Worauf es ankommt. Beten. Andacht zum 22.2.2019

ANDACHT HÖREN

Worauf es ankommt, das hängt davon ab, wen Sie fragen. Heute fragen wir mal Markus und Lukas, die beiden Evangelisten. Zuerst Markus, denn der hat sein Evangelium vor Lukas geschrieben. Dem Lukas später war das Markus-Evangelium bekannt.

Und nun gibt es Geschichte: Jesus wählt unter seinen Anhängern seine 12 Jünger aus:

Jesus stieg auf einen Berg und rief die zu sich, die er selbst wollte, und sie kamen zu ihm. Und er setzte zwölf ein, damit sie mit ihm seien und damit er sie aussende, zu verkünden und mit Vollmacht Dämonen auszutreiben. Die Zwölf, die er einsetzte, waren: (Es folgen 12 Namen …) (Markus 3, 13 ff.)

Aha, ein Berg. Erinnert ein bisschen an Mose auf dem Berg Sinai. Und zwölf Jünger, das passt zu den zwölf Stämmen Israels. Diese zwölf Leute haben zwei Aufträge, die sich zu widersprechen scheinen: a) Sie sollen bei Jesus sein. b) Jesus sendet sie aus.

Dabei steckt in diesem Doppel-Auftrag eine tiefe Einsicht: Beides gehört zusammen! Wer immer nur bei Jesus ist, sich aber nicht senden lässt, macht vielleicht etwas verkehrt. Und wer sich senden lässt, also „christlich unterwegs“ ist, aber dabei nicht bei Jesus bleibt, macht – nicht nur vielleicht, sondern mit Sicherheit – auch etwas verkehrt.

Und was konkret sollen die zwölf Jünger machen? Antwort: Sie sollen „verkünden“ und „Dämonen austreiben“. Anders gesagt: Sie sollen durch Wort und Tat die Gottesherrschaft unter die Leute bringen – und das bedeutet: Freiheit! Gute Botschaft!

So, und nun Lukas. Achten Sie beim Lesen auf die kleinen Unterschiede!

Es geschah aber in diesen Tagen, dass Jesus auf einen Berg ging, um zu beten. Und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott. Als es Tag wurde, rief er seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus. Die nannte er auch Apostel: (Es folgen 12 Namen …) (Lukas 6, 12-16)

Worauf es ankommt, hängt davon ab, wen Sie fragen. Und worauf es LUKAS ankommt, können Sie daran erkennen, was er anders schreibt:

  1. Erster Unterschied: „Apostel“. Bei Lukas ist das Wort „Apostel“ genau für diese 12 Leute reserviert, während die Zahl der Jünger Jesu viel größer ist.

  2. Zweiter Unterschied: Jesus betet! Allein. Für sich auf dem Berg. Für eine ganze Nacht! Das ist es wohl, worauf es Lukas vor allem ankommt: Jesus lebt aus dem Gebet! Und erst recht jetzt, wo diese wichtige Auswahl ansteht. Da muss ich sagen: Davon bin ich weit weg, so aus dem Gebet, aus dieser intensiven Pflege meiner Beziehung zu Gott heraus zu leben. Ich denke aber: Es ist eine gute Idee, sich dem anzunähern.

  3. Dritter Unterschied: Lukas interessiert sich hier noch kein bisschen dafür, was die Apostel TUN sollen. Ich finde: Das passt zum Beten. Beten ist Innehalten bei Gott. Auftanken. Was zu tun ist, das ist jetzt noch nicht dran.

Finden Sie das auch mit dem Beten? Dass es gut ist, (mehr) aus dem Gebet heraus zu leben? Dann habe ich dazu einen Vorschlag.

Und das kam so: Eine Bekannte lud mich zum Geburtstag ein. Und sie hatte auch gleich einen Wunsch: einen Rosenkranz! Nun bin ich Protestant und habe davon keine Ahnung. Also was tun? Ich habe mir einen „anderen Rosenkranz“ ausgedacht und ihn in der Ergotherapie in Auftrag gegeben. Das Resultat: Ein „Kettchen“ mit einem Holzkreuz und 10 Perlen.

Sie können erst das Kreuz und dann nacheinander jede einzelne Perle in die Hand nehmen. Zehn plus eins Einladungen zum Gebet. Was genau, das finden Sie auf der nächsten Seite.

Übrigens: Man kann auch 11 Kieselsteine suchen und in einen Gebets-Beutel legen. Der Kreuz-Kieselstein ist dann etwas größer.

Oder noch einfacher: Sie umfassen statt des Kreuzes mit der einen Hand die andere. Und für jede der 10 Perlen nehmen Sie je einen Finger …

Gott segne Ihr Ausprobieren!

Der andere Rosenkranz. Eine Einladung zum Beten.

  1. Ich halte das KREUZ, gern mit beiden Händen – und ich halte Stille. Ich atme. Ich komme zu mir, ich komme zu Gott.
  1. Perle: Mein Blick auf das JETZT: Ich sage Gott, wie es mir geht …
  2. Perle: Mein Blick ZURÜCK: Ich sage Gott, was hinter mir liegt – wie die Nacht war, wie der Tag war, wie die Begegnung gerade war, …
  3. Perle: Mein Blick nach VORN: Ich sage Gott meine Hoffnungen, meine Pläne, Ziele, Aufgaben, Ängste, Vorfreuden, Sorgen, …
  4. Perle: Mein Blick um mich herum: Ich sage Gott, welche Mitmenschen / Mitgeschöpfe mich bewegen. Auch Menschen und andere Mitgeschöpfe, denen ich vor kurzem begegnet bin oder bald begegnen werde.
  5. Perle: Was ich Gott noch erzählen möchte: Erfahrungen, Erlebnisse. Was mir als Last auf der Seele liegt. Oder was meine Seele beflügelt.
  6. Perle: Meine Bitten: Worum ich Gott – für mich – bitte. Konkrete Anliegen. Auch: die Bitten um Weisheit, Liebe, Geduld, Gottes Geist, …
  7. Perle: Meine Für-Bitten: Worum ich Gott – für andere oder für größere Anliegen – bitte …

  8. Perle: Mein Dank: Ich sage Gott einige Dinge, die mich dankbar machen Oder Dinge, die mich dankbar machen könnten.
  9. Perle: Mein Lobpreis: Ich preise Gott als meinen Schöpfer und Erlöser, als Quelle von Halt, Kraft, Trost. Als mein Licht auf dunklem Wege, als, als, als, …
  10. Ich spreche das Vaterunser:

I. Vater unser im Himmel!

II. Geheiligt werde Dein Name!

III. Dein Reich komme!

IV. Dein Wille geschehe – wie im Himmel, so auf Erden

V. Unser tägliches Brot gib uns heute!

VI. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern!

VII. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen!

VIII. Denn Dein ist das Reich

IX. und die Kraft

X. und die Herrlichkeit

XI. in Ewigkeit. Amen!

(Sie können den Rosenkranz auch NUR für die 11 Zeilen des Vaterunsers nehmen.)

Werbeanzeigen
Veröffentlicht unter Andachten | Kommentar hinterlassen

Jeremia und das Vertrauen. Andacht zum 15.2.2019

ANDACHT HÖREN

Nicht ganz selten landen wir mit den Gesprächsrunden bei dem Thema „Vertrauen“. Vertrauen hat einen guten Ruf: Anderen vertrauen, sich selbst vertrauen, Gott vertrauen. Vertrauen ist gut. – Ja? Wirklich? Wieso ist dann das Misstrauen überhaupt in der Welt?

Der Prophet Jeremia jedenfalls scheint es nicht so mit dem Vertrauen zu haben:

So spricht der HERR: „Verflucht der Mensch, der auf Menschen vertraut …“

Spricht da wirklich „der HERR“? Oder mehr der frustrierte Prophet? Von seinen ungefähr 40 Jahren Prophet-Sein wissen wir ziemlich viel. Dazu gehört: Jeremia ist ein ziemlicher Außenseiter. Er kommt mit seiner kritischen Botschaft meist schlecht an. Es gibt sogar Mordpläne von Leuten aus seinem Heimatort Anatot gegen ihn. Er wird vom Priester Pasch­hur geschlagen und öffentlich gedemütigt. Später muss Jeremia Inhaftierung und Todesangst durchstehen, er erlebt die Belagerung und Zerstörung Jerusalems mit, die Depor­tation vieler Einwohner nach Babylon. In den Wirren nach dem Untergang Jerusalems und nach einem politischen Mord an dem neuen Statthalter fliehen einige verängstigte Leute nach Ägypten. Sie nehmen Jeremia gegen seinen Willen mit. Dort verliert sich seine Spur.

Ein Leben, das eine einzige Bestätigung zu sein scheint von: Man kann keinem Menschen trauen!

Kann Jeremia wenigstens sich selbst vertrauen? – Halt! Vorher: Können SIE sich vertrauen? Auch das Wort „Selbst-Vertrauen“ hat ja einen guten Klang. Teilweise zu Unrecht, wie ich meine: Es ist ganz gut, wenn ich, Dirk Klute, mir NICHT zutraue, auf dem Seil zu tanzen, den Herd anzuschließen und den Auto-Motor zu reparieren. Ein trockener Alkoholiker sollte sich – vielleicht – nicht darin vertrauen, heil durch bestimmte Supermarkt-Gänge zu kommen oder mit bestimmten Leuten an problematischen Orten zu treffen. Also: Auf der einen Seite mein Selbst-Vertrauen. Auf der anderen Seite meine Grenzen. Gut, wenn ich eine Ahnung davon habe, worin ich mir vertrauen kann. Und worin nicht.

Und Jeremia? Hat er denn Selbstvertrauen? Gleich im ersten Kapitel des Jeremia-Buches fehlt es daran: Gott will ihn zum Propheten machen. Aber Jeremia wehrt ab: „Ich tauge nicht zu predigen, denn ich bin zu jung!“ Zu wenig Selbstvertrauen? Oder schätzt Jeremia seine Grenzen richtig ein? Meine Vermutung: Er hat passend wenig Selbstvertrauen. WEIL Jeremia sich realistisch einschätzt. Vermutlich deswegen sagt Gott jetzt auch nicht solche Sprüche wie: „Ach, Du schaffst das schon! Und Du musst nur fest an Dich glauben!“ Gott sagt nicht mal: „Du musst an MICH glauben!“ Sondern: „Du sollst gehen, wohin ich Dich sende, und alles predigen, was ich Dir gebiete!“ Und: „Ich bin bei Dir! Und will Dich erretten!“

Und was ist mit Jeremias Gott-Vertrauen? Es ist nicht immer toll um Jeremias Gott-Vertrauen bestellt. Was ja bei einer Biografie mit so viel Unglück sehr verständlich ist. Hier eine Kostprobe. – So ehrlich betet und spricht Jeremia:

HERR, Du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen. Aber ich bin darüber zum Spott geworden täglich, und jedermann verlacht mich. Denn sooft ich rede, muss ich schreien. »Frevel und Gewalt!« muss ich rufen. Denn des HERRN Wort ist mir zu Hohn und Spott geworden täglich. Da dachte ich: Ich will seiner nicht mehr gedenken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie ein brennen­des Feuer, verschlossen in meinen Gebeinen. Ich mühte mich, es zu ertra­gen, aber konnte es nicht. (Jeremia 20, 7-9)

Dann hört er sich plötzlich wieder ganz anders an, nämlich voller Gott-Vertrauen. Zu Anfang hatte ich ja mit „Verflucht der Mensch, der auf Menschen vertraut …“ begonnen. Hier der vollständige Text dazu. Der ist jetzt voller Gott-Vertrauen:

So spricht der HERR: Verflucht der Mensch, der auf Menschen vertraut, auf schwaches Fleisch sich stützt und dessen Herz sich abwendet vom HERRN. Er ist wie ein Strauch in der Steppe, der nie Regen kommen sieht. Er wohnt auf heißem Wüstenboden, im Salzland, das unbewohnbar ist. 

Gesegnet der Mensch, der auf den HERRN vertraut und dessen Hoffnung der HERR ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und zum Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, er hört nicht auf, Frucht zu tragen. (Jeremia 17, 5-8)

Das Schema klingt sehr einfach und klar: Wer Menschen vertraut, ist wie ein Strauch, der in der Steppe vertrocknet. Wer Gott vertraut, ist wie ein Baum am Bach: Der hat nichts zu fürchten, dem kann auch die Hitze nichts anhaben. Alles super.

Ganz so schwarz-weiß ist es dann doch nicht. Was das Gott-Vertrauen angeht, das hatten wir ja eben schon: Auch mit Gott als Fundament hat sich Jeremia längst nicht immer wie der Baum am frischen Wasser gefühlt, ganz im Gegenteil.

Und was andere Menschen angeht: Die waren nicht immer übel. Da gab es auch welche, die ihm zur Seite standen, die ihn nicht enttäuscht haben. Zum Beispiel:

  • Verschiedene Mitglieder aus der Familie des Staats-Schreibers Schafan. Die hatten hohe Ämter im Staat. Zum Beispiel heißt es nach dem Bericht von der Ermordung eines unbequemen Propheten: „Aber mit Jeremia war die Hand Ahikams, des Sohnes Schafans, so dass man ihn nicht dem Volk in die Hände gab, das ihn getötet hätte.“ (Jeremia 26, 24)

  • Baruch, der treue Mitarbeiter und Freund Jeremias, der sich auch für gefährliche Aufträge nicht zu schade war (Jeremia 36).

  • Ebed-Melech. Er ist Migrant und ein Kämmerer des Königs. In der Endphase der Belagerung Jerusalems wollen Jeremias Feinde ihn töten. Für sie ist er ein Wehrkraft-Zerrsetzer. Sie werfen Jeremia in eine schlammige Zisterne. Als Ebed-Melech davon hört, setzt er sich beim König für ihn ein und zieht ihn eigenhändig heraus. So rettet Ebed-Melech dem Jeremia das Leben.

Also wie ist das nun mit dem Vertrauen? Ich sage es im Blick auf Jeremia so:

  • Wer auf sich selbst vertraut, sollte sich klar machen: Worin kann ich mir vertrauen? Worin nicht? Und wo meine Möglichkeiten beschränkt sind: Wer kann mir da beistehen? Welcher Mit-Mensch? Und Gott? So, wie Gott Jeremia beisteht, mit ihm ist?

  • Wer auf andere Menschen vertraut, kann es womöglich erleben, wie ein dürrer Strauch in der Steppe zu stehen. Auch da – ganz wie beim Selbst-Vertrauen – die Frage: Wobei kann und will mir jemand beistehen? Wobei nicht? Wer ist für mich wie die Schafan-Familie, wie Baruch oder – wohl überraschenderweise – wie Ebed-Melech?

  • Auf Gott vertrauen: Mit Gott-Vertrauen bin ich wie der Baum am Bach, sagt Jeremia. Aber auch da kann ich Dürre-Erfahrungen machen, ebenfalls wie Jeremia. Gerade im Vertrauen auf Gott scheint mir wichtig: Ich vertraue auf JEMANDEN, nicht auf ETWAS. Gott ist nicht der Erfüllungs-Gehilfe meiner Wünsche, sondern: Gott ist Gott. Gott ist das Ziel, nicht ein Mittel zu einem Ziel.

Mit platten pauschalen Aufrufen zum Vertrauen ist es also nicht getan, solchen Sprüchen dürfen Sie gern – misstrauen. 🙂

Vielleicht gehören Sie zu den Menschen, die weit stärker zum Misstrauen als zum Vertrauen neigen, egal ob beim Selbst-Misstrauen, beim Anderen-Misstrauen oder beim Gott-Misstrauen. Dann hätte ich für Sie nun doch einen platten pauschalen Aufruf. Über den sollten Sie nachdenken. Und im Laufe des Tages hier und da beherzigen. Er lautet: „Misstrauen Sie Ihrem Misstrauen!“

Gott, bewahre mich vor naiver Vertrauensseligkeit! Aber gib, dass ich auch Vertrauen wage, Vertrauens-Vorschuss gewähre! Und bitte stärke mein Vertrauen in Dich! Amen.

Veröffentlicht unter Andachten | Kommentar hinterlassen

Bartimäus. Gedicht zum 8.2.2019

GEDICHT HÖREN

GEDICHT LESEN / HERUNTER LADEN

Veröffentlicht unter Andachten | Kommentar hinterlassen

Denen zeig ich’s! Andacht zum 1.2.2019

ANDACHT HÖREN

Als meine Tochter noch klein war, so Kindergarten-Alter, da hat sie mir viel gezeigt: Wenn ich abends von der Arbeit nach Hause kam, zeigte sie mir ein frisch gemaltes Bild oder einen Purzelbaum oder wie sie sich verkleidete oder, oder. Menschen zeigen oft ganz gern etwas von sich. Sie möchten gesehen, beachtet und auch gelobt werden. Das Lob bekam meine Tochter dann – auch wenn ich auf dem Bild nicht viel erkannte oder der Purzelbaum schief war. Einfach weil ich sie gern hatte. Auf den Purzelbaum kommt es mir da nicht so an.

Wir Großen brauchen es auch, gesehen zu werden. Es gibt da sehr verschiedene Methoden: Der eine fällt durch sein Pracht-Auto auf, die andere durch kluge Bemerkungen, ein Dritter durch Titel, eine Vierte durch ein bestechendes äußeres Outfit, ein Fünfter dauerndes Gejammer, eine Sechste dadurch, stets hilfreich zu Diensten zu sein und nie Nein zu sagen, ein Siebter durch ein glückliches Zuhause, eine stets harmonische Familie und wohlgeratene Kinder. Und so weiter.

Und bei Ihnen? Womit möchten Sie Beachtung, vielleicht Lob und Anerkennung bekommen? Zwei oder drei Punkte werden Ihnen da einfallen. – Oder Sie machen die umgekehrte Entdeckung: Sie möchten möglichst NICHT gesehen werden. Aus Angst vor Spott und Blamage. Oder auch: Sie fallen zwar auf. Aber mehr durch Sachen, mit denen Sie gerade nicht auffallen wollen.

Zumindest das Problem mit der Angst vor Blamage hat König Hiskia offenbar nicht:

Als der babylonische König davon hörte, dass Hiskija von einer Krankheit genesen war, schickte er ihm ein Glückwunschschreiben und ließ ihm Geschenke überbringen. Hiskija nahm die Botschaft der Gesandten entgegen und zeigte ihnen alles, was er besaß: Silber, Gold, Gewürze und kostbare Öle, seine Waffen, Rüstungen und Lebensmittelvorräte. Alle Schatz­kammern, Geräte- und Vorratshäuser in seinem Palast und in seinem ganzen Reich ließ er sie sehen.

Da kam der Prophet Jesaja zu König Hiskija und fragte ihn: »Was wollten diese Männer von dir? Woher kamen sie?« »Sie sind von weit her gekommen, aus Babylon«, antwortete Hiskija. »Was haben sie in deinem Palast gesehen?«, fragte Jesaja. »Ich habe ihnen alle meine Vorräte und Schätze gezeigt«, sagte Hiskija. »Ich habe nichts vor ihnen geheim gehalten.«

Da sagte Jesaja: »Höre, was der HERR dir sagen lässt: ‚Alle Schätze in deinem Palast, die deine Vorfahren zusammengetragen haben, werden eines Tages nach Babylon weggeschafft, nichts bleibt davon zurück. Auch von den Söhnen, die dir noch geboren werden, wird man einige nach Babylon verschleppen. Sie werden dort den König in seinem Palast bedienen müssen.’« Hiskija sagte: »Ich beuge mich unter die Entscheidung des HERRN.« Und er fügte hinzu: »Wenn nur wenigstens zu meinen Lebzeiten noch Frieden und Sicherheit herrschen!« (2. Könige 20, 12-19)

Hiskia empfängt die diplomatische Delegation einer ausländischen Großmacht: die Babylonier. Der rote Teppich wird ausgerollt, ein Staatsbankett, und dann ein Besuchsprogramm durch die Reichtümer des Königs. Die Delegation ist beeindruckt, König Hiskia ist rundum zufrieden: Er hat zeigen können, wer er ist, was er hat, und die Gäste sind fasziniert.

Die kalte Dusche kommt, als der Prophet Jesaja das Geschehen von einer ganz anderen Seite beleuchtet: Die Delegation hat aus einem sehr speziellen Grund große Augen gemacht und alles notiert: Weil die Babylonier sich all diese Reichtümer holen werden.

So eine Selbst-Darstellung kann also schnell nach hinten losgehen. Auch heute: Eine Nobelkarosse knacken Diebe lieber auf als einen kleinen Fiat. Einer, der alles weiß, blamiert sich, wenn er mal nichts weiß. Wer immer mit makellosem Outfit auftritt, muss das Make-up mit den Jahren immer dicker auftragen. Wer nur klagt, lebt geradezu von seinem Unglück und braucht es. Wer stets zu Diensten ist, wird es unerträglich finden, selbst hilfebedürftig zu sein. In stets „harmonischen Familien“ schwelen die Konflikte und die seelischen Schattenseiten besonders verheerend. Und sie alle laufen Gefahr, sich selbst und andere zu nerven mit ihrer Selbst-Darstellung.

Sie hatten sich eben vielleicht Punkte überlegt, wie Sie ganz persönlich Beachtung, Lob und Anerkennung gewinnen möchten. Sind Sie damit schon mal auf die Nase gefallen? Oder was KÖNNTE passieren, um damit Schiffbruch zu erleiden? …

Das eigentliche Drama beginnt aber schon vor dem Schiffbruch, auch wenn es reichlich Beachtung, Lob und Anerkennung von den anderen gibt – oder gerade deswegen: Weil ich dann nämlich geliebt und geschätzt werde für das, was ich habe und was ich kann. Aber eben nicht für das, was ich bin. Meine Selbst-Darstellung wird vielleicht allseits geschätzt – aber ich selbst dahinter? Ich habe schon manche Menschen kennengelernt, die dem Augenschein nach beneidenswert sind: Zugewandtes Auftreten, gepflegtes und attraktives Äußeres, klug und differenziert, beruflich erfolgreich. Und dahinter: Ein vernichtendes Bild von sich selbst, immer diese gefühlte Unzulänglichkeit. Manchmal denke ich: Menschen, die als Kinder immer nur gehört haben, was am Purzelbaum nicht in Ordnung war. Und die schon gar nicht „einfach so“ gehört haben, dass Mama oder Papa sie lieb hat.

Was hätte Hiskia tun sollen? Er hätte nicht so protzen sollen. Es müssen eben nicht alle wissen, was für ein toller Hecht man ist. Schon gar nicht Leute, zu denen man noch kein Vertrauen aufgebaut hat und deren wahre Motive unklar sind. Hiskia hätte sich weniger auf das konzentrieren sollen, was er hat und was er kann, sondern mehr auf das, was er ist. Oder noch klarer: Mit Diplomaten das tun, was man mit Diplomaten tut: Diplomatische Gespräche führen. Für all das andere hat Hiskia doch sein privates Umfeld, oder?

Ich möchte hier Ihre Aufmerksamkeit auf den ersten Satz der Geschichte lenken: Hiskias Krankheit. Diese Krankheit wird vorher genau beschrieben. Es stand auf Messers Schneide. Da war Hiskia nicht der tolle König, sondern ein kranker Mensch auf der Todes-Schwelle. Einer, der sich zur Wand dreht, zu Gott ruft und laut weint. Kein demonstratives endloses Gejammer, sondern die ganze Not und Angst, vor Gott gebracht.

Und Gott? „Ich habe dein Gebet gehört. Ich habe deine Tränen ge­sehen. Und ich habe dich erhört.“ Ob Gott das auch gesagt hätte, wenn Hiskia den tapferen Helden gespielt hätte? Oder alles bagatellisiert hätte? Oder auf seine Schätze verwiesen hätte? Wohl kaum. Aber Gott hört das laute Weinen. Gott sieht die Tränen.

Was zeige ich wem? Die Antwort ist kurz und bündig: Zeigen Sie nicht aller Welt alles, was Sie haben und können. Zeigen Sie vertrauten Mensch mehr von dem, wer Sie sind. Und zeigen Sie Gott, wie es Ihnen ums Herz ist – das Lachen und die Tränen!

Gebet:

Vater im Himmel, Du siehst mein Lachen und meine Tränen. Vor Dir brauche ich mich nicht zu verstecken. Du liebst mich so, wie ich bin. Danke!

Veröffentlicht unter Andachten | Kommentar hinterlassen

Die Welt auf dem Kopf. Andacht zum 25.1.2019

ANDACHT HÖREN

Das stimmt doch gar nicht, was Paulus da schreibt, oder?

Gott hat sich (…) in der Welt die Einfältigen und Machtlosen ausgesucht, um die Klugen und Mächtigen zu demütigen. Er hat sich die Geringen und Verachteten ausgesucht, die nichts gelten, denn er wollte die zu nichts machen, die in der Welt etwas ›sind‹. (aus 1. Korinther 1)

Also für mich machen die „Einfältigen und Machtlosen“, die „Geringen und Verachteten“ keinen besonders erwählten Eindruck. Sie sind viel zu oft „die Dummen“, die Abgehängten, die Ausgenutzten, die Rechtlosen, die Ausgebeuteten. Und umgekehrt: Die „Klugen und Mächtigen“ und die, „die in der Welt etwas sind“, die haben das Zepter in der Hand. Wie schon zu Zeiten von Paulus: Der Kaiser in Rom, seine Weltmacht, sein Militär.

Na ja, Paulus spricht von den „Klugen und Mächtigen“. Klug finde ich viele Ton-angebenden Leute in Wirtschaft und Politik nicht immer. Manchmal gibt es da enge Scheuklappen. Blindheit auf bestimmten Augen. Und nicht selten: die Herzens-Blindheit. Das Herz, von dem es doch heißt: „Man sieht nur mit dem Herzen gut“. Mir will scheinen: In bestimmte angesehene Positionen kommt man nur, wenn man eben NICHT mit dem Herzen sieht, wenn man Mit-Gefühl NICHT hat oder tunlichst NICHT nutzt.

In welcher Traum-Welt lebt Paulus denn, dass er von den Einfältigen, den Machtlosen, den Geringen und Verachteten meint: die sind von Gott erwählt? Und: Wenn „erwählt sein“ und „einfältig, gering, machtlos, verachtet“ zusammen gehören, möchte ich dann wirklich erwählt sein?

Schauen wir mal genauer hin – auf die Zeilen davor. Da schreibt Paulus:

Schaut doch euch selbst an, Brüder und Schwestern! Wen hat Gott denn da berufen? Es gibt ja nicht viele unter euch, die nach menschlichen Maßstäben klug oder einflussreich sind oder aus einer angesehenen Familie stammen.

Also: Jetzt mal nicht der Blick in die große, weite Welt, sondern: auf ein Gruppenfoto der Gemeinde in Korinth! Ein paar Dutzend Christen vielleicht in dieser griechischen Großstadt. Ist da die High Society abgebildet? Fehlanzeige! – Na ja, nicht ganz: Sosthenes und Krispus waren mal wichtige Repräsentanten der jüdischen Gemeinde am Ort, und Erastus ist Stadtkämmerer. Aber sonst? Keine Kandidaten für die Geschichtsbücher, keine Karten für den Wiener Opernball, keine Gäste beim Neujahrs-Empfang des Ober-Bürgermeisters.

Und nun das Gruppenfoto einer der christlichen Gemeinden aus Pusemuckel im Jahre 2019. Pusemuckel, da wohnen Sie. Sind Sie überhaupt mit drauf auf dem Foto? Vielleicht ja – gut erkennbar mittendrin. Vielleicht ein wenig abseits und schlecht zu erkennen. Oder Sie sind gar nicht mit drauf. In dem Fall und bis sich das ändert: Gucken Sie in den Spiegel! Da sind Sie gut zu erkennen. Wie sieht es da aus? Ein Kandidat, eine Kandidatin für’s Geschichtsbuch? Opernball? Neujahrs-Empfang? Die Anzahl der Freunde im Internet sagt nicht wirklich viel.

Also: Ob Gruppenfoto in Korinth oder in Pusemuckel oder Ihr Spiegelbild: Die Prominenz ist da nur mäßig vertreten.

Und nun schreibt Paulus den Korinthern, Ihnen und mir und den ganzen mehr oder weniger kleinen Lichtern das, was Sie schon am Anfang gelesen haben:

Gott hat sich vielmehr in der Welt die Einfältigen und Machtlosen ausgesucht, um die Klugen und Mächtigen zu demütigen. Er hat sich die Geringen und Verachteten ausgesucht, die nichts gelten, denn er wollte die zu nichts machen, die in der Welt etwas ›sind‹.

Das heißt dann ja wohl: All das, was die „wichtigen“ Leute mir voraus haben, ist eben NICHT wichtig! Und weiter: Ganz viel von dem, wo die meisten Menschen hinterher rennen, ist eben auch nicht wichtig!

Also: Die vielen Menschen sind auf Abwegen! Als einflussreich und klug zu gelten, vor anderen etwas zu „sein“ und bewundert zu werden, das bringt es alles nicht!

Hat denn Paulus etwas Besseres zu bieten? „Schaut doch Euch selbst an!“, hat er eben gesagt. Das Gruppenfoto von der Gemeinde in Korinth mit den wenigen großen Leuchtern und den vielen kleinen Lichtern! – Was kann ich bei mir kleinem Licht denn finden, dass ich mich von Gott ausgesucht weiß?

Wenn Sie auf dem Gemeinde-Gruppenfoto sind, haben Sie zu der Antwort, die jetzt kommt, eher einen Zugang als ausschließlich mit dem Spiegelbild. Paulus schreibt:

Niemand soll sich vor Gott rühmen können. Euch aber hat Gott zur Gemeinschaft mit Jesus Christus berufen. Mit ihm hat er uns alles geschenkt: Er ist unsere Weisheit – die wahre Weisheit, die von Gott kommt. Durch ihn können wir vor Gott als gerecht bestehen. Durch ihn hat Gott uns zu seinem heiligen Volk gemacht und von unserer Schuld befreit.

Es sollte so kommen, wie es in den Heiligen Schriften steht: „Wer sich mit etwas rühmen will, soll sich mit dem rühmen, was der Herr getan hat.“ (1. Korinther 1, 26 ff.)

Wenn ich das alles dem Paulus nachsprechen kann, dann habe ich es ziemlich gut: Ich habe Gemeinschaft mit Christus. Mit ihm ist mir alles geschenkt: Durch ihn stehe ich vor Gott als ok da, ich gehöre zu Gottes Volk, mir ist vergeben.

Mit solchen Worten können vermutlich die meistens Menschen nicht viel anfangen. Eine fremde Welt, eine merkwürdige Sprache. Und wer soll das sein, Jesus Christus? Und Gott? Na gut, irgendwas Höheres könnte es ja geben …

Aber wenn diese fremd-frommen Worte wirklich MEINE Worte geworden sind, wenn sie zu MIR gehören und ich sie im Moment glauben kann, dann gilt wohl: Ich habe es als kleines Licht und womöglich als gesellschaftliche Randfigur um Längen besser als mancher Macht-Mensch, als manche erfolgsverwöhnte Berühmtheit, die das alles nicht glauben und nicht sagen kann.

Kurz und knapp möchte ich Ihnen folgende Quintessenzen ans Herz legen:

  • Wenn die Worte von Paulus über Christus auch Ihre Worte und Ihr Fundament sind, dann manchen Sie sich zwischendrin mal klar: Sie haben es mit diesem Standpunkt richtig gut! Und relativieren Sie das nicht gleich wieder durch all das, was in Ihrem Leben alles schief gelaufen ist, was Sie belastet und was kaum zum Aushalten ist. Das Gute und das Schwere, es darf nebeneinander stehen, ohne dass es immer gleich einen Mittelwert geben muss.

  • Wenn die Glaubens-Überzeugungen des Paulus NICHT Ihr Fundament sind, dann geben Sie Ihrer SEHNSUCHT danach Raum! Mehr Raum als für die Sehnsucht nach Ruhm, Ehre, Einfluss, ganz viel Ansehen und dem anderen Firlefanz!

Christus, danke für all das, was ich durch Dich bin und habe! Dazu hilf, dass mir immer neu das wichtig wird, was wirklich wichtig ist im Leben und im Sterben! Und dass ich nicht zu lange den bunten Seifenblasen hinterher renne! Amen.

 

Veröffentlicht unter Andachten | Kommentar hinterlassen

Elia und der Hochmut. Gedicht zum 18.1.2019

GEDICHT LESEN (als PDF-Datei)

GEDICHT HÖREN

 

 

Veröffentlicht unter Andachten | Kommentar hinterlassen

Der Größte. Andacht zum 11.1.2019

ANDACHT HÖREN

Jesus und seine Jünger kamen nach Kafarnaum. Als Jesus dann im Haus war, fragte er sie: „Worüber habt ihr auf dem Weg gesprochen?“ Sie schwiegen, denn sie hatten auf dem Weg miteinander darüber gesprochen, wer der Größte sei.

Da setzte Jesus sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.“

Und Jesus stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: „Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf. Und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.“ (Markus 9, 33-37)

Eines ist schon mal klar: Wenn ich in dieser Geschichte mitspielen soll – ich möchte NICHT zu den Jüngern gehören. Leute, die dauernd die Größten sein wollen, finde ich unsym­pathisch. Leute, die sich pausenlos in den Mittelpunkt spielen, finde ich nervig. Betonung auf „dauernd“ und „pausenlos“. Zwischendurch mal groß sein, ab und an im Mittelpunkt, das ist nicht nur ok, sondern manchmal geradezu Not-wendig. Wer immer nur „Mauerblümchen“ kann oder will, hat es nicht leicht. Nicht mit sich selbst, nicht mit anderen.

Ein zweiter Grund, warum ich nicht zu den Jüngern gehören möchte: Sie werden ertappt. Wenn das nämlich rauskommt, dass ich der Größte sein will, dann gelte ich als eitel, als ein arroganter Fatzke, also als das, was ich dann wirklich bin. Muhammad Ali, der hatte den Schneid, es aller Welt herauszurufen: „Ich bin der Größte!“ Ähnlich gestrickte Leute auf der politischen Weltbühne, die sich für die Größten halten, lassen sich zwar gern bewundern oder fürchten, aber sie sagen das niemals. Obwohl jeder um ihre Profil-Neurose weiß.

Jesus wäre ich in dieser Geschichte schon lieber . – Jetzt sagen Sie: „Siehste! Willste DOCH der Größte sein!“ Ja gut, ertappt. Aber DIE Nummer wäre mir dann doch zu groß. Außerdem, was ich wirklich sympathisch finde: Jesus ist zwar der Chef. Aber: Er will NICHT der Größte sein. Von ihm – nur von ihm – heißt es hier nämlich: „Da setzte Jesus sich …“ Aha! Die anderen stehen. Sie sehen zu ihrem Chef herab, und der Chef schaut zu ihnen auf. Ich finde, dieses Sich-Setzen ist die Kern-Botschaft. Ganz groß sein wollen, das überlässt Jesus den anderen. Aber es gibt nicht nur diese Geste, es gibt auch Worte:

Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.“

Eine Aufforderung, sich ganz klein zu machen? Allen zu dienen? Hätte ich früher so gedacht. Heute nicht mehr. Warum? Erstens: ALLEN dienen, das kann nur Jesus. Durch sein Leben und seinen Tod hat er allen gedient. Zumindest denen, die bereit sind, sich von ihm dienen zu lassen. Zweitens: ALLEN dienen wollen, das können Sie – unter normalen Umständen – nur, wenn Sie nicht ganz bei Trost sind. Also wenn Sie sich völlig überschätzen. Und wenn Sie zu maximaler Selbst-Ausbeutung und Selbst-Aufopferung bereit sind. Das kann vielleicht ausnahmsweise mal dran sein, aber bestimmt nicht dauernd.

Wenn also „allen dienen wollen“ unter normalen Umständen Quatsch ist, dann bedeutet das: Schminken Sie es sich ab, der/die Erste sein zu wollen! Jesus hätte es vielleicht so gesagt: „Du willst wirklich der Erste sein? Na bitte! Diene allen! – Allen?? Du bist ja nicht ganz bei Trost!“

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende …

Und Jesus stellte ein Kind in ihre Mitte (und) nahm es in seine Arme …

Wer ist der Größte? Wer ist der Erste? Wer steht im Mittelpunkt? Hier kommt die Auflösung: Dieses Kind! Die Kleinste ist die Größte! Wieder so eine Geste, die alles sagt. Es braucht kein einziges Wort, damit deutlich wird, wen Jesus im Zentrum sieht und ins Zentrum rückt.

Jesus sagt nun aber doch noch etwas. Worte, die beim ersten Hören anscheinend gar nichts zu tun haben mit der Frage nach dem Größten und nach dem „allen dienen“. Jesus sagt:

Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf. Und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.“

Nichts Direktes zu „Wer ist der Größte“. Sondern zu der Frage: „Wer nimmt mich, Jesus, auf? Und wer nimmt den auf, der mich gesandt hat, also Gott?“

Das scheint allemal die wichtigere Frage zu sein als „Wer ist der Größte?“ Vielleicht sollten Sie sich daran erinnern, wenn Sie sich das nächste Mal über Ihre Platzierung auf der sozialen Hühnerleiter Gedanken machen.

Und hier gibt uns Jesus mit: Die Frage „Wer nimmt mich auf?“ entscheidet sich zum Beispiel am Umgang mit heimatlosen hilfsbedürftigen Personen, hier: „unbegleitete Minderjährige“. Etwas allgemeiner: Wer den Herrn Jesus liebt und zugleich eine allgemeine und durch­gehende Abwehrhaltung gegenüber Flüchtlingen hat, der hat den Schuss nicht gehört. Jedenfalls nicht den Schuss Jesu vor den Bug seiner Jünger.

Wenn Jesus ein unbeheimatetes Kind in die Mitte stellt und von „ein Kind aufnehmen“ spricht, dann ist das nicht nur ein Statement zu „Wer ist der Größte“. Es ist auch ein Beitrag zu: „Allen dienen?“ Jesus sagt: „Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt …“ Er redet nicht von allen Kindern, nicht von allen Menschen. Wenn Sie sich für alle Nöte dieser Welt gleichzeitig zuständig fühlen, ist das eben eine Form von „der Größte sein wollen“. Mit hohem Absturz-Risiko: Sie werden sich überfordern, Sie werden frustriert sein, Wie werden die Brocken hinschmeißen – und dann eben nicht mal dieses eine Kind aufnehmen. Oder was immer sonst Ihre schaff-bare Aufgabe für andere ist.

Zurück zum Anfang. Wer in der Geschichte möchte ich am ehesten sein? Meine Antwort: Das Kind!

OK, dieses Kind bleibt namenlos. Es ist klein. Es tut nichts, was der Erwähnung wert wäre. Es ist einfach da. Jesus schenkt ihm seine Aufmerksamkeit. Es ist von ihm in den Arm genommen, von ihm gehalten. Das sollte reichen.

Vielleicht ist es ja so: So lange ich mich von ihm gehalten weiß, darf ich klein sein. Muss ich nicht der Allergrößte sein. Muss ich mich nicht besonders wichtig machen. Weil ich es doch für ihn schon längst bin!

Gebet (nach EG 406)

Bei dir, Jesu, will ich bleiben, stets in deinem Dienste stehn. Nichts soll mich von Dir vertreiben, will auf deinen Wegen gehn. Du bist meines Lebens Leben, meiner Seele Trieb und Kraft, wie der Weinstock seinen Reben / zuströmt Kraft und Lebenssaft.

Könnt ich’s irgend besser haben / als bei Dir, der allezeit / soviel tausend Gnaden­gaben / für mich Armen hat bereit? Könnt ich je getroster werden / als bei Dir, Herr Jesu Christ, dem im Himmel und auf Erden / alle Macht gegeben ist?

Ja, Herr Jesu, bei dir bleib ich / so in Freude wie in Leid. Bei Dir bleib ich, Dir verschreib ich / mich für Zeit und Ewigkeit. Deines Winks bin ich gewärtig, auch des Rufs aus dieser Welt. Denn der ist zum Sterben fertig, der sich lebend zu Dir hält.

Veröffentlicht unter Andachten | Kommentar hinterlassen