bin, der es nach Kanaan schafft, und der trotz guter Absichten auf halbem Weg stecken bleibt.

Darum, wenn Sie bisher Abram, Isaak und Jakob als Stamm-Väter kannten: Nehmen Sie Terach mit auf! Wegen der Nähe zu Ihnen!

Gebet:

Gott, manchen fälligen Aufbruch habe ich versäumt. An anderen Stellen war ich zu überstürzt und übereilt, und es ist schief gegangen. Wieder an anderen Stellen habe ich es nicht zu Ende gebracht. Gott, sei mit mir auf meinen Wegen! Lass es Deine Wege sein! Und mach Du es gut, wo ich es schlecht machte! Amen.

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Vom Öffnen lange verschlossener Türen. Andacht zum 21.4.2017

Eine schlimme Geschichte ist das, die von der Sintflut:

Als aber der HERR sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, da reute es den HERRN, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen, und er sprach: „Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis hin zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln unter dem Himmel. Denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe.“ (Genesis 6, 5-7)

Der Untergang ist universell: „Alles, was Odem des Lebens hatte auf dem Trockenen, das starb“ (Genesis 8,22). Und es ist der Mensch, der durch seine Bosheit, sein „Dichten und Trachten“, die Schöpfung mit den Abgrund reißt. Eine sehr moderne Geschichte.

Oder ist es Gott, der in den Abgrund reißt? Und: Hätte man die Geschichte nicht besser so erzählen können, dass es nur Böse trifft? Am liebsten wäre mir ein happy End wie bei Ninive: Jona kündigt Ninive den Untergang an – aber zu Jonas Enttäuschung ändern diese Heiden dort ihr Leben, Gott lässt Gnade walten. Gott begründet seine Gnade aber nicht mit dem Sinneswandel der Leute. Nein, grund­sätz­licher. Gott lässt für Jona extra eine Rizinus-Staude wachsen, die Jona erfrischenden Schatten spendet. Dann vertrocknet die Staude, Jona ist sauer. Da sagt Gott:

Dich jammert der Rizinus, um den du dich nicht gemüht hast, hast ihn auch nicht aufgezogen, der in einer Nacht ward und in einer Nacht verdarb, und mich sollte nicht jammern Ninive, eine so große Stadt, in der mehr als 120.000 Menschen sind, die nicht wissen, was rechts oder links ist, dazu auch viele Tiere? (Jona 4, 10-11)

Aber auch die Sintflut-Geschichte ist eine Gnaden- und Rettungs-Geschichte:

Aber Noah fand Gnade vor dem HERRN. (Gen. 6, 8)

In der Noah-Geschichte sind zwei unterschiedliche Fassungen ineinander gewoben. Direkt nach diesem Satz über Gottes Gnade fängt der andere Erzähler an – und betont, dass Noah sich aber auch positiv von seinen Zeitgenossen unterscheidet:

Dies ist die Geschichte von Noahs Geschlecht. Noah war ein frommer Mann und ohne Tadel zu seinen Zeiten; er wandelte mit Gott. (Genesis 6, 9)

Wie am Untergang der Menschen auch die anderen Geschöpfe dranhängen, so hängen an der Rettung von Noah ebenfalls andere Geschöpfe: Nicht nur seine Frau, die drei Söhne und die Schwiegertöchter, sondern auch paarweise alle Landtiere.

Vor allem aber ist die Noah-Geschichte eine Rettungs-Geschichte, weil sie von einer doppelten Wandlung Gottes berichtet – und am Ende siegt die Gnade …

Die erste Wandlung steht am Anfang: Es „reute“ und „bekümmerte“ Gott, dass er die Menschen überhaupt gemacht hatte (Genesis 6, 6). Die zweite Wandlung kommt gegen Ende. Da sagt Gott:

Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. (Gen. 8, 21)

Wohlgemerkt: Eben noch war das böse „Dichten und Trachten“ ausdrücklich Grund für die Sintflut. Und jetzt, jetzt erträgt Gott, dass es eben so ist.

Nun ein Detail, das mir vor kurzem beim Lesen besonders aufgefallen ist: Als Noahs Familie und die Tiere schließlich in der Arche sind, heißt es:

Und der HERR schloss hinter ihm zu. (Genesis 7, 16)

Wieso schließt Gott selbst die Tür? Für mich hat das etwas Behütendes, Liebevolles. So ähnlich wie ein paar Kapitel vorher: Nachdem Adam und Eva es völlig vergeigt haben mit Gott und dem Paradies, macht Gott Ihnen noch Fell-Kleider und zieht sie ihnen an (Gen. 3,21).

Es hat für mich aber noch etwas anderes: Wenn GOTT die Tür zu macht, dann ist sie wirklich zu und dicht. Dicht muss sie ja sein wegen der Flut, sonst kommt Wasser rein. Aber sie ist auch dicht für die Menschen: Keiner kommt mehr rein. Und: Keiner kommt mehr raus! Die geschlossene Tür der Arche als Sinnbild für endgültigen Abschied. Das klingt kalt. Brutal. Hartherzig. Und gar nicht behütend und liebevoll.

Und doch: Es kann beides gleichzeitig sein. Sie kennen das vermutlich: Es gibt Abschiede, die wollen Sie nicht. Sie wollen immer und immer weiter ein Türchen offen halten. Vielleicht klappt das auch, die Tür fällt nie so ganz ins Schloss. Aber ist das wirklich besser? Der Volksmund ist da schonungslos: „Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!“ Oder in unserem Bild: Es kann brutal, hartherzig und ZUGLEICH behütend und liebevoll sein, wenn die Tür ins Schloss fällt, und niemand bekommt sie auf.

Ich war beim Lesen neugierig: Wenn Gott die Tür geschlossen hat, wie kommen Mensch und Tier später wieder heraus? Wie „dicht“ ist ihre Arche, ihr Schneckenhaus? Wo ist Öffnung möglich?

Die erste Öffnung ist das FENSTER. Das Fenster war – genau wie die Tür – ausdrücklich in Gottes Bauplan vorgesehen (Gen. 6,16), an völlige Abgeschlossenheit war nie gedacht. Als das Gröbste vorbei ist, öffnet Noah das Fenster und lässt einen Raben heraus. Der fliegt nur hin und her. Dann die Taube. Erst findet sie keinen Halt und kommt wieder. Dann, beim nächsten Durchgang, bringt sie einen Ölbaum-Zweig mit. – Land in Sicht! Im dritten Durchgang kommt sie gar nicht mehr wieder. Also jetzt: Das Wasser ist weg! Nichts wie „Alle raus aus der Arche!“ – ?

Nein! Erst noch eine weitere Öffnung: „Da tat Noah das Dach von der Arche und sah, dass der Erdboden trocken war“ (Gen. 8,13). Jetzt „sieht“ Noah selbst, nicht nur seine Boten, die Vögel. Nun aber raus? – Nein, immer noch nicht! Sondern erst knapp zwei Monate später, als die Erde „ganz trocken“ ist. Da erst sagt Gott: „Geh aus der Arche!“ (Gen. 8,16). Die Tür ist nicht mehr abge­schlossen, sie war es vielleicht nie. „Raus“, das geht jetzt.

Was mir auffällt: Noah geht erst, als Gott grünes Licht gibt. Als es wirklich trocken ist. Fragt sich nur: Warum dann vorher die Sache mit Rabe und Taube, warum der Blick durch das geöffnete Dach, wenn alles keine Konsequenzen hat? Mein Antwort: Weil das die Hoffnung nährt! Noah kann sich vergewissern: Es tut sich was! Es ist wirklich Land in Sicht! Und: Frische Luft!

Gut, dass es nicht nach meiner Mütze ging. Sie werden meine Ungeduld gemerkt haben. Aber nein, Noah wartete noch. Gewisse Dinge brauchen eben Zeit. Hätte Noah statt auf Gott auf Klute gehört, er hätte sich nasse Füße geholt. Mindestens.

Aber hätte Noah seine Hoffnung nicht genährt und hätte er dann nicht auf Gottes „Jetzt aber!“ gehört, er säße noch heute ängstlich und voller Skrupel in seiner dunklen Arche, auch wenn die schon längst auf dem sonnigen Ararat getrocknet ist. Alles dicht halten? Oder öffnen? Noahs Antwort könnte lauten: Die Ohren spitzen! Für Gott!

Gott, wenn ich eine Arche brauche in den Fluten des Lebens, dann gib, dass sie mich schützt, rettet, trägt! Aber lass nicht zu, dass sie mir zum Gefängnis wird! Amen.

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„Am Ende: Gott“ Andacht zum 14.4.2017

von Klaus Honermann, Schermbeck (2016)

Sie hatten Träume und das Herz voller Hoffnung, dass eine neue Welt im Kommen sei.

Sie glaubten, er sei ihre Zukunft, doch am Kreuz schien alles vorbei.

Verraten, verleugnet, verschanzt hinter Stein, und dann soll er leben, wie kann das sein,

wenn der Tod das Aus und Ende ist und die Hoffnung mit ihm stirbt?

So beginnt ein Lied der Gruppe ashira. Es drückt ziemlich genau das Gefühl der Jünger damals in Jerusalem aus – und auch wohl das unsere in diesen Tagen.

und dann soll er leben, wie kann das sein, wenn der Tod das Aus und Ende ist und die Hoffnung mit ihm stirbt: in Jerusalem, in Syrien, in Afrika, auf der sog. Balkanroute, bei den Terroranschlägen in Brüssel und anderswo? Die mörderische Gewalt und der dahinter stehende Hass haben uns in dieser Woche erneut deutlich gemacht, wie sehr unser Leben bedroht ist und wie sehr der Mensch erlösungsbedürftig ist.

Wir feiern und besingen an Ostern, dass der Tod eben nicht das Aus und Ende ist, auch wenn damals und auch heute zunächst alles dafür spricht. Die Apostel, die sich in den Abendmahlssaal zurück gezogen hatten, und die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus dachten: alles aus und vorbei, was wir gehofft und geglaubt haben. Sie hatten ja gesehen, wie Jesus am Kreuz gestorben war. Sie wussten, dass nicht nur sein Leib begraben war, sondern damit auch die Hoffnung auf eine neue, eine andere Welt. Eine Welt, in der Gott und seine Liebe herrschen und nicht politische Interessen und Gewalt. Seit damals scheint sich nicht viel verändert zu haben, höchstens zum Schlechteren.

Nicht nur die Kirche ist anscheinend am Ende mit ihrem Latein von der Botschaft der gekreuzigten Liebe, sondern Gott selbst ist offenbar am Ende. Der Tod hat das Sagen.

Jesus ist grausam gestorben. Kein Scheintod, sondern wirklich gestorben. Und der Vater im Himmel hat nicht eingegriffen – so wie er auch heute nicht von außen eingreift in Syrien und Brüssel.

Ist Jesus völlig sinnlos gestorben am Ende des Versuchs, Gottes Liebe in der Welt für immer einen Platz zu geben? Ist auch Gottes Plan selbst damit gestorben?

Neulich las ich Folgendes: Kiera Larsen, eine 10-jährige Schülerin in der kalifornischen Ortschaft Lakeside, spielt mit zwei Kleinkindern, als plötzlich ein schweres Auto auf sie zu rollt. Sie stößt die beiden kleinen Mädchen aus dem Weg, um sie zu schützen. Dabei wird sie selbst vom Wagen erfasst und stirbt kurz darauf im Krankenhaus. Das Mädchen ist bei der Rettungsaktion gestorben. Jedoch hat hier nicht der Tod das letzte Wort, sondern ihre Selbstlosigkeit, die unzählige Menschen bewegt.

Wir sind vom Tod zum Leben hinüber gegangen, weil wir die Schwestern und Brüder lieben!“, sagt der 1. Johannesbrief. (1 Joh 3,14)

Ist so Ostern? Dass es zwar Tod gibt und Verderben, aber dass die Liebe stärker ist?

Und dass ein zehnjähriges Mädchen sichtbar macht, wie Gottes Geist lebendig ist?

Er ist schon ein wenig verrückt, unser Glaube, unsere Hoffnung: dass Leben sich ausgerechnet im Sterben erweist, dass der Anfang im Ende liegt. Aber so verrückt ist Gott. Er ver-rückt unsere Maßstäbe, was Leben und Sterben angeht.

Viele Zeitgenossen halten den Glauben für verrückt, der sagt, dass Jesus, einer der gestorben ist, lebt. Wenn dann der Tod das Letzte ist, dann müssen er und alle Vorboten wie das Altern aufs Äußerste bekämpft werden. Die „Kampfmittel“ sind dabei u.a. Nervengifte wie Botox, damit die äußere Erscheinung „ewige Jugend“ vorspielen kann.

Auch hier sind Maßstäbe, was Leben und Sterben angeht, ver-rückt. In manchen Ländern wie Brasilien ist eine ganze Industrie daraus erwachsen. Das ist weder Lebenshilfe noch Hilfe zu einem würdigen Sterben. Mir scheint, das ist verrückt. Und unbarmherzig.

Jedoch zu glauben, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem rein biologischen Leben und dem Leben von Beziehung und Liebe, das durch den leiblichen Tod nicht ungültig wird – im Gegenteil! – dieser Glaube ist alles andere als unvernünftig. Und er ist barmherzig, denn er gibt auch denen eine Chance, die äußerlich gesehen zu kurz kommen.

Kiera Larsen und Menschen wie sie zeigen uns, dass der Verlust des leiblichen Lebens sehr schmerzvoll ist, vor allem für Angehörige und Freunde. Aber der Gewinner ist das Leben selbst. Zu einen, weil die anderen beiden Kinder dadurch leben können. Aber auch, weil ihr Beispiel unzähligen Menschen die Hoffnung gibt, dass Liebe stärker ist als Tod; dass nicht Hass und Gewalt das letzte Wort haben. Auch wenn Kiera nicht bewusst und überlegt, sondern ganz spontan gehandelt hat, so lässt es uns erkennen, was auf dem Grunde ihre Herzens maßgebend war.

Können wir nicht an ihrem Beispiel ablesen, was es mit der Lebenshingabe Jesu auf sich hat? Er wollte uns das Tor öffnen für jenes Leben, das mehr ist als die Summe all unserer Tage, das mehr ist, als biometrische Angaben in einem Dokument, einem Personalausweis erfassen. Jesus hat am Kreuz sein Leben gegeben. Im Unterschied zu Kiera hatte er Zeit zum Nach-denken und für seine Angst. Er hat sich bewusst entschieden. Seine Liebe für unser Leben. Sein Sterben für unser Leben.

Dieses Leben Gottes war am Kreuz nicht am Ende. Es lebt in jedem von uns, der sich darauf einlässt.

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Simon von Kyrene. Andacht zum 7.4.2017

Zur Karwoche kommen wir nun doch mitten in Jesu Leiden an: Sie haben Jesus verraten und gefangen genommen. Sie haben ihn verhört, verurteilt, verleugnet. Verhöhnt, verspottet, gequält, bespuckt. Die Dornenkrone in den Kopf gedrückt.

Und nun führen sie Jesus zur Hinrichtung: Den Querbalken des Kreuzes muss Jesus selbst tragen. Doch das schafft er schon nicht mehr. Er bricht zusammen unter der Last, die er da zu schleppen hat.

Sie zwangen einen, der vorüberging, Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater des Alexander und des Rufus, dass er ihm das Kreuz trage. (Markus 15, 21)

Lauter Namen. Der, der hier helfen muss, heißt Simon. Er oder seine Vorfahren hatten mal in Kyrene in Libyen gewohnt und sich später in Jerusalem angesiedelt, vielleicht war einer seiner Vorfahren der Geschichtsschreiber Jason von Kyrene (2. Makkabäer 2,23). Simon selbst ist Bauer. Noch mehr Namen: Alexander und Rufus, seine Söhne. Aber über all die Namen und diese kurze Begebenheit hinaus erfahren wir nichts über Simon von Kyrene.

Erinnern Sie sich an die Andacht letzte Woche? Die Heilung des Blinden? Der hatte auch einen Namen: Bartimäus. Bartimäus war am Schluss nicht einfach geheilt, sondern er „folgte Jesus nach“. Sein ganzes Leben hatte eine neue Richtung bekommen. Meine Behauptung war: Seinen Namen hat der Evangelist anders als bei anderen Heilungen aus gutem Grund aufgeschrieben: Sein Name war noch bekannt unter den Lesern des Evangelium. Eben weil Bartimäus zu Jesus und dann zu den ersten Christen gehört hatte.

Und nun wieder ein namentlich bekannter „Nachfolger“: Simon von Kyrene. Aber was für Unterschiede! – Der blinde Bartimäus hatte schon viel von Jesus gehört. Er setzt seine ganze Hoffnung auf Jesus, schreit nach ihm, lässt sich nicht von den Leuten zum Schweigen bringen. Er sagt Jesus, was er braucht. Er erlebt Heilung, die Augen gehen ihm auf. Und dann folgt er Jesus – freiwillig.

Wie anders läuft das bei Simon von Kyrene ab! Der hat vielleicht auch schon von Jesus gehört. Aber der reißt sich kein bisschen darum, Jesus zu sehen. Schon gar nicht erwartet er etwas von Jesus. Im Gegenteil: Er kommt von der Feldarbeit und gerät „zufällig“ in dieses Hinrichtungs-Spektakel hinein. Die römischen Soldaten greifen ihn willkürlich heraus: Jesus liegt am Boden, und irgendwer muss jetzt den schweren Balken schleppen. Diese Hinrichtungs-Angelegenheit muss ja weitergehen und zuende gebracht werden.

Ich stelle mir vor, wie Simon nun mit dem Balken auf den Schultern Jesus folgt – den ganzen Weg bis zum Hinrichtungshügel. Nicht Jesus hat ihm eine Last abgenommen, sondern: Er, Simon, trägt Jesu Last. Das Gewicht auf den Schultern, das Wimmern und die Schreie Jesu und der anderen „Verbrecher“ in den Ohren, vielleicht Bluts-Tropfen vor sich im Staub vor Augen. Und von dem Spott der Schaulustigen bekommt Simon wohl auch etwas ab. Nein, seine Augen gehen ihm nicht auf wie dem Bartimäus, sondern sein Blick ist jetzt gesenkt, vielleicht wird ihm auch noch schwarz vor Augen.

Und als sie auf dem Hinrichtungshügel angekommen sind? Ich glaube nicht, dass Simon geblieben ist wie die Schaulustigen. Denn er hat das Geschehen aus einer anderen Perspektive kennengelernt, in seiner ganzer Abscheulichkeit und Brutalität. Ob Jesus ihn dort oben vielleicht noch angesehen hat? Irgendwelche Worte oder Laute in seine Richtung gewimmert hat? Wer weiß …

Simon von Kyrenes „Nachfolge“ ist so ganz anders als bei Bartimäus. Aber die Gemein­sam­keit: Beide haben für den Evangelisten einen Namen. Das mit Jesus war keine punktuelle Be­geg­nung, sondern der Beginn einer Geschichte. Bei Simon von Kyrene wird das besonders deutlich: Markus spricht vom „Vater des Alexander und Rufus“, als wollte er sagen: „Hey, die kennt Ihr doch auch!“ Oder: „Die haben die Älteren von Euch doch noch gekannt!“

(Matthäus und Lukas erwähnen ein paar Jahrzehnte später Alexander und Rufus nicht mehr – da waren die wohl schon zu sehr Vergangenheit).

Bartimäus und Simon, beide haben einen Namen, beide folgen Jesus nicht nur punktuell nach, ihr Leben bekommt durch ihn eine andere Richtung. Und: Beide bekommen es irgendwann mit Jesu Kreuz zu tun: Bartimäus erst nach seiner Heilung, denn er folgt Jesus ja nach Jerusalem, wo das alles nun passiert. Und Simon, der wird von den römischen Soldaten gleich zu Anfang in das Kreuzes­geschehen hinein gezwungen.

Um Jesu Kreuz kommt niemand seiner Nachfolgerinnen und Nachfolger herum. Und das ist gut so: Spätestens wo ich mich selbst dem Spott, den Schmerzen, der Gottverlassenheit und dem Tod ausgeliefert weiß, soll mir Jesu Kreuz zum Zeichen seiner Nähe werden. Und dass er mich an seiner Hand hindurch führt.

Es gibt Menschen, die erfahren so viel Gutes, bei denen läuft es im Leben so rund, dass sie darüber Gott und Jesus und den Glauben vergessen. Bei Bartimäus ist das anders: Er erfährt Gutes, und das ist für ihn der Startpunkt der „Nachfolge“.

Es gibt die anderen Menschen, die erfahren so viel Schlimmes, dass sie darüber Gott, und Jesus und ihren Glauben verlieren. Das ist nun bei Simon von Kyrene anders: Er erfährt Schlimmes, und für ihn ist DAS der Startpunkt seiner „Nachfolge“.

Ich wünsche Ihnen und mir: Dass nichts, nicht das Gute und nicht das Schlimme, uns den Glauben auf Dauer verlieren oder vergessen lässt, sondern dass uns „das Leben“ immer näher zu Christus bringt.

Und wenn wir ihn doch verlieren oder vergessen: Dass Christus uns nicht verliert und vergisst! Auch für diese Hoffnung steht sein Kreuz!

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„… und folgte Jesus auf seinem Weg“ Andacht zum 31.3.2017

Heute eine meiner Lieblingsgeschichten aus der Bibel. – Aber diesmal nicht, weil ich sie mag. Sondern weil sie in diese Passions-Zeit passt. Sie erinnern sich: Ich stelle Ihnen Texte aus dem Markus-Evangelium vor, die von Jesu Leidenszeit handeln, obwohl seine letzte Woche bis zur Kreuzigung noch gar nicht begonnen hat.

Allerdings müssen Sie hier schon sehr genau hinhören, um die Verbindung zu Jesu Leidens­weg zu entdecken …

(Jesus und seine Jünger) kamen nach Jericho. Als Jesus die Stadt wieder verließ, gefolgt von seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge, saß da am Straßenrand ein Blinder und bettelte. Es war Bartimäus, der Sohn von Timäus. Als er hörte, dass es Jesus von Nazareth war, der da vorbei kam, fing er an, laut zu rufen: »Jesus, Sohn Davids! Hab Erbar­men mit mir!« Viele fuhren ihn an, er solle still sein; aber er schrie nur noch lauter: »Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!« Da blieb Jesus stehen und sagte: »Ruft ihn her!« Einige liefen zu dem Blinden hin und sagten zu ihm: »Fasse Mut, steh auf! Jesus ruft dich!« Da warf der Blinde seinen Mantel ab, sprang auf und kam zu Jesus. »Was willst du?«, fragte Jesus. »Was soll ich für dich tun?« Der Blinde sagte: »Rabbuni, ich möchte wieder sehen können!« Jesus antwortete: »Geh nur, dein Vertrauen hat dir geholfen!« Im gleichen Augen­blick konnte er sehen und folgte Jesus auf seinem Weg. (Markus 10, 46-52)

Es gibt ja einige Heilungsgeschichten. Fast nie erfahren Sie den Namen des Geheilten. Hier aber doch: Bartimäus. – Was bringt den Evangelisten Markus dazu, uns ungefähr 40 Jahre nach den Ereignissen ausgerechnet diesen Namen in sein Evangelium zu schreiben? Da habe ich eine Vermutung, aber die verrate ich Ihnen erst später.

Hier zunächst mal: Bartimäus – diesen Namen müssen Sie sich merken. Bartimäus kann Ihnen nämlich in ein paar wichtigen Dingen Vorbild sein:

  1. Bartimäus ist schon lange blind. Er hat es sich irgendwie eingerichtet in seinem Leben als Bettler an der Straße. Aber: Er „hört“. Er hat also nicht völlig dicht gemacht, er ist offen für das, was um ihn herum passiert. Man kann ja nie wissen …

  2. Der Name „Jesus von Nazareth“ sagt dem Bartimäus etwas. Damit verbindet er Gutes. Und von dem, der zu diesem Namen gehört, will er jetzt was. Der soll sich über ihn erbarmen!

  3. Bartimäus greift die Gelegenheit beim Schopf, als Jesus gerade vorüber geht. Er überlegt nicht erst lange hin und her, bis die Gelegenheit buchstäblich vorüber gegangen ist.

  4. Bartimäus ruft deutlich um Hilfe. Er wartet nicht still und verschüchtert am Wegrand, bis sich Jesus oder sonst jemand zu ihm herab beugt und sich über ihn erbarmt.

  5. Bartimäus lässt sich nicht zum Schweigen bringen durch die, die sich von ihm gestört fühlen.

  6. Bartimäus belässt es nicht bei lauten Hilferufen. Er steht auf und geht los. Er lässt zurück, was ihn im Moment nur bremsen und belasten würde. Den Mantel nämlich. Und in meiner Kinderbibel auch noch den Blindenstab und die Schale mit den Münzen.

  7. Bartimäus sagt klar und deutlich, was er will.

Nun sind Sie am Zug: Gibt es etwas in Ihrem Leben, was zu der Blindheit von Bartimäus passt? Etwas, was Sie seit langem behindert und belastet? Was Sie gefangen nimmt und abhängig hält? Sie könnten dann die 7 Punkte für sich durchspielen. Vielleicht so:

  1. Wie „dicht“ sind Sie? Oder wie „offen“ für die Welt um Sie herum? Kann Sie etwas erreichen? Kann Sie jemand erreichen?

  2. Sagt Ihnen im Blick auf das, was Sie behindert, der Name Jesus etwas? Verbinden Sie ihn mit Erwartungen oder Hoffnungen?

  3. Wie halten Sie es mit Gelegenheiten, die JETZT ergriffen werden wollen? Neigen Sie zum Zögern und Zaudern? Oder im Gegenteil dazu, die Dinge zu überstürzen?

  4. Wie gut können Sie um Hilfe bitten?

  5. Wie leicht lassen Sie sich zum Schweigen bringen? – Von den Rückmeldungen der anderen? Von Kritik? Von ihren Blicken? Von ihrer bloßen Anwesenheit?

  6. Was könnte das für Sie bedeuten – Aufstehen? Lasten abwerfen? Eigene Schritte wagen?

  7. Sagen, was Sie brauchen und was Sie wollen. – Tun Sie das?

Kann sein, dass Bartimäus mit seiner Blindheit so gar nicht zu dem passt, was Sie bremst und (be-) hindert. Aber es kann auch sein, dass einer dieser sieben Punkte bei Ihnen ins Schwarze trifft. Dann merken Sie sich diesen Namen! Hören Sie auf, hier weiter zu lesen und seien Sie ein Bartimäus!

Für die anderen habe ich einen achten Punkt, und da bekommen wir es endlich mit Jesu Leidensweg zu tun:

  1. Im gleichen Augen­blick konnte Bartimäus sehen – und folgte Jesus auf seinem Weg.“

Bartimäus kann sehen! Ein Wunder! Das happy End! Andere Heilungsgeschichten berichten hier vielleicht noch, wie alle staunen, und dass Jesus sie bittet, es nicht groß weiterzuerzählen, fertig.

Aber nicht so hier: Das Sehen-Können ist hier nicht der End-Punkt. Sondern: ein Doppelpunkt. Da kommt noch was! Da geht es erst jetzt richtig los. Bartimäus folgt Jesus auf seinem Weg. Die Barti­mäus-Geschichte ist nur in zweiter Linie eine Wunder-Geschichte. Sie ist in erster Linie eine Nach­folge-Geschichte!

Und auf welchem Weg folgt Bartimäus Jesus nach? Antwort: Es ist der Weg von Jericho nach Jerusalem. Ein steiler Weg. Danach Jesu Einzug in Jerusalem. Der Beginn der letzten Erdentage Jesu. Bartimäus folgt Jesus auf diesem Weg, der für Jesus am Kreuz endet.

Was wohl in diesen Folge-Tagen alles in Bartimäus vorgegangen sein mag? Ich stelle mir vor, er hat sich manchmal gesagt: „Ach wäre ich doch besser blind und als Bettler in Jericho geblieben! Dann hätte ich das alles nicht mit ansehen müssen!“ Vielleicht auch die Verlockung: „Ich mache auf dem Absatz kehrt! Zurück nach Jericho! Wieder am Straßenrand mit Bettelhut und dem alten Mantel über den Schultern! Und nichts sehen und nichts hören von dem, was hier in Jerusalem passiert!“

Aber ich glaube: Bartimäus ist auf der Spur hinter Jesus her geblieben. Trotz solcher Gedanken. Und er war noch dabei, als es den Jüngerinnen und Jüngern an Ostern und in der Zeit danach aufging: Jesus lebt! Gott hat ihn vom Tod auferweckt! Bartimäus war dabei, als sich die christliche Gemeinde bilde­te, Und als die Christen anfingen, von Jesu Geist erfüllt von Jesus zu erzählen, da war er auch dabei.

Wieso ich das glaube? Da kommt der Name ins Spiel! Wenn vor Jahrzehnten irgendwer wundersam geheilt wurde, dann war für die Leute das Ereignis wichtig, aber nicht der Name. Hier ist das anders: „Bartimäus“, dieser Name war unter den Christen noch Jahrzehnte danach bekannt. Warum? Eben weil Bartimäus Jesus gefolgt ist auf seinem Weg – auf seinem Leidensweg. Und darüber hinaus.

Nun nochmal zu Ihnen. Sie hatten ja eben schon bei den ersten sieben Punkten geguckt, ob das für Sie passt. Für Punkt 8 könnte das so lauten:

8. Wenn sich bei Ihnen etwas zum Guten wendet, ist das dann ein Endpunkt? Schluss mit einer schweren Zeit, und möglichst schnell vergessen? Außer Spesen nix gewesen? Oder ein Doppelpunkt? – Der Anfang von etwas Neuem?

Ist so eine Berührung mit dem Glauben / mit Gott / mit Christus für Sie eher wie ein Flirt? -Intensiv, aber flüchtig? Oder mehr der Beginn einer langen, bewegenden Liebesgeschichte?

Ich sehe Bartimäus auch darin als personifizierte Einladung: Im Leben nicht mit intensiven aber flüchtigen Begegnungen zufrieden zu sein – nicht mit Menschen, und auch nicht im Glauben.

Gebet (von Philipp Spitta; EG 406):

Bei dir, Jesu, will ich bleiben, stets in deinem Dienste stehn;
nichts soll mich von dir vertreiben, will auf deinen Wegen gehn.
Du bist meines Lebens Leben, meiner Seele Trieb und Kraft,
wie der Weinstock seinen Reben / zuströmt Kraft und Lebenssaft.

Könnt ich’s irgend besser haben / als bei dir, der allezeit
soviel tausend Gnadengaben / für mich Armen hat bereit?
Könnt ich je getroster werden / als bei dir, Herr Jesu Christ,
dem im Himmel und auf Erden / alle Macht gegeben ist?

Ja, Herr Jesu, bei dir bleib ich / so in Freude wie in Leid;
bei dir bleib ich, dir verschreib ich / mich für Zeit und Ewigkeit.
Deines Winks bin ich gewärtig, / auch des Rufs aus dieser Welt;
denn der ist zum Sterben fertig, / der sich lebend zu dir hält.

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Jesus tickt anders. Andacht zum 24.3.2917

Während sie auf dem Weg hinauf nach Jerusalem waren, ging Jesus voraus. Die Leute wunderten sich über ihn, die Jünger aber hatten Angst. Da versammelte er die Zwölf wieder um sich und kündigte ihnen an, was ihm bevorstand. Er sagte: „Wir gehen jetzt nach Jerusalem hinauf. Dort wird der Menschensohn den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten ausgeliefert. Sie werden ihn zum Tod verurteilen und den Heiden übergeben. Sie werden ihn verspotten, anspucken, geißeln und töten. Aber nach drei Tagen wird er auferstehen.

Was lösen „Leidens-Ankündigungen“ in Ihnen aus? Oder „Leidens-Bot­schaf­ten“? Also zum Beispiel: Jemand kommt vom Arzt und berichtet Ihnen von einer „ernsten“ Diagnose. Oder Sie fragen jemanden, wie’s ihm denn geht, und der antwortet: „Schlecht!“

Was löst das aus? Ich frage NICHT: „Was wäre jetzt eine GUTE Reaktion? Was wäre die RICHTIGE Antwort?“ Sondern: Was löst das aus? Und: Was wäre Ihr erster Impuls – im Sinne von: „Ich würde jetzt am liebsten …“ / „ich könnte jetzt …“

Zum Beispiel: Weglaufen. Mir die Ohren zu halten. Denken: „Da trifft es mal den Richtigen!“. Den anderen in den Arm nehmen. Denken: „Der schlägt mal wieder ´ne riesen Welle!“ Laut losheulen. Denken: „Und was soll ICH da erst sagen?“ Er­starren. Es klein reden. Etwas „Positives“ sagen, was mit „Aber“. „Trostworte“. Hinhö­ren. Nachfragen. Eine Tasse an die Wand pfeffern. Und, und, und …

Was löst es in mir aus? Das sollten Sie ruhig und selbst-interessiert zur Kenntnis nehmen. – Das wäre viel wert. Interessant auch: Welche Impulse habe ich NICHT?

Zur Kenntnis nehmen. Und NICHT jedem ersten Impuls folgen. Sondern jetzt wieder beim anderen ankommen! – Was braucht DER oder DIE denn jetzt? Oder: Nicht sich, sondern direkt den anderen fragen: „Was brauchst Du jetzt?“

Zwei Leidensankündigungen Jesu gab es vorher schon. – Die Reaktionen seiner Jünger: Nach der ersten Leidensankündigung: Abwehr! – „Petrus nahm Jesus beiseite und fing an, ihm zu wehren“ (Markus 8, 32 b). Nach der zweiten Leidensankündigung: Streit unter den Jüngern: „Wer ist der Größte von uns?“ (Markus 9, 33 ff.). Sie sind kein bisschen bei Jesus, sie sind ganz mit ihrer Position in der Gruppe beschäftigt und streiten darum.

Was passiert nach der dritten Leidensankündigung?

Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: „Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst.“ Er antwortete: „Was soll ich für euch tun?“ Sie sag­ten zu ihm: „Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen.“

Das ist wie dieser Streit „Wer ist der Größte?“ Es geht um die eigene Position. Was Jesus gerade von sich gesagt hat, seine „Leidens-Ankündigung“, schieben die beiden Jünger völlig in eine dunkle Ecke, davon wollen sie nichts hören, nichts sehen, nichts wissen.

Es geht Jakobus und Johannes um Ministerposten. Wenn bald hier in Israel das Reich Gottes losgeht und die Römer erst rausgeflogen sind, dann wird Jesus ganz oben im Staat sitzen, ist doch klar. Und da schlagen Jakobus und Johannes sich selbst für die Positionen direkt darunter vor. – „Bescheidenheit ist eine Zier – doch weiter kommt man ohne ihr!“, sagt der Volksmund. Und weiter kommen wollen die beiden, das ist klar.

Ja, haben die Zwei denn gar nichts kapiert von dem, was Jesus vorher gesagt hat? Haben sie überhaupt zugehört? Oder haben sie gehört – und gleich wieder „vergessen“? Ich nehme an, das hat Jesus verletzt. Und er könnte jetzt offen gekränkt reagieren. Oder die beiden knapp abwimmeln, er muss sich nicht weiter von ihnen nerven lassen.

Aber nein: Jesus nimmt ihre Bitte auf – und spricht von dem, was ihn bewegt: Denn wenn gleich vom „Kelch“ die Rede ist, dann ist das sein Leidens-Kelch. Und „Taufe“ ist nicht die Feier in der Kirche, sondern die „Blut-Taufe“ am Kreuz. Jesus sagt:

Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?“ Sie antworteten: „Wir können es.“

Jetzt spricht Jesus nicht nur von seinem Leides-Weg, sondern er fragt nach der „Leidens­fähigkeit“ und „Leidensbereitschaft“ seiner Jünger. Eine merkwürdige Frage, wenn es um die Besetzung von Ministerposten geht. Da kommt es in Jesu Reich wohl auf andere Dinge an als bei Spitzen-Posten in Politik und Wirtschaft.

Die Antwort „Wir können es!“ kommt mir zu flott. Wer kann das schon sagen, bevor es so weit ist?! Als ich ein Drittklässler war, wusste ich schon: Es gibt Menschen, die wegen ihres Glaubens gequält und getötet werden. Dann verbrannte ich mir eines Nach­mittags eine Ecke meines Bauches mit kochendem Wasser. Es tat fürchterlich weh, die Behandlung auch, und dann noch eine Woche Krankenhaus. Mir war schnell klar, lieber Jakobus, lieber Johannes: „Märtyrer“ ist nichts für mich …Nachher ist man manchmal schlauer.

Da sagte Jesus zu ihnen: „Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe emp­fan­gen, mit der ich getauft werde. Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben. Dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind.“ 

Jesus spielt auf den gewaltsamen Tod von mindestens einem der Brüder an: Jakobus, Anfang der 40er Jahre. Und: Ministerposten verteilt Jesus trotzdem nicht.

Und wie finden die anderen Jünger es, dass die beiden Brüder die besten Plätze wollen?

Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sagte: „Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrau­chen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. 

Jesus sagt es ganz schnörkellos, wie die Welt tickt. Jesus spricht von Unterdrückung und Machtmiss­brauch. Besonders die Unterdrücker und Macht-Missbraucher in Wirtschaft und Politik würden das nie so sagen, sondern: Die „Machthaber lassen sich Wohltäter nennen“ (Lukas 22, 25).

Ja, sind denn Jakobus und Johannes solche Tyrannen, oder die anderen Zehn? Nein. Aber mit Machthunger und Gier nach der höheren Position fängt es an.

Jesus formuliert für „seine“ Leute ein völlig Gegen-Programm: „Bei euch aber soll es nicht so sein!“ Das Gegenprogramm: „Dienst!“ – Was dient der Gemeinschaft? Was dient denen, die in Not sind? Was dient der „guten Sache“? Was dient „der Welt“? Und natürlich auch: „Was dient MIR?“ Denn in dem „Euch“ von „Euer Diener“ bin ich ja selbst mit drin. Nur eben: „Was dient MIR?“ ist nicht mehr die einzige Frage. Sondern eine unter anderen.

Und wie begründet Jesus dieses „weltfremde“ Programm?

Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“ (Alles: Markus 10, 32-45)

Jesus hätte den Dienst an der guten Sache und an Not-Leidenden auch mit Werten wie „soli­da­ri­sche Gesellschaft“ und „Demokratie“ begründen können. Aber für seine Leute ist sein Vor-Bild in Solidarität starkes Argument und überzeugende Motivation.

Sie finden, das sei eine Aufforderung zu Duckmäusertum, Oppor­tu­nismus, Kuschen? Gerade nicht! „Dienen“, wie Jesus es meint, ist es ja gerade NICHT, denen in den Aller­wertesten zu kriechen, die die größte Klappe und stärksten Druckmittel haben. Nicht Kadaver-Gehorsam für die Starken, sondern Einsatz für die Schwachen. Für die, die es wirklich „brauchen“. Und: Gerade Jesus hat NICHT gekuscht. Kuschen hat ihn bestimmt nicht ans Kreuz gebracht.

Also: Lassen Sie sich nicht so schnell wie die Jünger ablenken von Jesu Leidens-Weg der Solidarität. Und folgen Sie seinem Vor-Bild. Ticken Sie anders als „die Welt“.

Christus, das lass mich für diesen Tag erkennen: Was es heute für mich heißen soll, Dir zu folgen.

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Tabu-Thema Tod. Andacht zum 17.3.2017

Jesus hatte einen jungen Mann geheilt. Das war ziemlich dramatisch und hatte Aufsehen erregt. Eigentlich mal wieder eine gute Gelegenheit, die eigene Botschaft unter die Leute zu bringen. Aber das tut Jesus jetzt NICHT:

(Jesus und seine Jünger) gingen von dort weg und zogen durch Galiläa. Und er wollte nicht, dass es jemand erfuhr. (Markus 9, 30)

Jesus zieht sich zurück, er meidet die Öffentlichkeit. Das tut er nicht grundsätzlich, aber immer wieder – und oft vergeblich: Schon ganz vorn im Markus-Evangelium können wir das nachlesen: Jesus hatte einen „Aussätzigen“ geheilt. Der Geheilte sollte das bitte nicht an die große Glocke hängen. Tut der aber doch:

(Der Geheilte …) fing an, die Sache eifrig zu verkünden und auszubreiten, so dass Jesus nicht mehr öffentlich in eine Stadt gehen konnte. Sondern er war draußen an einsamen Orten, und sie kamen von allen Seiten zu ihm. (Markus 1, 45)

Ähnlich jetzt: Wieder zieht Jesus sich zurück, möchte möglichst unerreichbar sein. Nur: Diesmal hat Jesus einen speziellen Grund:

Denn er lehrte seine Jünger …

Wenn Jesus Außergewöhnliches TUT, will sich das niemand entgehen lassen. Wenn Jesus etwas SAGT, ist das schon was anderes. Viele hören ihm zwar stundenlang zu, aber anderen wird das schon mal zu viel. Heute würden das noch weniger Leute aushalten, in der Zeit von Fernsehen und Smartphone ist der schnelle Wechsel angesagt. – Und da möchte ich Ihnen jetzt Honig um den Mund streichen: Dass Sie es aushalten, jetzt gerade Seiten Text zu lesen – da gehören Sie wohl zu einer Minderheit. Na, Sie sind ja noch nicht am Ende damit.

Und nun „lehrt“ Jesus seine Jünger. Also die, die zu ihm gehören. Mir kommt das so vor: Sich von Jesu tollen Taten begeistern lassen, das ist Pommes. Und auf das hören, was Jesus lehrt, das ist Schwarzbrot. Pommes ist gut. Aber NUR Pommes ist nicht gut. Ohne Schwarzbrot geht es nicht, das Jünger-Sein. Auch wenn man daran zu kauen hat.

Jesus will bei seinem „Lehren“ diesmal die Öffentlichkeit nicht dabei haben. Ob es damit zu tun hat, WAS Jesus da lehrt? Meine Antwort: Ja! Hören wir mal rein …

Jesus sprach zu ihnen: Der Sohn des Menschen wird überliefert in der Menschen Hände, und sie werden ihn töten. Und nachdem er getötet worden ist, wird er nach drei Tagen auferstehen.

Jesu „zweite Leidensankündigung“. – Wieso nicht vor den Ohren der Öffent­lichkeit?

Meine erste Antwort: Jesus fürchtet vielleicht: Der Durschnitts-Hörer oder die Durch­schnitts­­-Hörerin versteht ihn da einfach nicht. Das mit dem Tod nicht, das mit der Auferstehung schon mal überhaupt nicht.

Vielleicht fürchtet Jesus auch „guten Rat“ und billigen Trost. Sie können das ausprobieren: Falls Sie körperlich halbwegs gesund sind, erzählen Sie mal, dass Sie sich Gedanken über Ihren Tod machen. Vielleicht sprechen Sie sogar von Todes-Angst. Dann können Sie solche Sachen hören wie: „Ach, sterben müssen wir alle mal!“; „Na ja, das wird aber noch lange hin sein!“ Oder wenn Sie tatsächlich bedrohlich krank sind: „Na, das wird schon wieder!“; „Man soll die Hoffnung nicht aufgeben!“ usw. Die Sprüche an sich sind für mich noch nicht mal das Schlimmste. Richtig schlimm finde ich, wenn sie so schnell aus dem Hut gezaubert werden – um ein Gespräch zu beenden, bevor es überhaupt begonnen hat.

Oder umgekehrt: Nicht die Todes-Angst, sondern die Todes-Sehnsucht. – Da sollten Sie sehr dringend drüber reden! Aber auch hier: Eher nicht mit denjenigen, die Ihnen platt erklären, wie schön doch die Welt im Allgemeinen ist und Ihr Leben im Besonderen. Und: Eher nicht mit denjenigen, die damit überfordert sind.

Meine zweite Antwort, warum Jesus das im kleinen Kreis anspricht: Der eigene Tod ist etwas sehr Persönliches. Das muss und will er vielleicht nicht vor jedem ausbreiten.

Jedoch: Auch wenn Jesus zu seinen engsten Mit-Menschen über das spricht, was ihm bevorsteht: Ich finde, so richtig Glück hat er mit ihnen nicht:

Sie aber verstanden die Rede nicht und fürchteten sich, ihn zu fragen.

Also: Die Öffentlichkeit hätte nichts verstanden – ja. Aber seine Jünger verstehen auch nichts.

Na, die Jünger können ja FRAGEN. Das Fragen hilft, um besser zu verstehen. Die Fragen der Jünger würden Jesus außerdem ermutigen zu erzählen, was ihn bewegt. Jesus würde sich etwas besser verstanden fühlen. – Wissen Sie, ich finde, „Verstehen“ ist unter Menschen sowieso kaum möglich, weil ich nie wirklich in den Schuhen des anderen stehe. Aber allein schon das BEMÜHEN um Verstehen kann helfen und trösten. Jedenfalls mehr trösten als all die flotten Gesprächsverhinderungs-Trostsprüche.

Aber nein, die Jünger fürchten sich zu fragen. Eher so: Wenn ich mir die Hände vor’s Gesicht halte, dann kann ich es nicht sehen, dann gibt es das auch nicht und alles ist gut.

Was machen die Jünger stattdessen? Lesen wir noch ein bisschen weiter …

Sie kamen nach Kapernaum, und als Jesus im Hause war, fragte er sie: Was habt ihr unterwegs besprochen? Sie aber schwiegen. Denn sie hatten sich auf dem Weg unter­einander besprochen, wer der Größte sei.

Es ist wie schon direkt nach der Leidensankündigung: Die Jünger schweigen. Diesmal aus einem anderen Grund: Ihr Gezänk, wer denn der Größte unter ihnen ist, wird ihnen schreck­lich peinlich sein. Sie wissen ja sehr genau, dass ausgerechnet Jesus, ihr Meister, gerade nicht derjenige ist, der sich als Chef aufplustert, sondern der allen dient. Jesus – der sich regelrecht „aufopfert“. Und von der äußer­sten Konsequenz dieser Selbst-Aufopferung hatte Jesus ja gesprochen: die Leidensankündigung. Aber das verstanden die Jünger ja nicht, und das wollten sie lieber nicht so genau wissen.

Nein, das verdrängen sie. Das mit dem Tod. Das mit dem Sich-Aufopfern. Und die Konsequenz? Dieses unsinnige, unsägliche Gesellschafts-Spiel: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Größte im ganzen Land?“

Was kann es uns bringen, uns all das zu Gemüte zu führen? Hier meine Antworten:

  • Wenn Sie viel von Jesus halten und wenn Sie sich zu ihm halten wollen, dann gucken Sie nicht nur auf seine Taten! Hören Sie auch auf seine Worte! – Seine „Lehre“ …

  • Hüten Sie sich vor billigem Trost! Muten Sie Ihren billigen Trost nicht anderen zu! Muten Sie sich nicht den billigen Trost anderer für Sie zu!

  • Haben Sie, wenn möglich, Zeit, große Ohren und Erzähl-Ermutigungen für Ihren Mit-Men­schen in Not! Bilden Sie sich nicht ein, den anderen von vornherein „gut“ zu verstehen! Und wenn Sie keine Zeit und keine Ohren haben, tun Sie nicht so, als hätten Sie sie!

  • Bei allem, was gegen den Tod zu sagen ist: Der Tod kann ein guter Lehrmeister darin sein, was im Leben wichtig ist und was nicht! Schieben Sie ihn nicht vorschnell weg!

Gebet:

Christus, Du bist Deinen Weg fast allein gegangen. Du musstest den Hass Deiner Fein­de und das Unverständnis Deiner Freunde tragen. Danke, dass Du Deinen schwe­ren Weg gegangen bist! Auch für mich! Amen.

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