Frieden für 2019. Zur Jahreslosung 2019 aus Psalm 34, 15

A N D A C H T   H Ö R E N

Suche Frieden und jage ihm nach! (Psalm 34, 15)

Die Jahreslosung für 2019. Eine Aufforderung. Sie sollen sich auf die Suche begeben. Ein Jahr lang suchen. Den Frieden. Ich bin ja skeptisch, ob Sie den Frieden oft in der Tagesschau finden werden. 2018 jedenfalls war da ja keine gute Vorlage. Aber wer weiß, es kann sich ja auch mal was ändern. Warum nicht mal zum Guten?

Aber Frieden-Suchen, das ist ja mehr als „Danach Ausschau halten“. Das ist: den Frieden anstreben. Und das betrifft für Sie vor allem Ihren Nah-Bereich. Frieden und Unfrieden, an dem Sie direkt beteiligt sind. Wer fällt Ihnen da ein? Mit wem haben Sie einen Konflikt? Aktuell? Oder dauernd? Oder immer wieder? Beispiele: Eltern. Kinder. Partner. Nachbarin. Kollege. Chefin. Bester Freund. Mieter. Vermieterin. Finanzamt. Justiz. Alle auf einmal. Ich bin ziemlich sicher: In dieser Liste werden Sie fündig.

Sie können sich ja mal einen Konflikt herausgreifen:

  • Um was geht es in diesem Konflikt?

  • Um was geht es EIGENTLICH, also nicht nur „vordergründig“?

  • Haben Sie miteinander diesen Konflikt, oder ist das Ihr ganz „persönliches“ Ding, und der/die andere weiß das gar nicht?

  • Wie „gestalten“ Sie Ihren Konflikt? Diskutieren? Schreien? Schweigen? Über Anwälte? Bagatellisieren? Schlucken? Vergeben? „Maßnahmen“? Den Konflikt ignorieren, alles schön reden? Alte Konflikte nachtragen, viele „offene Rechnungen“? Vermittelt jemand in Ihrem Konflikt?

Wahrscheinlich haben Sie bestimmte „Neigungen“, wie Sie Ihre Konflikte austragen, vermeiden, leugnen, … Ihr „Konflikt-Typ“. Was mich betrifft: Nicht immer, aber oft bin ich ein Konflikt-Vermeider. „Um des lieben Friedens willen“, was wohl besser heißen müsste: „Um des faulen Friedens willen“. Aber manchmal kann ich Dinge ansprechen und Konflikte austragen. Bei manchen Leuten bin ich furchtlos, bei anderen habe ich Hemmungen und Angst.

Generell finde ich: Gut dran ist, wer die komplette Klaviatur der Konflikt-Gestaltungs-Möglichkeiten drauf hat, wer das alles „kann“. Wer nichts anderes kann als schweigen, kuschen, einknicken, ist ähnlich arm dran wie die, die nicht anders kann als dauernd auf der Palme zu sein und zuzubeißen. Das ist nicht nur eine Frage Ihres „Wesens“, sondern auch Ihrer „Kompetenzen“. Kompetenzen kann man lernen. Und einüben.

Klaviatur“ – das Bild passt: Klavierspieler benutzen ja nur selten die tiefsten Töne ganz links und die höchsten ganz rechts, sondern vor allem die ZWISCHENTÖNE. Und nicht nur die weißen Tasten, auch die schwarzen.

Die lieben Mitmenschen sind das eine. Und GOTT? Haben Sie mit Gott (auch) Streit?

Das mit Gott wird nicht jede/r nachvollziehen können. Wenn Sie nicht an Gott glauben, dann können Sie keinen Konflikt mit Gott haben, jedenfalls keinen, den Sie so spüren und benennen. Wenn Sie aber Gott als Basis Ihres Lebens glauben, wenn Gott Ihr großes „Du“ ist in Zeit und Ewigkeit, dann ist Friede mit Gott beinahe alles, was überhaupt von Bedeutung ist. Da haben es diejenigen gut, die mit Paulus sprechen können: (Römer 5, 1):

Nachdem wir nun aufgrund des Glaubens bei Gott angenommen sind, haben wir Frieden mit Gott. Das verdanken wir Jesus Christus, unserem Herrn.

Aber: Nicht alle Christen würden das so nachsprechen können. Mancher Christ läuft mit einer ziemlich finsteren Gottes-Vorstellung rum. Da ist Gott so eine Art Staatsanwalt, eine grimmig-bösartige Eltern-Figur, ein kleinlicher Buchhalter. Deswegen ist es ja so wichtig, immer wieder aus der frischen Quelle des Evangeliums („FROHE“ Botschaft) zu trinken!

Außerdem habe ich ja vielleicht von MEINER Seite aus einen Konflikt mit Gott. Zum Beispiel, weil Gott doch gut sein soll, und dann wendet sich das Leben mit aller Finsternis und Bösartigkeit doch gegen mich oder meine Lieben, und von Gottes Liebe und vor allem Schutz sehe ich womöglich keine Spur …

Aber vielleicht ist ja gerade „alles gut“ zwischen Gott und mir: „Ich fühle mich mit Gott versöhnt oder vertöchtert!“ Das ist dann auch gut für mehr Frieden mit meinen Mitmenschen: Frieden mit Gott stärkt meine Gelassenheit und Besonnenheit, ich treffe beim Streiten eher mal einen Zwischenton. Friede mit Gott, das bedeutet auch: Ich bin geliebt! Das macht es leichter, dem Gegner Respekt entgegen zu bringen. Dem Anderen seine Daseins-Berechti­gung zu lassen. Ihm etwas nachzusehen. Mich auf Kompromisse einzulassen.

Frieden und Konflikt im Nahbereich: Mit Ihren Mitmenschen. Mit Gott. – Wer fehlt? Na klar, Sie selbst! Leben Sie in Frieden mit sich selbst? Oder in Konflikt mit sich?

Ich behaupte: Mit sich selbst uneins zu sein, das ist eher der Normalzustand als die Ausnahme. – Gleichzeitig verschiedene Meinungen haben. Von unterschiedlichen Gefühlen bewegt werden. Widersprüchliche Wünsche und Impulse. Ich meine: Es ist absolut wichtig, diese Vielstimmigkeit zu bemerken und zuzulassen. Statt sie dauernd schon im Keim zu ersticken. Statt schon im Ansatz klein zu halten, was der eine Teil von mir am anderen Teil nicht mag.

Also: Mit mir selbst liebevoll umgehen. Vielstimmigkeit aushalten. Das gilt sogar für meine „tatsächlich“ problematischen Seiten, wie die Zehn Geboten sie ansprechen: Nicht töten. Nicht stehlen. Nicht Ehe brechen. Nicht neidisch sein … Nun kann es trotzdem vorkommen, dass so ein Impuls plötzlich da ist: „Ich könnte den Typen umbringen!“; „Ich würde mir das gern einfach nehmen!“; „Mit der oder dem würde ich gern fremd gehen!“; „Diese Erfolgs-Type könnte mich gelb vor Neid machen!“ Ein Impuls heißt nicht, dass ich das auch tue. Im Gegenteil: Wenn ich liebevoll mit mir samt diesem Impuls bin, dann kann ich damit umgehen. Aber wenn nicht sein kann, was nicht sein darf, dann verdränge und verleugne ich solche Impulse – und (erst) dann können sie unkontrolliert-gefährliches Eigenleben führen und mir übel in die Parade fahren.

Also: Eigene Vielstimmigkeit! Selbst-Annahme! Erst recht dann, denn ich zu denen gehöre, die sich selbst fertig machen, mit sich hadern, sich nichts verzeihen, gnadenlose Maßstäbe an sich anlegen, sich nie genügen, sich strafen, sich verachten, sich hassen. Wer nicht nur ausnahmsweise, sondern oft so zu sich selbst ist, hat wahrscheinlich früher Menschen um sich gehabt, die etwas davon vermittelt haben: „Du bist verkehrt! Und Du kannst es mir nicht recht machen!“ Und das glauben Sie nun womöglich selbst von sich.

Was hilft da? Die Liebe und Wertschätzung anderer Menschen zu mir wirklich glauben lernen. Speziell von denen, die mich schätzen mitsamt meinen angeblich oder wirklich schwierigen Seiten. Und was auch hilft: Mich darin einüben, an Gottes bedingungslose Liebe zu glauben.

Suche Frieden!“ Ein Bibelwort. Psalm 34 ist fast komplett ein Loblied auf Gott. Nur zwischendrin dieser kleine Beitrag, der eher in die Rubrik „Lebensberatung“ gehört:

Kommt, ihr Kinder, hört mir zu! Die Furcht des HERRN will ich euch lehren! Wer ist der Mensch, der das Leben liebt, der Tage ersehnt, um Gutes zu sehen? Bewahre deine Zunge vor Bösem; deine Lippen vor falscher Rede! Meide das Böse und tu das Gute, suche Frieden und jage ihm nach!

Den Frieden suchen – das ist hier keine fromme Pflicht, sondern etwas, das mir hilft, selbst gute Tage zu erleben. Es gehört in die Rubrik „Lebenskunst“.

Gute Vorsätze müssen nicht immer schlecht sein. Für 2019 könnten sie lauten:

  • Den Frieden suchen – Konflikte gestalten. Mit breiter Klaviatur und Zwischentönen.

  • Liebevoll mit sich selbst sei und barmherzig im Blick auf eigene Fehler.

  • Respekt vor dem anderen, auch wenn Sie an ihm manches stört.

  • Sich erinnern: „Ich habe Frieden mit Gott, und Gott mit mir! Gott hat mich lieb!“

Gott, Dein Friede, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus! Amen. (nach Philipper 4, 7)

Advertisements
Veröffentlicht unter Andachten | Kommentar hinterlassen

Sehen, Hören, Hoffnung, Trost. Andacht zum Jahresende 2018

ANDACHT HÖREN

Haben Sie‘s schon gehört? Haben Sie‘s gesehen? Haben Sie‘s gelesen? Wie das Jahr 2018 war? Alle Jahre wieder: die Jahres-Rückblicke. Was ist gewesen in unserem Land? In der Welt? Welche berühmten Leute sind gestorben? Besondere Begebenheiten, kleine Wunder. Vor allem: Katastrophen. Sie haben‘s ja geahnt. Anderes kam aus heiterem Himmel.

Haben Sie‘s gehört? Gesehen? Gelesen? Wie Ihr ganz persönliches Jahr 2018 war? Gehört – wenn Sie mit anderen darüber gesprochen haben. Gesehen – in Ihren Er­inner­ungen. Auf Fotos, in Filmen. Gelesen – vielleicht Briefe. Überraschende Karten. Verträge. Oder Sie schreiben Tage­buch und haben jetzt darin gelesen. Oder Sie schreiben einen privaten Jahresrückblick (Liebe Grüße an Mo und Max, die machen das nämlich.).

Wie war das Persönliche in 2018? Vielleicht ähnlich wie in der großen, weiten Welt: Hoffentlich schöne Begebenheiten und kleine Wunder. Aber wohl auch: Katastrophen. Sie hatten es geahnt. Oder es kam aus heiterem Himmel.

Wie Sie nun in das Jahr 2019 gehen, hat damit zu tun, was Sie im Rückblick auf 2018 alles hören, sehen, lesen. Das bestimmt mit, ob HOFFNUNG für Sie im Spiel ist auf der Schwelle zu 2019.

Und nun: Worte von vor ca. 2560 Jahren. Fernab von Israel, in Babylonien, spricht ein Prophet zu den Verbannten aus Juda. Wir nennen ihn heute den „zweiten Jesaja“, sein richtiger Name ist nicht bekannt. Der Prophet hat eine gute Botschaft: Bald ist die Zeit der Verbannung vorbei! Die Jahrzehnte in der Fremde und am Rande der Gesellschaft sind dann vorüber!

Haben Sie‘s gehört? Gesehen? – Das Folgende hat mit dem Hören und Sehen zu tun …

Hört mir zu, die ihr der Gerechtigkeit nachjagt, die ihr Gott sucht: Schaut den Fels an, aus dem ihr gehauen seid, und des Brunnens Schacht, aus dem ihr gegraben seid. Schaut Abraham an, euren Vater, und Sara, von der ihr geboren seid. Denn als einen Einzelnen berief ich Abraham, um ihn zu segnen und zu mehren. Ja, Gott tröstet Zion, er tröstet alle ihre Trümmer und macht ihre Wüste wie Eden und ihr dürres Land wie den Garten Gottes, dass man Wonne und Freude darin findet, Dank und Lobgesang.

Merke auf mich, mein Volk, hört mich, meine Leute! Denn Weisung wird von mir aus­gehen, und mein Recht will ich gar bald zum Licht der Völker machen. Denn meine Ge­rech­tigkeit ist nahe, mein Heil tritt hervor, und meine Arme werden die Völker richten. Die Inseln harren auf mich und warten auf meinen Arm. Hebt eure Augen auf zum Himmel und schaut unten auf die Erde! Denn der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen, und die darauf wohnen, werden wie Mücken dahinsterben. Aber mein Heil bleibt ewig, und meine Ge­rech­tig­keit wird nicht zerbrechen.

Hört mir zu, die ihr die Gerechtigkeit kennt, du Volk, in dessen Herzen mein Gesetz ist! Fürchtet euch nicht, wenn euch die Leute schmähen, und entsetzt euch nicht, wenn sie euch verhöhnen! Denn die Motten werden sie fressen wie ein Kleid, und Würmer werden sie fressen wie ein wollenes Tuch. Aber meine Gerechtigkeit bleibt ewig und mein Heil für und für. (Jesaja 51, 1-8)

Die Verbannten hören hier nicht die Jahresrückblicke in Babylonien. Sie blicken nicht auf ihre eigenen alten Erfahrungen. Sondern? Auf Gott! Auf sein Wort! Sie hören auf seinen Propheten!

Und was bekommen sie da zu sehen, zu hören? Es geht um Heil. Um Gottes Recht. Um Trost für das noch zerstörte Jerusalem. Um Gerechtigkeit. Das hebräische Wort für Gerechtigkeit be­deutet mehr als Fairness und Ausgleich. Gerechtigkeit ist mehr als ein gutes Gerichtsurteil. Es meint Erfüllung und Heil. Es hat was von „alles ist gut“. Ja, alles wird gut! Endlich!

Also: Gott macht es gut. Und Gott verlangt NICHT: „Nun macht IHR es mal gut!“

Aber wenn das stimmt, wieso sagt Gott den Verbannten das überhaupt vorab? Meine Antwort: Weil diese sehnsüchtigen, manchmal so verzweifelten Leute dringend Trost brauchen. Hoffnung. Mut zum Durchhalte­n.

Hören die Verbannten auf den Propheten? Lassen sie sich trösten? Bekommen sie Hoffnung? Einige schon. Denn wenn alle Leute diese Worte für dummes Zeug gehalten hätten, dann hätte niemand sie aufge­schrieben, aufbewahrt, überliefert.

Ob bestimmte Leute dem Propheten mehr als andere ihre Ohren und ihre Herzen öffnen? Zumindest spricht der Prophet selbst einzelne Gruppen besonders an. Bei bestimmten Sorten Zuhörer fällt die Saat seiner Worte wohl auf besseren, empfangs-bereiteren Boden. Er nennt …

  1. Die, die der Gerechtigkeit nachjagen.

  2. Die, die sich unter dem Segen ihrer Stamm-Eltern Abraham und Sara sehen.

  3. Die, die wissen: Wir gehören zu Gott! – „mein Volk“, „meine Leute“.

  4. Die, in deren Herzen Gottes Gesetz ist.

Und nun zu uns. Sind Sie und ich guter Ackerboden für solche uralten Worte? So, dass Hoffnung und Trost wachsen, auch den schlimmen Erfahrungen von 2018 zum Trotz? Ich übertrage es mal für uns, was empfangs-bereite Zuhörende sind:

  1. Die, die der Gerechtigkeit nachjagen: Das sind Sie, wenn Sie nicht ausschließlich die eigenen Schäfchen ins Trockne bringen wollen, nicht nur Ihr privates Glück pflegen. Wenn Sie meinen: Andere sollen auch in Würde leben! Und wenn Sie diesem Wunsch „nach­jagen“, also einen Beitrag dazu leisten. Also nicht nur denken, fühlen, sondern etwas tun.

  2. Diejenigen unter dem Segen der Stamm-Eltern: Wir als Christinnen und Christen werden uns da mehr noch als auf Abraham und Sara auf Jesus Christus beziehen. Von ihm her kommen, in ihm wurzeln.

  3. Mein Volk“, „meine Leute“: Von sich selbst sagen: „Ich gehöre zu Gott! Zu seinen Leu­ten!“ Als die wohl wichtigste Antwort auf die Fragen: „Wer bin ich? Wo gehöre ich hin?“

  4. Die, in deren Herzen Gottes Gesetz ist: Diejenigen, die nach Gottes Willen fragen. Die das, was sie als Gottes Willen verstanden haben, zu leben versuchen. Die es mit der Liebe haben: zu Gott, zum Nächten, zu sich selbst.

Na, finden Sie sich da irgendwo wieder? Was mich betrifft: Würde ich gern, tue ich aber nicht immer. Und falls mir dann Gottes Wort in Konkurrenz zu allen „harten Fakten“ kaum Trost und kaum Hoffnung macht – vielleicht ist das dann ein Hinweis: Dirk, besinne Dich auf Deine Quellen! Geh dahin, wo Du Deine geistlichen Wurzeln hast!

Und wenn Sie sich jetzt in diesem Moment auf das Thema „Gott“ einlassen beim Lesen, dann ist auch so eine Orientierung hin zur Quelle – auch dann noch, wenn meine Worte für Sie wenig taugen und an Ihnen vorbei gehen sollten.

Und wenn Sie sich Richtung Quelle orientieren – aber Hoffnung und Trost bleiben trotzdem aus? Wenn übermächtige „Tatsachen“ Sie in Angst und Hoffnungslosigkeit zwingen und Ihnen allen Trost rauben? Vielleicht können Sie sich da an einem Trost HINTER der Trostlosigkeit festhalten, den der Prophet noch für Sie bereit hält:

  • „Der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen, und die darauf wohnen, werden wie Mücken dahinsterben. Aber mein Heil bleibt ewig, und meine Ge­rech­tig­keit wird nicht zerbrechen.“

  • „Fürchtet euch nicht, wenn euch die Leute schmähen, und entsetzt euch nicht, wenn sie euch verhöhnen! Denn die Motten werden sie fressen wie ein Kleid, und Würmer werden sie fressen wie ein wollenes Tuch. Aber meine Gerechtigkeit bleibt ewig und mein Heil für und für.“

Die schlechte Nachricht ist: Alles zeitliche Glück vergeht, es darf nicht ewig dauern. Die gute Nachricht: Alles Unheil vergeht auch! Es dauert auch nicht ewig. Aber Gottes Heil und seine Gerechtigkeit, die sind für die Ewigkeit.

In diesem Sinne: Schöpfen Sie in 2019 mit großen Ohren und Augen aus Ihrer Quelle! Hoffnung und Trost! Allem zum Trotz, was Sie sonst noch hören und sehen!

Gebet

Gott! Im Rauschen der Töne und Stimmen und trotz der vielen Bilder: Lass mich Dich vor Augen haben, Du Unsichtbarer! Lass mir Deine ewige Treue im Ohr bleiben! Amen.

Veröffentlicht unter Andachten | Kommentar hinterlassen

Jesus wird geboren. Gedicht zum 21.12.2018 und zu Weihnachten

GEDICHT HÖREN

GEDICHT LESEN / HERUNTERLADEN

Veröffentlicht unter Andachten | Kommentar hinterlassen

Stammbaum. Andacht zum 3. Advent 2018

ANDACHT HÖREN

Ist die Bibel langweilig? Hier können Sie sich überzeugen ..

Als Jesus sein Werk begann, war er etwa dreißig Jahre alt. Er galt als Sohn Josefs. Josef war ein Sohn Elis; seine weiteren Vorfahren waren: Mattat, Levi, Melchi, Jannai, Josef, Mattitja, Amos, Nahum, Hesli, Naggai, Mahat, Mattitja, Schimi, Josech, Joda, Johanan, Resa, Serubbabel, Schealtil, Neri, Melchi, Addi, Kosam, Elmadam, Er, Joschua, Eliser, Jorim, Mattat, Levi, Simeon, Juda, Josef, Jonam, Eljakim, Melea, Menna, Mattata, Natan, David, Isai, Obed, Boas, Salmon, Nachschon, Amminadab, Admin, Arni, Hezron, Perez, Juda, Jakob, Isaak, Abraham, Terach, Nahor, Serug, Regu, Peleg, Eber, Schelach, Kenan, Arpachschad, Sem, Noach, Lamech, Metuschelach, Henoch, Jered, Mahalalel, Kenan, Enosch, Set, Adam – und Adam stammte von Gott. (Lukas 3, 23-38)

Ein Stammbaum. Aber es gibt Leute, die Stammbäume ausgesprochen spannend finden: Ahnenfor­scher nämlich.

Bei der Ahnenforschung geht es meist um den eigenen Stammbaum. Worin liegt der Reiz? Nun, mein Stammbaum sagt mir etwas darüber, woher ich komme und zu wem ich gehöre, also: Wer ich bin. Ich hatte einen liebenswürdigen, etwas kautzigen und von seinen Schülern nicht ernst ge­nommen­en Lehrer. Der war ein direkter Nachfahre von Karl dem Großen. Und vor einiger Zeit habe ich einen Herrn kennen gelernt, der seine Verwandtschaft in den USA ausfindig gemacht hat und schon öfter dort war. Also: Der Lehrer ist einer, der trotz seines täglichen Kampfes um’s Überleben im Klassenzimmer vom Geblüt Karls des Großen ist. Und der Herr mit der amerikanischen Verwandtschaft, der weiß sich als Teil einer weltumspannenden Familie. Ihr Stammbaum verrät Ihnen, woher Sie kommen, wohin Sie gehören, wer Sie sind. Er suggeriert Ihnen das zumindest.

Besonders schwierig ist es, wenn Menschen mit ihren biologischen Eltern ausgesprochen schlechte Erfahrungen gemacht haben: Gewalt, Missbrauch, seelische Grausamkeit. Selbst dann sind aber die gefühlten biologischen Bande manchmal so stark, dass die Opfer nicht immer die Kraft haben, die Wurzeln zu kappen. Und wenn doch, kann es ungemein schwierig sein, bei anderen Menschen so etwas wie Heimat und Familie zu finden.

Und Jesus? Sein Stammbaum? Wenn Sie Christin oder Christ sind, dann werden Sie sich Jesus zugehörig wissen – als Nachfolger/in, als sein Freund oder seine Freundin, als sein Bruder oder seine Schwester. Und dann müsste Sie doch interessieren, woher Jesus kommt, zu wem er gehört – und wohin Sie selbst folglich gehören als eine oder einer von ihm.

Der Stammbaum von eben ist aus dem Lukas-Evangelium. Ein anderer Stammbaum steht im Matthäus-Evangelium. Nur leider: Beide Stammbäume sind die von Josef, dem Mann Marias. Nun berichten uns aber aus­gerechnet dieser Lukas und dieser Matthäus die Geschichte von der Jungfrauengeburt. Dann aber sagen beide Stammbäume schlicht Null komma nichts über Jesu biologische Wurzeln. Und weiter: Wenn Sie die Namen in beiden Stammbäumen vergleichen, finden Sie erhebliche Abweichungen.

Also: Biologisch geben diese Stammbäume nichts her. Sie behaupten das auch noch nicht einmal. Umso deutlicher wird: Sie wollen auf andere Weise sagen, wer Jesus ist.

Schauen wir uns den Lukas-Stammbaum genauer an: Er umfasst nicht weniger als die komplette Menschheitsgeschichte. Er fängt bei Jesus an und endet aufsteigend bei Adam und dann bei Gott. Gottes Geschichte mit den Menschen läuft also von Beginn der Menschheit an auf Jesus zu. Dabei spielt die Zahlensymbolik eine Rolle: In der Lukas-Fassung gibt es elf mal sieben Generationen. Mit Jesus beginnt der zwölfte Siebener-Block. Zielpunkt und Neu-Anfang. Kristallisationspunkt der Menschheits-Geschichte.

Ansonsten bei Lukas: Viele „No-Names“. Jesus ist kein „Hochwohlgeborener“ mit lauter Promi­nenz im Stammbaum, sondern er ist „einer von uns“. Auch da gibt es natürlich Ausnahmen: Abraham, Isaak, Jakob zum Beispiel, die Stammväter Israels. Damit wird klar: Auch die Geschichte des Gottesvolkes läuft auf Jesus zu. Und dann König David. Der Messias sollte Davids Nachfahre sein. Darum darf David hier nicht fehlen, damit klar wird: In Jesus sind die alten Messias-Verheißungen erfüllt. (Jesus selbst bestreitet übrigens, dass der Messias ein David-Nachfahre ist – siehe Markus 12, 35-37.)

Dann Jesu Stammbaum im Matthäus-Evangelium. Der führt nicht von Jesus hinauf zu Adam, sondern in umgekehrter Richtung vom Stammvater Abraham hinunter zu Jesus. Da ist also nicht so sehr die Menschheit im Blick, sondern Israel, das ja mit Abraham begann.

Und wieder Zahlen-Symbolik – der Evangelist verrät sie uns selbst:

Zusammengerechnet sind es vierzehn Generationen von Abraham bis David, vierzehn weitere von David bis zur Wegführung nach Babylonien und noch einmal vierzehn von dieser Zeit bis zu Christus. (Matthäus 1, 1-17)

Hier also: Christus ist Erfüllung, Zielpunkt der Geschichte des Gottesvolkes. Dabei spielt der Messias auf dem Thron Davids eine besondere Rolle. Denn alle Könige als Nachfahren Davids kommen hier vor. Was die dreimal 14 Generationen betrifft: Die „14“ ist der Zahlenwert der hebräischen Buchstaben von „David“. Noch etwas: Matthäus erwähnt nicht nur lauter Männer, sondern ausdrücklich auch vier Frauen:

  • Rahab, die heidnische Prostituierte aus Jericho. Sie hatte die israelitischen Kundschafter ver­steckt und ihnen so das Leben gerettet.

  • Rut, die Moabiterin, Witwe eines israelitischen Wirtschaftsflüchtlings, die mit nichts als ihrer alten Schwiegermutter einen Anfang wagt im Land ihres verstorbenen Mannes.

  • Die „Frau Urijas“, Bathseba. Ihre Ehe bricht der ach so edle König David, und ihren tapferen Ehemann lässt David geschickt durch Feindeshand umbringen.

  • Maria, das einfache galiläische Mädchen, die Mutter Jesu.

So viel ist klar: Die Stammbäume sagen uns viel darüber, wer Jesus ist. – Aber was haben nun diese Stammbäume mit Ihnen und mit mir zu tun? Antwort: Ob Sie nun König sind oder Prostituierte, zugewandert oder mit festen Wurzeln, einfach oder hochwohlgeboren, mit weißer Weste oder schuld­beladen, prominent oder ein No-Name: In der Familie Jesu sind Sie in guter Gesellschaft. In wirklich guter Gesellschaft. Ich meine damit nicht unbedingt die Gesellschaft der anderen Christen, denn die sind nicht so viel anders als Sie und ich. Aber die Gesellschaft dessen, auf den alles zuläuft: Jesus von Nazareth. Bei ihm haben Sie einen Namen. Unbedingt.

Gebet:

Christus, Du Licht der Welt und Licht meines Lebens! Zu Dir darf ich gehören. Ich darf Mitglied Deiner großen Familie sein. So, wie ich bin. Ich danke Dir! Amen.

Veröffentlicht unter Andachten | Kommentar hinterlassen

Stars und Sternchen. Andacht zum 7.12.2018 und zum 2. Advent

ANDACHT HÖREN

Advent ist die Zeit der Sterne. Daran ist wohl der Stern von Bethlehem schuld. Und die Zeit des Lichtes ist die Adventszeit sowieso – ausgerechnet im dunkelsten Monat des Jahres, was das Sonnen-Licht betrifft. Für mich ein Anlass, einen Blick in das allererste Kapitel der Bibel zu werfen. Denn schon da, bei der Schöpfung, geht es ums Licht. Und um die Sterne und die anderen Himmelskörper.

Alles beginnt damit, dass der Welt ein Licht aufgeht. Oder etwas genauer: Dass Gott spricht – und dann geht ihr ein Licht auf …

Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag. (Genesis 1, 3-5)

Der erste von sieben Schöpfungstagen. Glauben Sie das mit den sieben Tagen? Ich nicht. Trotzdem: Alles fängt damit an, dass Gott Licht ins Dunkel bringt. Man kann aber nicht nach Schwarz-Weiß-Manier sagen: „Früher war alles finster, nun ist alles hell!“ Nein, sondern Finsternis und Licht bleiben nebeneinander bestehen. Besser: Sie wechseln einander ab. Das gilt wahrscheinlich auch für Ihr Leben. Vergessen Sie also nicht: Wenn Ihre Tage voller Licht sind – es kommen auch dunkle Zeiten! Wenn Ihre Tage verdunkelt sind – Sie werden wieder Licht sehen! Dieses Wechselspiel steckt von Anfang an in der Schöpfung.

So, das Licht ist also geschaffen. An den Folgetagen, so geht unsere Erzählung weiter, schafft Gott ein trockenes Plätzchen in den Urfluten. Gott schafft Meer und Land. Gott schafft die ganze Vegetation auf dem Festland. Und erst danach: die Sterne!

Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre und seien Lichter an der Feste des Himmels, dass sie scheinen auf die Erde. Und es geschah so. Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne. Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, dass sie schienen auf die Erde und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, dass es gut war. Da ward aus Abend und Morgen der vierte Tag. (Genesis 1, 14-19)

Da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich: Wie kann Gott am ersten Tag zusammen mit dem Licht auch gleich Tag und Nacht machen, wie kann es Abend und Morgen werden, wenn erst am vierten Tag Sonne, Mond und Sterne dazu kommen? Wer das Modell „Sieben Tage“ verteidigen will, muss sich an dieser Stelle vom Text selbst verabschieden, um sich mühevoll alles gedanklich passend zu biegen.

Man kann den Text aber auch anders lesen: Diese Geschichte ist ein Angriff auf die altorientalische, speziell die babylonische Praxis, die Gestirne als Götter zu verehren und anzubeten. Da kommt nun auf einmal das Volk der Juden her, erzählt die Schöpfung auf eigene Weise und sagt: „Nein, das, was ihr als Götter am Himmel anbetet, das sind in Wirklichkeit ganz kleine Lichter! Lampen, die Gott dort aufgehängt hat! Nützlich für die Regulierung von Tag, Nacht und (Mond-)Monaten. Aber das eigentliche Licht kommt ganz woanders her!“ – Das hat wohl nicht den Dialog zwischen den Religionen erleichtert. Die babylonischen Sternenverehrer werden sich ganz schön auf den Schlips getreten gefühlt haben.

Und was geht uns das an? Diese Geschichte kann uns misstrauisch machen. Gegen alle möglichen kleinen Lichter, die sich zu Göttern aufplustern und Unterwerfung verlangen. Das fängt ganz wörtlich bei den Sternen an. Es soll ja Leute geben, die ihren eigenen Charakter und ihre Zukunft durch die Sterne bestimmt sehen. Dieser moderne Aberglaube fällt aber sogar hinter die Babylonier zurück. Erstens: Heute gelten die Sterne nicht mal mehr als Gegenüber. Sie sind nur noch abstrakte Mächte. Zweitens: Die Sterne nehmen denen, die dran glauben, Freiheit und Verantwortung. Denn alles steht ja sowieso schon fest. Drittens: Diese ganze Astro-Szene ist heute vermutlich viel stärker kommerzialisiert als damals in Babylon.

Und warum glauben Leute heute so etwas? Meine Vermutung als Kritiker: Es ist so viel so wacklig geworden: Die Welt und ihre Ordnung, grundlegende Überzeugungen und Werte, anerkannte Regeln, Vorbilder, die ökologische Basis. Fake-News soll es auch geben. Was gilt noch? Da kann die Angst ins Kraut schießen. Und da ist manch einer gern bereit, Freiheit und Verantwortung an den Nagel zu hängen, um zu glauben: Erstens ist alles vorbestimmt. Zweitens muss ich mein Sternkreiszeichen kennen, um zu wissen, wer ich bin. Drittens höre ich auf mein Horoskop, dann weiß ich, wo’s langgeht. Oder, und das ist ganz ähnlich: Ich höre auf den Anlageberater, den allwissenden Prediger, auf die platten Wahlversprechen derjenigen Politiker mit dem schlichtesten Weltbild und den einfachsten Erklärungen, wer an allem schuld ist.

Weiter: Nicht ganz zufällig heißen berühmte und verehrte Personen „Stars“, also „Sterne“. Welche Dimensionen das annimmt, können Sie verfolgen, wenn so ein Star stirbt. Lady Di war da vermutlich unübertroffen. Das alles läuft natürlich nur, weil es durch die Medien inszeniert wird. Stars werden „aufgebaut“. Was den einen Gegenstand der Verehrung ist, daran verdienen sich die anderen eine goldene Nase.

Schräg ist das schon: Ein Millionenpublikum nimmt mit intensiven Gefühlen teil an Liebe, Leid, Tragödien, Eskapaden der Stars und Sternchen – und bleibt zugleich recht unberührt von Tragödien im persönlichen Umfeld, in Eritrea oder Jemen, um mal weniger „populäre“ Not-Gebiete zu nennen. Stars sind da sehr praktisch: Sie erlauben mir große Gefühle in einem tristen eigenen Alltag. Und bei allen Dramen der Prominenz: Mit so unangenehmen Dingen wie Hunger, Folter, Schuldsklaverei, Kinderarbeit, dreckigem Wasser, fehlender medizinischer Versorgung und unbezahlbarem Schulgeld muss sich die Prominenz nicht herumschlagen – oder allenfalls als Wohltäter. Und ihre Zuschauer und Bewunderer müssen es auch nicht.

Noch wichtiger wird die Sache mit den Sternen aber, wenn Sie sich ganz persönlich fragen: „Wovon erwarte ich eigentlich, dass es mein Leben hell macht? Von welchen Plänen, Hoffnungen, Menschen, von welchen Anschaffungen, Aktivitäten, Gesundheits-Faktoren erwarte ich das?“ – Unter der Überschrift „Meine Sterne“.

Mir geht es aber nicht darum, Ihnen die Sterne an Ihrem Seelen-Himmel schlecht zu machen. Eher im Gegenteil: In unserer Geschichte von der Schöpfung hat sich Gott dafür immerhin einen vollen Tag Zeit genommen. Denn diese Gestirne sollen dem Leben auf der Erde Ordnung und Struktur geben. Und Ihre Seelen-Sterne helfen Ihnen, Schwerpunkte zu setzen und Ihren Alltag zu gestalten, bis hinein in Ihre Zeiteinteilung – mit Zeit für sich ganz allein, für Beruf oder Ehrenamt, für Partnerschaft, Freunde, Stille mit Gott, für die Tageszeitung, das Bügeln, das Müllsammeln im Wäldchen, das Kinderhüten bei der überforderten Nachbarsfamilie, für den Spaziergang mit dem Hund, den Gottesdienst, das Nordic Walken, den Garten, das Essen, den Schlaf.

Nur – die Botschaft unserer Geschichte ist: All diese Sterne sind Lampen. Meistens schöne, zeitweise wichtige. Aber eben nur Lampen. Sie verdienen keine Anbetung. Man braucht sie auch nicht krampfhaft festzuhalten. Man muss sie manchmal auch sehr kritisch sehen. Machen Sie Ihre Sternchen nicht zu Ihren Göttern. Bewahren Sie sich Freiheit, Verantwortung und die Fähigkeit zum Loslassen und Verändern!

Viel Freude in der Adventszeit an den Sternen am Himmel, in den Straßen und Häusern! Aber nicht vergessen: Das eigentliche Licht kommt woanders her! Dafür steht die Schöpfungsgeschichte. Und dafür steht das Kind in der Krippe.

Gebet:

Gott, inmitten meiner Dunkelheit: Lass mir Dein Licht aufgehen! Bei allem, was mich blendet: Lenke meinen Blick zu Dir! Amen.

Veröffentlicht unter Andachten | Kommentar hinterlassen

Es klopft. Andacht zum 30.11.18 und zum 1. Advent

ANDACHT HÖREN

Es klopft. Jemand will zu Ihnen. – Was tun? Sie könnten „Herein!“ sagen. Oder zur Haustür gehen, wenn es dort geklingelt hat.

Welche Gründe gibt es, nicht „Herein!“ zu sagen, nicht zu öffnen?

  1. Sie möchten niemandem SO nicht unter die Augen treten. – Sie sind gerade unter der Dusche oder tragen den Uralt-Jogginganzug, haben verweinte Augen, sind ungeschminkt, unrasiert.

  2. Sie möchten niemandem den Zustand Ihrer Wohnung zumuten. – Zeitungen, unge­waschene Teller, einzelne Socken, Kinderspielzeug, wo man hintritt. Womöglich gar Dinge, die mehr über einen verraten, als einem lieb sein kann: leere Flaschen zum Beispiel.

  3. Sie haben Angst. Es könnte der Gerichtsvollzieher sein. Oder ein Trickdieb, ein Räuber, die Schwiegermutter.

  4. Sie möchten allein sein. Sogar jemand, den Sie „an sich“ gern sehen, wäre Ihnen zu viel. Aber Sie würden es nicht fertig bringen, ihm das zu sagen, ihn abzuweisen.

  5. Trotz und Weltschmerz: „Ihr könnt mir alle mal gestohlen bleiben!“, „Wer hier klingelt, will immer nur was von mir!“, „Mich hat sowieso keiner lieb!“

  6. Zu viel Krach: Ihr Fernseher ist zu laut, die Musikanlage, das familiäre Geschrei. Sie hören das Klopfen oder die Klingel gar nicht.

Sechs Gründe, aber – meist – kein einziger guter Grund. Nein, Sie müssen nicht dauernd erreichbar und aufnahmebereit sein. Aber wenigstens nachschauen, wer es denn ist und um was es geht, das sollte gewöhnlich gehen. – Wenn Sie denn den anderen auch wieder wegschicken können, wenn’s die falsche Person oder der falsche Zeitpunkt ist.

Ich finde vor allem die Motive hinter den sechs Gründen problematisch: Scham, Peinlichkeit, Angst, Schüch­ternheit, Trotz, Weltschmerz, Krach. Das darf und muss zwar alles mal sein. Aber zumindest als Dauer-Haltung kann ich all das nicht empfehlen.

Gegen das geistliche „Sich-dicht-Machen“ wendet sich unser Bibeltext. Christus selbst „steht auf der Matte“. Durch den Mund des Sehers Johannes, der das Buch „Offenbarung“ geschrieben hat:

Siehe, ich stehe an der Tür und klop­fe an. Wenn jemand meine Stimme hö­ren wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten, und er mit mir.” (Offenbarung 3, 20)

Zwei Sätze aus den „sieben Sendschreiben“ an Gemeinden in der heutigen Türkei. Genauer: Zwei Sätze aus dem Sendschreiben an die Gemeinde in Laodizea. In Laodizea haben sich nicht nur einzelne Per­sonen abgeschottet und dicht gemacht, sondern eine ganze christliche Gemeinde. Nicht aus Scham oder Angst, sondern weil man es sich so schön eingerichtet hat in seinem frommen Leben. Weil die Christen sich selbst genug sind und auf nichts mehr warten. Kurz: Behäbigkeit und Abstumpfung. – Ähn­lich­keiten mit Ihnen oder mir wären natürlich rein zufällig.

Und jetzt die kritischen Worte in dem Sendschreiben:

Ihr seid weder warm noch kalt. Wenn ihr wenigstens eins von beiden wärt! Aber ihr seid weder warm noch kalt. Ihr seid lauwarm. Darum werde ich euch aus meinem Mund ausspucken. Ihr sagt: „Wir sind reich und bestens versorgt. Uns fehlt nichts.“ Aber ihr wisst nicht, wie unglücklich und bejammernswert ihr seid, elend, blind und nackt.

Ich rate euch: Kauft von mir Gold, das im Feuer gereinigt wurde, dann werdet ihr reich! Kauft euch weiße Kleider, damit ihr nicht nackt dasteht und euch schämen müsst! Kauft euch Salbe für eure Augen, damit ihr sehen könnt! Alle, die ich liebe, weise ich zurecht und erziehe sie streng. Macht also Ernst und kehrt um!

Alle, die ich liebe, weise ich zurecht …“ – Sieht so eine Liebeserklärung aus? Ja, denn Liebe bedeutet nicht, dass alles weichgespült und glatt gebügelt wird, was nicht in Ordnung ist. Nicht in Ordnung ist: Das Bild, das die Christen in Laodizea von sich haben, ist so ganz anders ist als das Bild von ihnen in Christi Augen: In den eigenen Augen sind sie „reich“, „bestens ver­sorgt“, ohne Mangel. In Christi Augen aber „unglücklich“, „bejammernswert“, „elend, blind und nackt“.

Und nun steht Christus vor der Tür und klopft an – bisher ohne Erfolg: Die Christen haben mit ihrem eingespielten (Glaubens-) Leben Christus faktisch ausgesperrt. Christus kann ihre Kreise nicht stören, er kann ihre Welt nicht in Frage stellen. Im Bild gespro­chen: Die CD mit den frommen Chorälen ist so laut gedreht, dass keiner das Klopfen hört. Und dabei müsste so dringend die Tür aufgehen, frische Luft rein, ein neuer Geist. Dass sich die Leute der Nähe Christi aussetzen.

Und ich? Was hält mich womöglich davon ab, Christi Klopfen zu hören und die Tür zu öffnen?

  • Vielleicht wie in Laodizea die Behäbigkeit – dass niemand meine Kreise stören soll.

  • Oder die Scham, Christus so unter die Augen zu treten, wie ich bin, ohne Maske und Fassade.

  • Die Scheu, Christus mein Chaos zuzumuten, all das Ungeordnete, Un­ge­klärte, Unaufgeräumte, die ganzen „Altlasten“.

  • Vielleicht die Angst – vor einem Gott, der mich nur aus einem einzigen Grund aufsucht: um mich zur Rechenschaft zu ziehen, in die Pfanne zu hauen und mich mit all dem zu belasten, was das Leben schwer und quälend macht. – Also meine verquere Gottes-Vorstellung.

  • Trotz und Weltschmerz: „Das ganze Fromme kann mir gestohlen bleiben!“ und „Mir kann sowieso keiner helfen!“ – Getreu den Worten des Blinden: „Ich glaube nur, was ich sehe!“

  • Oder Lebens-Lärm: So viel Lautes, so viel Unruhe, Termine, redende Mit­men­schen, plappern­de Radios, rauschende Musikanlagen, Fernseher, Zeitschriften, Bücher. Dauernd was in der Hand haben. Kein geistlicher Impuls passt da noch ins Ohr, ins Bewusstsein, ins Herz. Es ist schlicht kein Platz mehr für Christus.

Das Schöne für die Christen in Laodizea und für uns ist: Trotz aller Kritik ist das Sendschreiben eine Liebes-Erklärung. Christus liebt Sie, „belagert“ Sie, will Sie erreichen, bei Ihnen ankommen, bei Ihnen sein – trotz aller lauwarmen Behäbigkeiten, trotz allem, was hinter der Fassade ist, trotz des Lebens-Chaos und der Angst, trotz Welt­schmerz, Gott-Verneinung und Lärm.

Es klopft. Mit Geduld und Beharrlichkeit. Immer noch. Immer wieder. Es gibt viele Gründe, das Klopfen zu überhören. Oder sich blockiert zu fühlen, die Tür zu öffnen. Dicht zu machen. Aber man kann auch: hinhören, auf­stehen, öffnen und sagen: „Willkommen! Tritt doch ein!“

Gebet:

Christus, klopfst Du auch bei mir? Ich höre nichts! Ich vermisse Dein Klopfen. Manchmal fehlst Du mir so. Da will ich Deine Stimme hören, da will ich Deine Hand spüren und – nichts ist.

Vielleicht stimmt es ja: Es ist zu laut um mich herum, zu laut in mir drin. So viele Stimmen, so viele Gedanken. So viel zu erledigen. Ich ziehe meine Kreise, drehe am Rad – und bin doch so starr, so mutlos, so verschlossen, so dicht, so taub.

Christus, klopf doch weiter! Gib nicht auf! Lass mich Dich hören. Und die Tür finden. Möglichst heute noch! Amen.

Veröffentlicht unter Andachten | Kommentar hinterlassen

Gedicht von Maria und Marta. Zum 23.11.2018

GEDICHT HÖREN

GEDICHT LESEN (PDF)

 

Veröffentlicht unter Andachten | Kommentar hinterlassen